- DER AKTIONÄR

Rohwedder - Solartochter vor IPO

Die Rohwedder AG (WKN 705770) ist ein Anbieter komplexer Systemlösungen für die Automatisierungstechnik. DER AKTIONÄR sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Joachim Rohwedder über die Zukunftsaussichten seines Konzerns.

Die Rohwedder AG (WKN 705770) ist ein Anbieter komplexer Systemlösungen für die Automatisierungstechnik. DER AKTIONÄR sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Joachim Rohwedder über die Zukunftsaussichten seines Konzerns.

DER AKTIONÄR: Herr Rohwedder, Ihr Unternehmen blickt auf turbulente Zeiten der Restrukturierung zurück. Bitte erklären Sie unseren Lesern kurz die "neue" Ausrichtung Ihres Unternehmens.


Joachim Rohwedder:
Vor der Neuausrichtung erschien die Rohwedder AG aufgrund ihres Wachstums in den letzten Jahren vielen als ein sehr heterogenes Unternehmen. Die Verschmelzung von Tochtergesellschaften auf die Rohwedder AG sowie die Bereinigung des Beteiligungsportfolios waren deshalb Maßnahmen, mit denen wir den Rohwedder Konzern für unsere Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter transparent strukturiert haben.

Joachim Rohwedder: Heute fokussieren wir unsere Kernkompetenzen Mechatronics Production Solutions (MPS) und Electronics Production Solutions (EPS) und werden so den hohen Anforderungen unseres aktuellen Marktumfeldes gerecht. Zu den MPS gehören bei uns die Montage- und Mikromontagetechnik sowie die Bildverarbeitungssysteme. Zu den EPS zählen wir das Testen und Veredeln der Leiterplatte im Back-End-Bereich.

Im Zuge der Neuausrichtung war zunächst die Rede von "Fit for Success", bevor Sie Ende 2004 mit "Excellence in Automation" eine weitere Strategie eingeläutet haben. Wie weit sind Sie mit der Neuausrichtung des Konzerns - ist sie mittlerweile abgeschlossen?

Das Projekt "Fit for Success" haben wir im September 2005 abgeschlossen. Es diente der umfassenden Strategieerarbeitung und mündete in unser neues Leitbild "Excellence in Automation", an dessen täglicher Umsetzung wir nun arbeiten.

Unsere Arbeit ist bereits heute gut, aber wir brauchen eine anspruchsvolle Vision für die Zukunft. Deshalb stellen wir uns der Herausforderung "Excellence in Automation". Diesem Leitbild folgend wollen wir in jedem Bereich unseres Unternehmens exzellent werden: sei es in der Konzeption und Realisierung der Automatisierungslösungen, im Service für unsere Kunden, in der Kommunikation etc. Wir befinden uns also in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Ihre Hauptmärkte sind Europa, Nordamerika und Asien, wobei der Schwerpunkt mit rund 73 Prozent Umsatzanteil auf Europa liegt. Wie werden sich die Umsatzanteile in den nächsten beiden Jahren entwickeln?

Unser Hauptabsatzmarkt wird weiterhin Europa bleiben, aber auch in den USA sehen wir in den nächsten Jahren einen hohen Bedarf an Automatisierungslösungen. Diese Entwicklung eröffnet uns die Chance, dort mit unserem Standort in Kanada in Zukunft um mehr als zehn Prozent zu wachsen.

Wachstumspotenzial besteht darüber hinaus ganz speziell in Mexiko, weil dort die US-Unternehmen aufgrund niedrigerer Kosten verstärkt produzieren lassen. Was für uns in Westeuropa die osteuropäischen Länder sind, ist Mexiko für die USA.

Sie haben Asien und Osteuropa verstärkt als Absatz- und Beschaffungsmarkt ins Visier genommen. Was macht Sie so zuversichtlich, hier gegen die starke Konkurrenz, zum Beispiel auch aus China, bestehen zu können?

Wir haben seit 2005 ein eigenes Unternehmen in China, aber es entspricht nicht unserer Strategie, den chinesischen Markt flächendeckend zu bearbeiten. Wir haben uns entschieden, dort ausschließlich für unsere bestehenden Kunden präsent zu sein.

Durch den Standort in China und unseren dazugehörigen Technologie-Support aus Deutschland sehen wir eine Möglichkeit, unseren Rohwedder-Kunden in China deutsche Technologie zu einem asiatischen Preis-Niveau anbieten zu können. Das Umsatzvolumen unseres chinesischen Tochterunternehmens liegt bei circa einer Million Euro, und wir wirtschaften dort kostendeckend.

In der Montage- und Mikromontagetechnik kämpfen Sie bei einigen Aufträgen mit technologischen Schwierigkeiten und Verzögerungen. Bis wann werden diese Probleme gelöst sein?

Nachdem wir unsere Neuausrichtung in 2005 abgeschlossen haben, gehen wir davon aus, dass die Optimierungsmaßnahmen im laufenden Geschäftsjahr greifen werden. Für den ganzen Rohwedder-Konzern rechnen wir bis 2008 mit einem Einsparpotenzial von insgesamt zwei bis drei Millionen Euro.

Wann werden Sie im Bereich Montage- und Mikromontagetechnik, der ja auch der umsatzstärkste im Konzern ist, wieder schwarze
Zahlen schreiben?

Aufgrund unserer Jahresplanung, die wir mit dem Aufsichtsrat im vierten Quartal 2005 verabschiedet haben, wollen wir hier in 2006 wieder profitabel werden.

In welchen Branchen liegen die Schwerpunkte in diesem Segment? Sind Sie nicht zu sehr von der Automobil- und Telekommunikationsbranche abhängig?

Unser Schwerpunkt ist und bleibt sicherlich die Automobilzulieferindustrie, aber wir werden in den nächsten beiden Jahren auch unsere Aktivitäten im Bereich "Medical" weiter ausbauen, um an diesem attraktiven Wachstumsmarkt noch stärker als bisher teilhaben zu können.

Auch das Segment der Komplementären Technologien belastete ihr Ergebnis im dritten Quartal. Wie wird sich das Ergebnis hier in den nächsten beiden Jahren entwickeln?

Zu den Komplementären Technologien gehört nach dem Verkauf der Beteiligung IEF Werner mit dem Schwerpunkt Handhabungstechnik noch unser Competence Center Vision Technology. Auch hier erwarten wir aufgrund der durchgeführten Umstrukturierungsmaßnahmen in den nächsten zwei Jahren erste Erfolge, das heißt, wir wollen auch hier wieder profitabel werden.

Sie wollen die Division Elektronikproduktion (EPS) durch Akquisition stärken. Können Sie uns hier schon Konkretes verraten?

Wir haben auf dem Deutschen Eigenkapitalforum in Frankfurt angekündigt, dass wir den Bereich EPS durch eine Akquisition stärken wollen. Im Moment kann ich Ihnen jedoch noch keine konkreten Angaben machen, da es sich hier um vertrauliche Belange handelt.

Im Segment Plasma-, Solar- und Vakuumbeschichtungstechnik liegen zurzeit die größten Wachstumszuwächse durch den Solarboom. Wie sieht die Auftragslage für 2006 aus?

Wir erwarten, dass wir das außerordentlich hohe Niveau des Jahres 2005 im laufenden Geschäftsjahr halten werden.

Im ersten Halbjahr wollen Sie Ihre "Beteiligungsperle", die Roth und Rau AG, an die Börse bringen. Veräußern Sie damit nicht das "Tafelsilber"? Was werden Sie mit dem Erlös machen?

Die Rohwedder AG hat im Rahmen des Strategieprojekts ihre neuen Kernkompetenzen klar definiert. Da die Photovoltaik nicht mehr dazugehört, finden wir es mehr als konsequent, diesen Bereich während der momentanen Hochkonjunktur der Solarbranche an die Börse zu bringen.

Den Erlös aus dem Börsengang wollen wir in unseren Kernkompetenzen MPS und EPS investieren. Dies könnten unter anderem Akquisitionen sein.

Bedeutet dies, dass Sie sich auch vorstellen können, sich komplett von Roth & Rau zu trennen?

Wir werden auch nach dem Börsengang weiterhin an der Roth & Rau AG beteiligt sein.

Sie haben ja sehr gute Q3-Zahlen vorgelegt; das EBIT hat sich von -1,7 Millionen auf +2,1 Millionen verbessert. Seitdem geht der Börsenkurs auf Talfahrt - warum glaubt die Börse nicht an den Turnaround?

Unser Aktienkurs hat sich innerhalb eines Jahres um mehr als 100 Prozent verbessert. Da ist es eine natürliche Entwicklung, dass Investoren dann Gewinne realisieren. Wir sehen das gelassen, denn als Unternehmen, das Automatisierungslösungen herstellt, dürfen wir nicht kurzfristig denken: unsere Strategie, die Kernkompetenzen MPS und EPS zu stärken und auszubauen, ist auf die nächsten zwei bis drei Jahre angelegt. Und daher denke ich, dass der Kapitalmarkt bei uns keine kurzfristigen Entscheidungen treffen, sondern uns daran messen sollte, wie wir uns zukünftig ausrichten wollen und mit welchen Maßnahmen wir unsere Ziele erreichen wollen.

Ihr Gesamtleistungsziel für 2006 liegt bei 125 bis 135 Millionen Euro bei einem EBIT von vier bis fünf Millionen Euro (mit Roth & Rau AG). Ist das nicht angesichts der großen Zuwächse gerade im Solarbereich eine sehr niedrige Benchmark?

Nein, denn unsere Planung für das Geschäftsjahr 2005 liegt bei einem EBIT zwischen 2,5 und 3,0 Millionen Euro. Wenn wir nun für das laufende Jahr etwa 4,5 Millionen Euro vorsehen, entspricht dies doch einer stark überdurchschnittlichen Steigerung und einem Ergebnis je Aktie von ca. 0,30 Euro.

Herr Rohwedder, eines Ihrer grundsätzlichen Ziele ist die Zahlung einer Dividende, sobald es die Geschäftszahlen zulassen. Können sich Ihre Aktionäre heuer auf eine Dividendenzahlung freuen?

Ja, es ist uns ein Anliegen, eine Dividende auszuzahlen. Ob für das Jahr 2005 eine Dividende ausgeschüttet wird, entscheidet sich anlässlich unserer Aufsichtsratssitzung im März 2006.

Herr Rohwedder, vielen Dank für das Interview!

 

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