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Rückversicherer erneut unter Druck

Vor kurzem waren sich die Münchener Rück und Swiss Re noch sicher, dass sie ihre Gewinnprognosen trotz Hurrikan "Katrina" beibehalten können. Doch mit steigender Schadenshöhe geraten die Konzerne zunehmend unter Druck.

Vor kurzem waren sich die Münchener Rück und Swiss Re noch sicher, dass sie ihre Gewinnprognosen trotz Hurrikan "Katrina" beibehalten können. Doch mit steigender Schadenshöhe geraten die Konzerne zunehmend unter Druck.

Von Andreas Bender / Steffen Eidam

Anfang September waren die Münchener Rück und Swiss Re noch zuversichtlich, dass sie ihre Gewinnprognosen trotz Hurrikan "Katrina" beibehalten können. Nachdem die Höhe der Schäden aber unaufhaltsam in die Höhe schießt, geraten viele Konzerne unter Druck - allen voran die Hannover Rück, die womöglich ein zweites Mal eine Berichtigung der Prognosen vornehmen muss.

Wo droht Ungemach?

Bereits am zweiten September mussten die Hannoveraner ihre Gewinnschätzungen von ursprünglich 430 bis 470 Millionen Euro ad acta legen. Stattdessen erwartete man nur noch einen Profit in Höhe des Vorjahres von rund 309 Millionen Euro. Nun steht auch diese Prognose auf tönernen Füßen. Sollte der Gesamtschaden für die Versicherungsbranche höher als bisher angenommen ausfallen, schließt der drittgrößte Rückversicherer der Welt eine erneute Korrektur der Ergebnisschätzung nicht aus. Vor dem Hintergrund einer neuen Analyse der Risikomodellagentur RMS, ist dieses Szenario nicht unwahrscheinlich: Der gesamte versicherte Schaden soll nunmehr nicht mehr 20 bis 35 Milliarden Dollar sondern ganze 40 bis 60 Milliarden Dollar betragen.

Auch Swiss Re kündigte heute im Hinblick auf die neuen Schadensprognosen an, dass die durch "Katrina" bedingte Konzernbelastung deutlich erhöht werden müsse. Statt der bisher angenommenen 500 Millionen Dollar sollen sich die Schäden auf insgesamt 1,2 Milliarden Dollar belaufen. Der Gewinn je Aktie könne deshalb nicht wie vorgesehen um 10 Prozent gesteigert werden. Auch will der Schweizer Rückversicherer auf die eigenen strategischen Reserven zurückgreifen um die Belastungen abzufedern.

Einzig die Münchener Rück scheint sich unter den großen Rückversicherern unbeschadet halten zu können. Anfang September bezifferte der Branchenprimus den "Katrina"-bedingten Schaden auf 400 Millionen Euro, hielt aber trotzdem unverändert an seinen Jahreszielen fest. Die jüngsten Schätzungen bringen zwar auch die Münchner unter Druck, trotzdem sollen die Gewinnprognosen laut Vorstand Nikolaus von Bomhard erreicht werden: "Unser Ziel steht, aber es ist schwieriger zu erreichen".

Interessante Chance

Fazit: Die immer höheren Schadensmeldungen bringen die Rückversicherer immer mehr unter Druck. Sollten nun auch die Rating-Agenturen ihre Brancheneinschätzung senken, wird sich dieser Effekt zusätzlich verstärken. Vor allem die Hannover Rück - welche schon im letzten Jahr überproportional unter den Hurrikanschäden gelitten hat und auch dieses Jahr stärker betroffen ist als andere Rückversicherer - könnte kurz- bis mittelfristig belastet werden.

Längerfristig orientierte Anleger behalten die Entwicklung aber im Auge. Aufgrund der überdurchschnittlich hohen Schäden steht der Rückversicherer in einer günstigen Verhandlungsposition gegenüber Neu- und Altkunden. Für 2006 sollen die Prämien für Naturkatastrophen um bis zu 25, in risikoreichen Regionen sogar um bis zu 35 Prozent angehoben werden. Bei einer gemäßigten Sturmsaison 2006 und zusätzlichen Mehreinnahmen durch die höheren Prämien sollte die Hannover Rück nach Abschluss der Konsolidierung wieder ein interessantes Investment werden, zumal die Profitabilität des Unternehmens sogar bei einer Verdopplung der bisherigen Belastungsprognosen von 250 Millionen nicht in Frage steht.

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