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- DER AKTIONÄR

Riester treibt Kurse

Die Rente ist sicher? Von wegen. Längst hat sich das Versprechen von Ex-Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm (CDU) aus dem Jahr 1986 als Riesenirrtum erwiesen. Viele, die heute nicht privat vorsorgen, werden später ihr blaues Wunder erleben. Mit anderen Worten: An privater Altersvorsorge kommt (fast) keiner mehr vorbei. Für die Finanzvermittler ist dies ein wahrer Segen.

Der Markt für private Altersvorsorge boomt. Doch nicht alle Finanzvermittler haben gleichermaßen Grund zur Freude. DER AKTIONÄR nennt seine beiden Favoriten.

Die Rente ist sicher? Von wegen. Längst hat sich das Versprechen von Ex-Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm (CDU) aus dem Jahr 1986 als Riesenirrtum erwiesen. Viele, die heute nicht privat vorsorgen, werden später ihr blaues Wunder erleben. Mit anderen Worten: An privater Altersvorsorge kommt (fast) keiner mehr vorbei. Für die Finanzvermittler ist dies ein wahrer Segen.

AWD und OVB

Vom Ladenhüter hat sich die Riester-Rente mittlerweile zum Verkaufsschlager gemausert. In den ersten neun Monaten stieg die Zahl der Riester-Sparer um 1,3 auf sieben Millionen. Laut Experten ist das Ende der Fahnenstange aber noch lange nicht erreicht. Der Boom bei Riester verhalf jüngst AWD zu glänzenden Quartalszahlen. Der Umsatz kletterte um 20,6 Prozent auf 172, der Nettogewinn um 380 Prozent auf 13,4 Millionen Euro. Es war das erfolgreichste dritte Quartal in der Unternehmensgeschichte. Schon in den Monaten April bis Juni hatte der Finanzoptimierer Rekordzahlen vermeldet. Carsten Maschmeyer sieht die Branche vor rosigen Zeiten. „Es wird immer zielgerichteter auf die Altersvorsorge hingespart“, so der AWD-Chef gegenüber dem AKTIONÄR. „Bei Riester beispielsweise wird es in diesem Jahr einen neuen Rekord geben. Das gilt für den Markt, aber auch für AWD.“ Hoffnungsträger für AWD sind neben dem Heimatmarkt Österreich und Osteuropa, wo die Umsätze zuletzt deutlich zulegten. Auch die anfänglichen Probleme bei der britischen Tochter Chase de Vere scheinen behoben. Das leidige Kapitel Italien ist indes bald beendet. Die dortige Tochter hatte zuletzt einen hohen operativen Verlust verbucht. Durch die Trennung rückt AWD der für 2008 geplanten EBIT-Marge von 13,5 Prozent ein gutes Stück näher. In den ersten neun Monaten 2006 verbesserte sich dieser Wert von 9,7 auf 10,6 Prozent.

20 Prozent hat die Aktie der OVB Holding AG seit dem Going Public im Juli zugelegt – damit gehört der Kölner Finanzdienstleister zu den erfolgreichsten Börsenneulingen 2006. Trotz des Anstiegs ist die Aktie mit einem 2007er-KGV von 16 noch nicht zu teuer, zumal das Unternehmen eine gute Wachstumsstory bietet. Besonders positiv bei der OVB ist die Konzentration auf Osteuropa, wo der Konzern starke Wachstumsraten erzielt. Derzeit wird in der Ukraine die dreizehnte Auslandstochter aufgebaut, die 2007 an den Start gehen soll. Auch der Einstieg in den lukrativen russischen Markt ist geplant.

MLP - die tun (endlich) was

Bei MLP gibt es hingegen Grund zur Klage. Uwe Schroeder-Wildberg, Chef des Heidelberger Finanzdienstleisters, musste vor kurzem eingestehen, dass der Altersvorsorgemarkt schneller wächst als MLP. Fraglich ist deshalb, ob der Konzern den für 2007 angepeilten Vorsteuergewinn von 90 Millionen Euro erreichen kann. Neben dem Inlandsläuft auch das Auslandsgeschäft – vor allem in Großbritannien und Spanien – schleppend. Zudem hat MLP offenbar Probleme, neues, gutes Personal zu finden. 2.500 Berater zählt der Konzern derzeit – 3.000 sollen es bis Ende 2007 sein. Nach monatelanger Suche hat MLP mit Wulf Böttger nun endlich einen neuen Vertriebschef. Es bleibt aber abzuwarten, ob der Ex-AXA-Manager die Probleme rasch beheben kann.

Sorgenkind MLP

Nicht zuletzt dank Riester läuft es bei AWD wie geschmiert. Sowohl die moderate Bewertung (2007er-KGV von 18) als auch die Charttechnik sprechen für ein Investment. Das Gleiche gilt für die OVB-Aktie. MLP hingegen muss zunächst die hausgemachten Probleme in den Griff bekommen. Solange dies nicht geschieht, ist die Aktie nicht mehr als eine Halteposition.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 49/2006.

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