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- DER AKTIONÄR

Rettung in Sicht

Als der damalige Vorstandsvorsitzende von Mercedes-Benz, Jürgen Schrempp, die Fusion mit Chrysler einleitete, sparten Fachleute nicht mit Kritik. Einige Analysten verurteilten das Projekt „Welt AG“ von vornherein zum Scheitern. Tatsächlich sorgt das Sorgenkind Chrysler seither regelmäßig für negative Schlagzeilen und verhagelt das Gesamtergebnis des Konzerns. Das soll sich ändern.

Seit Jahren kämpft DaimlerChrysler mit Problemen bei der defizitären US-Marke Chrysler. Ein umfangreiches Sanierungsprogramm soll nun Abhilfe schaffen.

Als der damalige Vorstandsvorsitzende von Mercedes-Benz, Jürgen Schrempp, die Fusion mit Chrysler einleitete, sparten Fachleute nicht mit Kritik. Einige Analysten verurteilten das Projekt „Welt AG“ von vornherein zum Scheitern. Tatsächlich sorgt das Sorgenkind Chrysler seither regelmäßig für negative Schlagzeilen und verhagelt das Gesamtergebnis des Konzerns. Das soll sich ändern.

Schönheitskur

Seit Januar 2006 sitzt Dieter Zetsche am Steuer des Autokonzerns und ergreift nun die lang erwartete Initiative: Ein umfassender Sanierungsplan soll die US-Marke bis zum Jahr 2008 in die Gewinnzone führen. 13.000 Stellen und das Werk in Newark werden dem Vorhaben zum Opfer fallen. Auch das Geschäftsmodell von Chrysler muss sich dabei einer Schönheitskur unterziehen. Diese Nachricht hat einen kleines Kursfeuerwerk ausgelöst, zumal sich Zetsche auch sonst alle Optionen offen hält, was den Verkauf der Sparte mit einschließt. Langfristig wird die Abspaltung von Chrysler die einzige Option für den Konzern sein, um wieder an die erfolgreichen Tage anzuknüpfen. Davon gehen auch einige Analysten aus und beziffern den Wert des Konzerns ohne Chrysler mit bis zu 70 Milliarden Euro – die derzeitige Marktkapitalisierung liegt mit rund 55 Milliarden Euro deutlich darunter und schürt weitere Kursfantasie.

Angeblich hat der US-Konkurrent General Motors bereits sein Interesse bekundet – offiziell bestätigt wurde dies jedoch nicht. Auch die schwergewichtigen Finanzinvestoren Cerberus, Apollo und Blackstone schielen schon nach Chrysler, heißt es. Bis konkrete Kaufangebote vorliegen, muss Chrysler nun an seiner Runderneuerung arbeiten. Denn je attraktiver sich die US-Sparte präsentiert, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit für ein Angebot. Zum jetzigen Zeitpunkt scheinen die Risiken jedenfalls größer, als der Nutzen durch einen niedrigeren Kaufpreis. Bis erste Erfolge vorliegen, dürfte die Mercedes Car Group für den nötigen Glanz im Konzern sorgen.

Sternenglanz

Bei den Marken Mercedes-Benz, Maybach und Smart liefen die Geschäfte im vergangen Jahr 2006 mit insgesamt 1.251.800 (Vorjahr: 1.216.800) verkauften Fahrzeugen wieder glänzend. J.D. Power bestätigte zudem qualitative Verbesserungen in fast allen Bereichen. Operativ blieben 2,4 Milliarden Euro Gewinn beim Konzern hängen. Noch ein Jahr zuvor stand ein Verlust von 500 Millionen Euro zu Buche. Ein Grund für den Anstieg ist die Einführung neuer Mercedes-Modelle sowie Effizienzsteigerungen. Ohne die Kosten für die Neuausrichtung von Smart sowie weitere Sonderaufwendungen hätte das Ergebnis beide Male noch besser ausgesehen.

Erfreulich entwickelte sich auch das Geschäft mit LKWs. Aufgrund besserer Verkaufszahlen stieg der Umsatz um fünf Prozent auf 32 Milliarden Euro. Die operative Marge lag bei rund 6,3 Prozent was einem Gewinn von rund zwei Milliarden Euro entspricht. Im laufenden Jahr soll die Rendite auf sieben Prozent zulegen. Allerdings dürfte der Umsatz unter Druck geraten, denn im wichtigen amerikanischen Markt werden strengere Abgasregelungen eingeführt, die zu vorgezogenen Käufen geführt hatten. Auch für Japan rechnen Experten mit geringeren Verkaufszahlen. Leicht rückläufig dürfte sich im Jahr 2007 auch der Bereich Financial Services entwickeln. Nach einer Eigenkapitalrendite von 18,2 Prozent im Jahr 2006 sollen dann „mindestens 14“ erreicht werden.

Einen Gang hochschalten

Die Altempfehlung des AKTIONÄRS hat sich zuletzt positiv entwickelt. Dass DaimlerChrysler mit einem 2008er-KGV von 14 zwar moderat bewertet, aber im Branchenvergleich nicht günstig ist, muss Börsianer nicht abschrecken. Anleger sollten schwache Tage zum Einstieg nutzen, denn langfristig stehen die Chancen für den Konzern weiterhin gut. Vorerst unerheblich bleibt dabei, ob die US-Sparte selbst für positive Schlagzeilen sorgt oder aber tatsächlich Kaufangebote vorgelegt werden. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann zum Bonuszertifikat greifen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 10/2007.

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