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Reale Freundschaft

Die beiden US-Softwarekonzerne RealNetworks und Microsoft machen gemeinsame Sache. Der Börse scheint das ganz gut zu gefallen, zudem erscheint der derzeitige Börsenwert als geradezu mickrig.

Die beiden US-Softwarekonzerne RealNetworks und Microsoft machen gemeinsame Sache. Der Börse scheint das ganz gut zu gefallen, zudem erscheint der derzeitige Börsenwert als geradezu mickrig.

Von Sascha Grundmann

Es hört sich wie die Handlung einer TV-Vorabendserie an: Zwei Personen bekriegen sich über lange Zeit, können plötzlich aber ihre Differenzen ausräumen - und werden schließlich sogar Freunde. Nein, das ist kein kitschiger Handlungsstrang aus der "Schwarzwaldklinik" - das ist eine reale Geschichte aus der US-Wirtschaft dieser Tage. Denn so ähnlich hat es sich zwischen den beiden Softwareunternehmen Microsoft und RealNetworks abgespielt.

Forderungen in Milliardenhöhe

Jahrelang hatten beide Firmen einen Kartellstreit geführt. RealNetworks hatte Microsoft vorgeworfen, mit der Integration seines "Media Players" in das Betriebssystem "Windows" Wettbewerber im Bereich Mediensoftware vom Markt zu drängen, und Ende 2003 Kartellklage eingereicht. RealNetworks, das selbst die Mediensoftware "Real Player" anbietet, hatte Schadenersatz in Höhe von bis zu einer Milliarde Dollar gefordert.

Streit beigelegt

Jetzt haben die beiden Unternehmen Vereinbarungen mit einem Gesamtvolumen von 761 Millionen Dollar getroffen, mit denen alle Streitigkeiten beigelegt sind: Zum einen zahlt Microsoft 460 Millionen Dollar in bar, damit Ansprüche und Lizenzfragen erledigt sind. Zum anderen gibt der Software-Riese weitere 301 Millionen Dollar aus, um RealNetworks' Produkte, etwa Online-Spiele und den Musik-Downloaddienst "Rhapsody", zu bewerben. Das soll über die populäre Microsoft-Website MSN und die Spielekonsole Xbox geschehen.

Übernahme?

Die Börse begrüßte die Einigung, der Aktienkurs von RealNetworks legte am Tag der Bekanntgabe des Deals um 30 Prozent zu. Denn vor allem eines macht die Aktie interessant: Mit den 761 Millionen Dollar von Microsoft verfügt Real über einen Cash-Bestand von über einer Milliarde Dollar. Der derzeitige Börsenwert von 1,3 Milliarden Dollar erscheint vor diesem Hintergrund als geradezu mickrig. Und diese Unterbewertung macht Real nicht zuletzt zu einem attraktiven Übernahmekandidaten.

Nach Rücksetzer einsteigen

Das Papier ist mit einem KGV von 16 extrem günstig, vor allem wenn man das Gewinnwachstum (von zehn in diesem auf 48 Cent je Aktie im nächsten Jahr) bedenkt. Wer zudem bei RealNetworks auf neue Vertriebspower durch den Microsoft-Deal und auf eine mögliche Übernahme setzt, sollte einen Rücksetzer abwarten und dann einsteigen.

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