- DER AKTIONÄR

Royal Flush für Anleger?

Partygaming, den weltweit größten Anbieter von Pokerspielen über das Internet, treibt es an die Börse. DER AKTIONÄR verrät, ob Anleger mit der Aktie gute Karten haben.

Partygaming, den weltweit größten Anbieter von Pokerspielen über das Internet, treibt es an die Börse. DER AKTIONÄR verrät, ob Anleger mit der Aktie gute Karten haben.

Von Frank Phillipps

Poker wird längst nicht mehr nur in den verräucherten Hinterzimmern zwielichtiger Bars gespielt. Immer beliebter wird die Variante, bei denen Zocker aus aller Welt über das Internet gegeneinander antreten. Gastgeber im größten Online-Pokersalon ist die Firma Partygaming, die die Internetseite www.partypoker.com betreibt. Bis zu 70.000 Spieler sitzen hier simultan um die virtuellen Tische. Derzeit hat Partygaming, das auch Online-Bingo und andere Casino-Spiele anbietet, in Sachen Internetpoker einen Marktanteil von 55 Prozent. Rund 90 Prozent des Umsatzes, der 2004 bei 602 Millionen Dollar lag, erzielt die Firma in diesem Bereich.

Zahltag für Altaktionäre

Am 27. Juni will Partygaming unter Führung von Dresdner Kleinwort Wasserstein an die Börse in London gehen. Die Firmen-Gründer werden 781,8 Millionen ihrer Aktien und damit rund 20,6 Prozent des Unternehmens am Kapitalmarkt platzieren. Die Preisspanne liegt zwischen 111 und 127 Britische Pence. Inklusive Mehrzuteilungsoption könnte Partygaming rund 1,1 Milliarden Britische Pfund erlösen und würde dann auf einen Börsenwert von rund 5,1 Milliarden Pfund kommen. Der Erlös fließt zum einen den Altaktionären zu, zum anderen soll ein Teil in einen Trust fließen, der den Angestellten des Unternehmens zugute kommen soll.

Ambitionierte Bewertung

Bereits im Vorfeld wurde der Börsengang selbst zur Pokerpartie. Vor allem institutionelle Investoren liefen gegen die Preisvorstellungen von Partygaming Sturm. Diese wurden daraufhin - wenn auch nur leicht - gesenkt. Zweifel gibt es auch am langfristigen Erfolg des Geschäftsmodells, da in den USA, wo die Mehrheit der Partygaming-Kunden sitzt, derzeit über ein Verbot von Internet-Poker nachgedacht wird. Tatsächlich ist die voraussichtliche Bewertung ambitioniert: Mit 5,1 Milliarden Pfund wäre Partygaming mit dem 15fachen des Jahresumsatzes und dem 26fachen des Gewinns von 2004 taxiert. Allerdings sind die Wachstumsraten vielversprechend: Für das laufende Jahr hat Partygaming eine Verdopplung von Umsatz und Ertrag in Aussicht gestellt.

Bluff oder Gewinneraktie?

Die Wachstumsraten für Branche und Unternehmen stimmen. Ob Anleger mit der Partygaming-Aktie aber gute Karten haben, hängt vor allem von der weiteren Entwicklung in den USA ab. Vor dem Hintergrund, dass dem Internet-Poker dort vielleicht ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben wird, eignet sich das Papier lediglich für spekulativ eingestellte Anleger.

 

Hintergrund-Informationen zum Boommarkt Glücksspiel

Der weltweite Markt für Glücksspiele hat jährlich bereits ein Volumen von rund 433 Milliarden Dollar. Da nehmen sich die acht Milliarden Dollar Marktanteil, die mit Online-Glückspielen erzielt werden, noch vergleichsweise bescheiden aus. Branchenexperten gehen aber davon aus, dass der Markt für Glücksspiele über das Internet bis 2009 auf etwa 23 Milliarden Dollar anwachsen wird. Von diesem gewaltigen Kuchen will sich auch Partygaming als Marktführer in Sachen Internetpoker eine dicke Scheibe abschneiden.

Artikel aus DER AKTIONÄR (26/05)

 

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