Goldman Sachs Index/Partizip. Zert Goldman Sachs Russian Equity Basket 14.02.2014
- Norbert Sesselmann - Redakteur

Russland: "20 Prozent in diesem Jahr sind möglich"

Innerhalb eines Jahres hat der russische Aktienmarkt kräftig zugelegt. Trotzdem traut Russland-Experte Andreas Männicke der Moskauer Börse noch so einiges zu.

Mit fast 200 Prozent Kursplus gehörte der Leitindex RTS in den letzten beiden Jahren zu den besten Performern überhaupt. Der Boom ist aber längst nicht vorüber. Im neuen AKTIONÄR (hier bereits jetzt als E-Paper erhältlich) stellen wir Ihnen ein interessantes Zertifikat vor, mit dem Anleger von weiter steigende Kurse an der Moskauer Börse partizipieren können. Wir sprachen mit dem Russland-Experten Andreas Männicke, der bei der Zusammensetzung des Aktienbasket beteiligt war.

DER AKTIONÄR: Herr Männicke, 2010 gehörte die russische Börse zu den stärksten Märkten. Kann sich dieser Trend fortsetzen? Warum?

Andreas Männicke: Nicht nur 2010, sondern auch 2009 war die die Moskauer Börse mit einem Plus von 120 Prozent einer der Outperformer unter den Weltbörsen. Viele Aktien, vor allem aus dem Konsumsektor, haben schon wieder ein neues Allzeithoch erreicht und haben sich im letzten Jahr im Kurs verdoppelt. Diese Outperformance kann durchaus auch in diesem Jahr wieder der Fall sein, wobei hierfür anhaltend hohe Rohstoffpreise weiterhin sehr bedeutsam sind. Die Bewertungen sind vor allem trotz der starken Kurssteigerungen immer noch niedrig. So sind Öl-/Gasunternehmen mit einem KGV von durchschnittlich 6 bis 7 immer noch niedrig bewertet.

Welches Potenzial trauen Sie dem russischen Markt in den nächsten Jahren konkret zu?

Die hängt auch sehr von dem globalen Umfeld ab. Russland hat den Vorteil, dass die Staatsverschuldung mit unter zehn Prozent zum Bruttosozialprodukt die geringste aller G8- und auch aller BRIC-Länder ist. Aber in anderen Ländern, vor allem bei den "PIGS"-Ländern und auch in den USA, könnten die Verschuldungsorgien und Inflationsgefahren wieder hochkochen. Falls der globale Haussetrend - auch an den Rohstoffmärkten - anhält, dürfte auch die Moskauer Börse weiterhin gut performen, wobei der Anleger hier mit höherer Volatilität rechnen muss. Im Durchschnitt hat die Moskauer Börse aber das Potential, um 20 Prozent im Jahr zu steigen.

Inwieweit ist die russische Wirtschaft noch vom Ölpreis abhängig?

Es gibt die Faustregel, dass eine Steigerung des Ölpreises um zehn Dollar zu einem höheren Wachstum um 0,5 Prozent in Russland führt. Über 50 Prozent der Exporteinnahmen kommen aus dem Öl- und Gassektor. Insofern profitiert Russland im Moment mittelbar von den fortgesetzten Unruhen im arabischen Raum, die den Ölpreis hoch halten. Allerdings hat Russland weit mehr zu bieten als nur Rohstoffe, was von den Medien und auch den Anlegern oft nicht richtig gesehen wird. So trägt der Konsum mit 30 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei, was mehr ist als der Ölsektor. Der hohe Ölpreis unterstützt zwar auch die Moskauer Börse - es wäre aber falsch, Russland immer nur auf den Rohstoffsektor zu reduzieren. Die Moskauer Börse hat viele andere interessante Sektoren, die mindestens ebenso chancenreich sind.


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Sie haben zusammen mit der Schweizer Jud & Partner Vermögensverwaltung einen neuen Russland-Basket mit 30 Werten entwickelt. Anhand welcher Kriterien wurden die Aktien ausgesucht und auf was wurde bei der Zusammensetzung des Baskets geachtet?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass schon eine Gleichgewichtung von Aktien oft zu einer Outperformance führt; dies gilt übrigens nicht nur für die Moskauer Börse, sondern generell, auch beim DAX. Daher wurden auch die 30 Aktien in diesem Zertifikat ganz bewusst gleichgewichtet. Die meisten Russland-Zertifikate und ETFs werden aufgrund der hohen Marktkapitalsierung der großen Öl- und Gaswerte von Unternehmen wie Gazprom, LUKoil und Rosneft dominiert. Diese werden aber durch hohe Abgaben auch vom Staat geschröpft und haben zumindest im letzten Jahr underperformt. Ich habe versucht, mehrere Branchen relativ zum Öl- und Gassektor  mehr Gewicht zu geben wie den Konsum-, IT-, Telekom-, Medien-, Banken-, Bau/Immobilien-, Versorger-, Luftfahrt-, und Logistiksektor. Auch neue IPOs wie Mail.ru, die sich an Facebook beteiligt haben, sowie die Logistikunternehmen Globaltrans und Transcontainer wurden berücksichtigt, die sich in anderen Zertifikaten noch nicht wiederfinden. Dadurch ergibt sich ein anderer, interessanter Branchen-Mix. Dabei habe ich aber nur relative Branchenführer als Top-Aktien ausgesucht, die zudem auch alle an Auslandsbörsen als ADR/GDR notieren.

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