RWE
- Marion Schlegel - Redakteurin

RWE und E.on in der Krise – auch im neuen Jahr wenig Hoffnung auf Besserung

Auch wenn die Aktien von RWE und E.on zum Jahresende wieder etwas zulegen konnten – ein Blick auf den Jahreschart genügt, um zu erkennen: 2015 war ein hartes Jahr für die deutschen Energieversoger. Und auch für das kommende Jahr gibt es nur wenig Hoffnung auf Besserung.

Das Grundproblem der Energieriesen: Ein Überangebot an günstigem Strom aus erneuerbaren Energien hat zu einem massiven Verfall der Großhandelspreise an der Strombörse geführt. Selbst modernste Gas- und Kohlekraftwerke können da nicht mithalten und werden unrentabel. Gleichzeitig sind fossile Kraftwerke unverzichtbar, um Schwankungen bei der Erzeugung von Ökostrom auszugleichen. Hohe Abschreibungen in den Bilanzen der Unternehmen sind die Folge.

Zudem wurden die Konzerne vom Beschluss des Atomausstiegs bis zum Jahr 2022 auf dem falschen Fuß erwischt – bis zur Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 hatte sie auf eine Laufzeitverlängerung gehofft. Wegen entgangener Gewinne fordern RWE und E.on nun Schadenersatz in Höhe von insgesamt über 600 Millionen Euro.

Verglichen mit den Kosten, die im Zuge des Atomausstiegs für den Rückbau der Kraftwerke und die Endlagerung des Atommülls auf die Versorger zukommen, sind das aber beinahe Peanuts. Immerhin: Die Rückstellungen der Atomkonzerne in Höhe von rund 38 Milliarden Euro dürften laut einem Gutachten im Auftrag der Bundesregierung ausreichen.

Wie geht es weiter?

Während E.on bereits vor rund einem Jahr die Aufspaltung des Unternehmens angekündigt hat und bei der praktischen Umsetzung des Mammut-Projekts im Zeitplan liegt, hat RWE lange versucht, gegen die Krise anzusparen – mit mäßigem Erfolg, wie sich herausgestellt hat. Im November hat RWE-Chef Peter Terium dann ebenfalls die Aufspaltung in die Wege geleitet. Beim Mutterkonzern RWE verbleiben Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke, das zukunftsträchtige Geschäft mit Erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb wird in eine neue Tochtergesellschaft ausgegliedert.

Ein weiterer Belastungsfaktor neben der Restrukturierung ist die ungewisse Zukunft der Kohleverstromung. Geht es nach Bundesumweltministerin Hendricks, sollen klimaschädlichen Kohlekraftwerke bald der Vergangenheit angehören. Noch in der laufenden Legislaturperiode will die Ministerin die Weichen für den Kohleausstieg stellen. Die Energiekonzerne, aber auch die betroffenen Kommunen und Bundesländer laufen dagegen Sturm.

Aktien meiden!

Aus charttechnischer Sicht ist die Lage bei RWE und E.on ernst. Die Aktie von E.on fiel zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit über 20 Jahren, die RWE-Aktie sogar auf ein Allzeittief. Auf Jahressicht ist E.on mit einem Minus von 38 Prozent der zweitgrößte Verlierer im DAX – lediglich RWE performte mit minus 54 Prozent noch schwächer.

Auch fundamental sind die mittelfristigen Aussichten trüb: Die weitreichenden Umbaumaßnahmen sind mit erheblichen Risiken verbunden, der Wandel hin zu erneuerbaren Energien verläuft schleppend und nach dem Aus für die Atomkraft schwebt nun auch über den Kohlekraftwerken ein Damoklesschwert. Aus diesem Grund bleibt DER AKTIONÄR bei seiner Empfehlung, die Versorger-Titel zu meiden.

(Mit Material von dpa-AFX)

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Thorsten Küfner | 0 Kommentare

RWE: Es bleibt richtig schwierig

Keine erfreuliche Meldung für die Anteilseigner des Energieversorgers RWE: Ein Einbruch im Energie-Handelsgeschäft hat dem DAX-Konzern das Halbjahresergebnis verdorben. Das betriebliche Ergebnis sackte um sieben Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro ab. Das war schwächer als die Marktteilnehmer … mehr
| Werner Sperber | 0 Kommentare

Bernecker: E.on und RWE unbedingt kaufen

Die Actien-Börse Daily erinnert an die Zahlen, welche E.on gestern für das zweite Quartal des laufenden Jahres vorgelegt hat. Die hätten bei Einigen für Entsetzen gesorgt, wie es an den entsprechenden Kommentaren zu sehen ist. Auf einzelne Daten lasse sich jedoch nicht näher eingehen. Der Umbau … mehr
| Werner Sperber | 0 Kommentare

Platow: RWE bietet mit Innogy eine große Chance

Die Platow Börse erklärt, die Notierung der Stammaktie von RWE hat bei mehr als zehn Euro einen Boden gebildet und sich in den vergangenen drei Monaten deutlich besser entwickelt als der DAX. Die Anleger haben schließlich endlich erkannt, die für das Jahresende geplante Ausgliederung der … mehr
| Werner Sperber | 0 Kommentare

Euro am Sonntag: Darum ist RWE kaufenswert

Die Euro am Sonntag kritisiert: RWE hat lange den Ausstieg aus der Atomkraft, den Erfolg der erneuerbaren Energien und den Verfall der Strompreise außer Acht gelassen und die Wende mit allen Mitteln bekämpft. Das Ergebnis waren verlustreiche Jahre. Endlich jedoch lagert der Vorstand von RWE das … mehr