SAP
- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

SAP nach Oracle-Zahlen im Fokus

Der US-Softwareriese tritt auf der Stelle, von Wachstum keine Spur. Nach Bekanntgabe der jüngsten Geschäftszahlen am späten Donnerstagabend taumelte die Oracle-Aktie um acht Prozent in die Tiefe. Die Vorgaben könnten SAP ebenfalls belasten.

Oracle und SAP pflegen eine lang währende Feindschaft. Der US-Konzern mit dessen schillernden Gründer Larry Ellison an der Spitze ist dick im Datenbankgeschäft, rückte in den letzten Jahren aber durch massive Zukäufe bei Unternehmenssoftware dem Marktführer SAP auf die Pelle. Die Strategie ging lange auf und Oracle wuchs deutlich schneller als die Branche. Der Wachstumsmotor ist nun jedoch ins Stocken geraten, wobei sich ausgerechnet die Zukäufe als Bremsklotz erweisen.

Mehr Softwarelizenzen verkauft

Im vierten Geschäftsviertel (März bis Mai) verbuchte Oracle einen Umsatz von 11,0 Milliarden Dollar und damit so viel,  wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Der Gewinn konnte dank massiver Kosteneinsparungen auf 3,8 Milliarden Dollar zulegen.

Die Anleger reagierten auf die Nachrichten enttäuscht und schickten die Aktie nachbörslich auf Talfahrt. Oracle büßte 8,8 Prozent auf 30,30 Dollar ein. Dabei hatte der Konzern zuvor noch die Dividende verdoppelt und ein massives Aktienrückkaufprogramm über zwölf Milliarden Dollar angekündigt.

Das half jedoch ebenso wenig wie die Mitteilung, dass das Geschäft mit Hochleistungsrechnern zwar stagniere, Oracle jedoch mehr Software- und Cloud-Lizenzen verkauft habe. 

Mit den schwachen Vorgaben des Erzrivalen könnte es für SAP am Freitag ungemütlich werden. Der DAX-Titel - in einem schwachen Gesamtmarkt ohnehin unter Druck - tendiert im frühen Handel bei Lang & Schwarz bereits 0,8 Prozent leichter. Am Vortag ist das Papier unter die Marke von 56,73 Euro gerutscht und nähert sich damit dem Verlaufstief bei 55,76 Euro an. Ein Break lieferte ein weiteres charttechnisches Verkaufssignal.

Fazit: Der Himmel für SAP hat sich in den letzten Tagen zunehmend verdunkelt. Langfristig bleiben die Walldorfer zwar erste Wahl im DAX, kurzfristig drohen jedoch weitere Kursverluste. Im Falle eines Breaks finden sich Unterstützungen bei 55,34 Euro und 52,89 Euro.

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