- Thorsten Küfner - Redakteur

Schäuble, Post oder Telekom: Wer bekommt ihr Geld?

Er reibt sich die Hände: Jedes Mal, wenn der Bund neue, kurzlaufende Anleihen emittiert, klingelt bei Finanzminister Wolfgang Schäuble die Kasse. Denn der Staat verdient angesichts der Negativzinsen mit seinen Schulden bares Geld. Wegen der Furcht vor hohen Verlusten mit Aktien oder anderen Wertpapieren akzeptieren Investoren offenbar lieber garantiert geringe Verluste bei sicheren deutschen, niederländischen, finnischen oder etwa französischen Staatsanleihen. Auch die Renditen von Unternehmensanleihen notieren – bei finanzstarken Schuldnern – mitunter bereits unter der Nulllinie. Vor diesem Hintergrund drängt sich selbst für vorsichtige Anleger ein Engagement in Aktien regelrecht auf. Ein Ansatz wäre dabei, vor allem auf dividendenstarke Aktien zu setzen, an denen der Staat auch selbst beteiligt ist. Denn dies muss sich nicht, kann sich aber in einigen Fällen auch als durchaus vorteilhaft erweisen. Denn zum einen verfügt ein Unternehmen durch den Staat in der Regel über einen finanzstarken Partner. So ist nicht davon auszugehen, dass die Politik Entscheidungen anstrebt, die dem Konzern, an dem der Staat selbst Anteile hält, Schwierigkeiten oder Wettbewerbsnachteile einbringen könnten.

Erst kürzlich gab beispielsweise die Bundesnetzagentur grünes Licht für den weiteren Ausbau des Telekom-Vectorings. Der Deutschen Telekom wird dadurch vom Staat, der aktuell 32 Prozent der Anteile besitzt, ein kleiner Wettbewerbsvorteil verschafft. Indes ist die Deutsche Telekom einer der Top-Dividendenzahler im DAX. Dieses Jahr wurden 0,55 Euro pro Aktie ausgeschüttet. Nächstes Jahr sollen es schon 0,60 Euro sein, danach sogar 0,67 Euro, was einer Dividendenrendite von 4,7 Prozent entsprechen würde.

Sicherlich macht die starke Rendite die Deutsche Telekom besonders attraktiv. Ein weiterer Pluspunkt sind die geringen Risiken, die ein Anleger im europäischen Telefonsektor eingeht. Neben hohen Renditen bietet die Telekom aber auch die Chance auf einen Kurszuwachs. So will das Unternehmen auf dem noch stark fragmentierten Wachstumsmarkt der Cloud-Dienste weitere Umsätze generieren. Der Telekommunikationskonzern investiert 170 Millionen in den Ausbau seiner Serveranlagen in Biere und Magdeburg. Mit dem Neubau sollen die Kapazitäten bis Sommer 2018 um das Anderthalbfache erweitert werden. Ein Pluspunkt für die Telekom- Cloud ist der strenge deutsche Datenschutz. So gaben in einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom rund 76 Prozent der befragten Unternehmen an, ein Rechenzentrum in Deutschland sei für Cloud-Anwendungen ein Muss.

Ein weiterer Konzern, an dem der Staat über die KfW noch knapp 21 Prozent hält, ist die Deutsche Post. Und auch hier können sich die Anteilseigner seit Jahren über stattliche – und deutlich steigende – Dividenden freuen. Zahlte der Logistik- Riese im Jahre 2006 noch 0,60 Euro je Aktie, waren es dieses Jahr bereits 0,85 Euro. Für 2016 sollen Prognosen der Analysten zufolge 0,95 Euro ausgeschüttet werden, für 2017 könnte die Marke von 1,00 Euro fallen. Auch für die kommenden Jahre gehen die Experten davon aus, dass das Unternehmen die Ausschüttungen für die Anteilseigner weiter anheben wird. Neben der soliden Dividendenpolitik erfreute die Post ihre Anteilseigner auch durch den Rückkauf eigener Aktien. So wurden etwa allein in der vorangegangenen Handelswoche eine Million Papiere erworben. Neben dem dank der Onlinehändler wie Zalando, Amazon & Co nach wie vor florierenden Paketgeschäft und dem steten Wachstum in den Entwicklungsund Schwellenländern klettern die Einnahmen der Post auch in unregelmäßigen Abständen durch ein steigendes Briefporto. Dies wird dem DAX-Konzern meist ohne große Probleme von der Bundesnetzagentur gewährt. Auch hier schneidet sich der Staat nicht ins eigene Fleisch.

Der Staat als machtvoller Großaktionär. In dieser Rolle findet sich auch das Land Niedersachsen mit seiner 20-Prozent-Beteiligung an Volkswagen wieder. Kein Wunder also, dass Deutschland – sieht man einmal von Bayern ab – im Rahmen der Abgasaffäre keine Klagen gegen den Wolfsburger Autobauer vorsieht. der aktionär bleibt vor diesem Hintergrund jedenfalls optimistisch, dass der Konzern die Abgasaffäre überstehen wird. Die Rückstellungen, die Volkswagen in der Jahresbilanz 2015 gebildet hatte, werden auch mögliche Schadensersatzforderungen der Aktionäre abdecken. Auch der Blick in die Zukunft sieht vielversprechend aus. Zum einen kaufte sich Volkswagen mit 16,6 Prozent beim US-Brummi-Hersteller Navistar ein. Zum anderen will man in China, wo die Zahl der verkauften Fahrzeuge im August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24,5 Prozent auf 1,8 Millionen Stück gestiegen ist, mit Jianghuai Automobile beim Bau von Elektroautos zusammenarbeiten. Darüber hinaus soll das Modellangebot im Reich der Mitte in den kommenden Monaten kräftig ausgeweitet werden. Dividendenjäger sollten VW jedenfalls wieder auf dem Schirm haben. Nach der Kürzung von 4,80 auf 0,11 Euro rechnen die Analysten für die kommenden Jahre wieder mit einer deutlich höheren Ausschüttung. Aktuell werden für das laufende Geschäftsjahr 2,10 Euro erwartet.

Im benachbarten Frankreich zweifelt man hingegen derzeit an den Managementfähigkeiten des Staates. Der Staat hält 85 Prozent an Électricité de France (EDF), dem größten Nuklearstromerzeuger Europas, und wird als Mehrheitsaktionär stark kritisiert. Der staatliche Energiekonzern ist in enorme Schieflage geraten. Angesichts politischer Zwänge wird jedoch vor schmerzhaften Restrukturierungen zurückgeschreckt, die jedes privat geführte Unternehmen bei finanziellen Problemen durchführen müsste. Der kleiner werdende Marktanteil auf dem Heimatmarkt und erstarkende Konkurrenz in Großbritannien drücken auf die Umsätze. Neue Investitionen wie der Bau des neuen Reaktors Hinkley Point C in Nordengland sind wegen hoher Schulden und politischer Schwierigkeiten kaum durchzusetzen. Trotz einer sehr hohen Dividendenrendite ist für langfristige Anleger ein Kauf von EDF-Papieren nicht zu empfehlen.

Dass die Beteiligung und vor allem auch die Mitwirkung des Staates beziehungsweise führender Politiker auch enorme Nachteile haben kann, zeigt das Beispiel Petrobras: Der über Jahre hinweg hochprofitable und erfolgreiche brasilianische Energie-Riese wurde regelrecht zum Selbstbedienungsladen für eine korrupte Elite. Gepaart mit dem massiven Verfall der Ölpreise sowie des Brasilianischen Real, welche die enormen Schulden des Konzerns in Fremdwährungen in schwindelerregende Höhe steigen ließen, wurde daraus eine fast schon existenzbedrohende Krise. Mittlerweile befindet sich der Patient aber wieder dem Wege der Besserung. Politiker sollen künftig wieder weniger Einfluss entfalten können. Zudem ist die Rückkehr in die Gewinnzone geglückt und die drückende Schuldenlast wird durch Verkäufe nicht mehr zum Kerngeschäft gehörender Assets allmählich wieder verringert. Die Aktie präsentiert sich bereits seit Monaten wieder enorm stark. Nichtsdestotrotz bleibt Petrobras ein klassischer Hot-Stock und daher nur für mutige Anleger geeignet.

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