- DER AKTIONÄR

Salzgitter - "Die Konsolidierung geht weiter"

Salzgitter-Chef Wolfgang Leese über die Zukunft der Stahlbranche, sein ehrgeiziges Umsatzziel und die rückläufige Nachfrage aus China.

Salzgitter-Chef Wolfgang Leese über die Zukunft der Stahlbranche, sein ehrgeiziges Umsatzziel und die rückläufige Nachfrage aus China.

DER AKTIONÄR: Herr Leese, bei der Salzgitter AG lief es zuletzt glänzend. Auch für die Zukunft sind Sie optimistisch. Vor allem im Geschäft mit Röhren erwarten Sie einen enormen Schub. Warum?

Wolfgang Leese: Die Nachfrage nach Energieleitungsrohren steigt stark, weil sich weltweit Nachfrage und Preis von Öl und Gas auf hohem Niveau befinden und in Exploration und Fortleitung investiert wird. Besonders die sich gut entwickelnden Volkswirtschaften in Asien, Südamerika und Russland haben einen hohen Bedarf.

Wie sieht es mit dem Bau der Ostseepipeline aus? Hier sind die Verträge noch nicht unterzeichnet. Wann denken Sie, wird es hier einen positiven Abschluss geben und was würde dies für Salzgitter bedeuten?

Ende des Jahres wird es erste Gespräche mit den Beteiligten geben. Im Frühjahr 2006 rechnen wir mit positiven Entscheidungen. Wir erwarten, dass wir rund die Hälfte der Großrohre liefern können, also circa eine Million Tonnen.

Über den Rückgang der Stahlpreise wurde zuletzt viel diskutiert. In China, wo der Preisboom ausgelöst wurde, schwächt sich der Markt langsam ab. Ist der Stahlboom vorbei?

In China erleben wir zwar eine Abschwächung gegenüber dem bisher hohen Niveau. Die Nachfrage, beziehungsweise der Verbrauch wird aber weiter wachsen und die Stahlpreise werden wieder steigen.

Die Struktur der europäischen Stahlindustrie verändert sich rasant. Was erwarten Sie hier für die Zukunft?

Der gesunde Konsolidierungsprozess der Stahlbranche geht weiter. Es bilden sich große, weltweit agierende Unternehmen - und das ist gut so. Die Salzgitter AG verfolgt keine Dominanzstrategie, sondern hat sich als anerkannter Nischenanbieter weltweit gut positioniert.

Es wird immer noch gerätselt, ob Salzgitter bereits in diesem Jahr oder erst im nächsten Jahr beim Umsatz die Marke von sieben Milliarden Euro durchbricht. Wann denken Sie, wird vorne die Sieben stehen? Und wie sieht Ihr langfristiges Umsatzziel aus?

In diesem Jahr werden wir die sieben Milliarden Euro Umsatz erreichen. Langfristig wollen wir zehn Milliarden Euro erlösen. Mein Vertrag läuft noch viereinhalb Jahre; bis dahin möchte ich dies erreicht haben.

Sie haben selbst gesagt, dass Salzgitter mit diesem Umsatzvolumen an die Grenzen des organischen Wachstums stoßen würde. Um weiter zu wachsen, müssten Sie also zukaufen.

Wir sind intern durch Investitionen in Anlagen und Prozesse und extern durch Akquisitionen stark gewachsen. Weiteres Wachstum wird es durch Zukäufe in unseren Kernbereichen Stahl, Röhren und Handel geben. Wir arbeiten an verschiedenen Projekten, zurzeit ist aber Verkäuferzeit, keine Käuferzeit.

Die Kriegskasse der Salzgitter AG ist gut gefüllt. Nicht allein dies macht das Unternehmen zum Übernahmekandidaten. Befürchten Sie, dass Salzgitter gekauft wird?

Gegen den erklärten Willen der Großaktionäre und des Managements wird eine Übernahme kaum möglich sein. Das Land Niedersachsen ist mit rund 25 Prozent der Aktien an Salzgitter beteiligt und steht zu seinem Engagement. Dies hat auch Ministerpräsident Christian Wulff mehrfach versichert. Das Unternehmen selbst hält rund zehn Prozent. In dieser Konstellation fühlen wir uns recht sicher.

Wie geht es weiter?

Nach dem Rekordjahr 2005 werden Salzgitter und viele andere Stahlkocher 2006 einen deutlichen Gewinnrückgang erleben. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen steigen die Kosten für Rohmaterialen wie Eisenerz und Energie, zum anderen droht die chinesische Produktion den Stahlpreis drastisch zu drücken - Experten zufolge um bis zu 25 Prozent. Derartig große Sprünge wie zuletzt - allein in diesem Jahr hat die Salzgitter-Aktie 194 Prozent zugelegt - dürften bei dem MDax-Titel deshalb der Vergangenheit angehören. Zumal die Übernahmefantasie, die den Kurs lange beflügelt hat, langsam schwindet. Anleger sollten sich in den nächsten Monaten auf die ein oder andere Kurskorrektur einstellen.

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