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- Michael Schröder - Redakteur

Robert Halver: "Geldpolitisch muss weiter gedüngt werden"

Die Notenbanken versorgen die Aktienmärkte weltweit mit billigem Geld. Kritiker warnen: "Die Aufwärtsbewegung ist doch nur liquiditätsgetrieben." Steht uns nach der jüngsten Kursrallye eine scharfe Korrektur steht ins Haus? DER AKTIONÄR fragte nach.

Nachdem DER AKTIONÄR im ersten Teil des Interviews mit Robert Halver über die Angst vor einem Engagement in Aktien und fehlende Anlagealternativen gesprochen hat, geht es im zweiten Teil um die Gefahren für die Aktienmärkte, die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und den USA sowie die Favoriten des Kapitalmarktexperten.

DER AKTIONÄR: Herr Halver, wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Gefahren für die Märkte?

Robert Halver: Wenn die nationale Politik ihren Bevölkerungen keine vernünftige Perspektive bieten kann, drohen unkontrollierbare soziale Unruhen, deren Anfänge teilweise in den südlichen Euro-Ländern schon zu beobachten sind. Aufgrund der Reformschwäche Frankreichs, ja sogar der Reformrückabwicklung werden dort keine Arbeitsplätze geschaffen, sondern gehen sie verloren. Das schürt Frustrationen. Hat man die Bevölkerung erst einmal politisch verloren, ist es zu spät. Daran könnte dann selbst die EZB nichts mehr ändern. Zur Kompensation wird man in Spanien, Italien und Frankreich höhere Verschuldungen zulassen, um die Wirtschaft zumindest staatlich zu stützen. Dagegen wird sich auch die Bundesregierung nicht mehr wehren. Berlin ist ein finanzinstabiles Euroland lieber als eine (sozial-) politische instabile Währungsunion.

Warum würden Sie derzeit in Aktien investieren? Sind es die (noch) schwachen wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa und in den USA die für Jahre die beste Voraussetzung für weiter steigende Kurse darstellen?

Aktuell sehen einen sich selbst tragenden US-Aufschwung nur unerschütterliche Optimisten. Und die Wirtschaft der Eurozone hinkt nicht nur, sie fährt bereits seit sechs Quartalen im Rollstuhl. Geldpolitisch muss weiter gedüngt werden, es muss geklotzt, nicht nur gekleckert werden. Sie wird alles dafür tun, um der Konjunktur wie ein Energydrink Flügel zu verleihen. Ohnehin frage ich mich, wie manches Euro-Land, Japan, England oder die USA jemals wieder normale Zinsen auf ihre biblischen Überschuldungen stemmen wollen, ohne öffentliche Parkanlagen zu Streuobstwiesen verkommen zu lassen, die Straßenbeleuchtung nur noch an Nationalfeiertagen einzuschalten oder das Militär zur Landesverteidigung mit Mistgabeln auszustatten? Eine geldpolitische Trendumkehr hält unsere Finanzwelt nicht mehr aus. „Zinswende" dürfte das Börsen-Unwort der nächsten Jahre sein. An eine geldpolitische Trendumkehr, die Aktien das Wasser abgraben würde, ist lange, noch sehr lange nicht zu denken.

Was spricht sonst noch für Aktien?

Es ist nicht nur der Zuckerrausch der Geldpolitik, der für Aktien spricht. So wachsen in den Schwellenländer die Volkswirtschaften, von Euro-Krise ist dort nichts spüren. Das zieht die Weltwirtschaft insgesamt nach oben. Wir bezeichneten früher die USA mit ihren 320 Millionen Bürgern als die Weltkonjunktur-Lokomotive. Um wie viel stabiler muss die Welt wachsen, wenn die Schwellenländer das Zehnfache an Menschen auf die Waage bringen.

Welche Werte beziehungsweise welche Branche zählen zu Ihren Favoriten?

Zu empfehlen ist ein Dreiklang von substanzstarken Aktien aus den USA, den Schwellenländern und Europa. In Amerika entwickelt sich perspektivisch eine neue Wirtschaftsstärke über das Öl- und Gas-Fracking. Die Schwellenländer bauen ihre Binnenkonjunktur als weitere Standbeine zum Export auf. Hiervon profitieren deutsche Industriewerte auch aus der zweiten Reihe. Sie sorgen dafür, dass weltweit die Drehbänke laufen können. Attraktiv sind daneben Aktien mit jährlich ausgeschütteten, hohen und stabilen Dividendenrenditen, die auch für ältere Anlegerjahrgänge eine gute Alternative für schmerzhaft vermisste Zinsen zur Erhaltung ihrer Kaufkraft im Alter sind.

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch!


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