SHW
- Michael Schröder - Redakteur

Real-Depot-Wert SHW mit Kursrallye: Top Newsflow und mächtig viel Übernahmefantasie - die Hintergründe!

Es ist noch nicht lange her, da ist die Aktie von SHW bei den Anlegern in Ungnade gefallen. Verfehlte Prognosen, Schwierigkeiten bei der Produktion von Bremsscheiben und so weiter und so weiter. Die Chancen auf ein Comeback stehen sehr gut. Das niedrige Kursniveau haben daher auch einige Investoren genutzt, um sich bei SHW einzukaufen.

Da ist zum Beispiel Anhui ARN. Ein chinesischer Autozulieferer. Oder Sterling Strategic Value mit Tito Tettamanti an der Spitze. Der milliardenschwere, gerissene Schweizer Unternehmer und Finanzier hat sich knapp drei Prozent der SHW-Anteile unter den Nagel gerissen. Auch das Real-Depot hat sich erneut eine erste Position gesichert. Nur, was macht SHW so interessant und was führen die Investoren im Schilde?

SHW, rund 1.250 Mitarbeiter, 463 Millionen Euro Umsatz, Stammsitz in Aalen-Wasseralfingen in Baden-Württemberg. Die Firma baut Öl- und Wasserpumpen für die Motoren für VW, BMW, Daimler und Co. Dazu kommen rund vier Millionen Bremsscheiben pro Jahr, das sind 8,2 pro Minute. 78,8 Prozent der Erlöse stammen aus dem Segment Pumpen und Motorkomponenten, 21,2 Prozent wird mit Bremsscheiben umgesetzt. SHW produziert für die Crème de la Crème der Autobauer. Größter Kunde ist mit einem Umsatzanteil von knapp 40 Prozent die VW-Gruppe mit VW-Pkw, den schicken Töchtern Audi und Porsche. Dahinter folgen Daimler und BMW, Volvo und Ford. Die Teile von SHW werden aber nicht nur in Autos, sondern auch in Trucks oder Agrar- und Baumaschinen verbaut.

Im ersten Halbjahr hat sich das Management nicht gerade mit Ruhm bekleckert, zumindest was die Zahlen angeht. Wer das Vorstandsteam rund um Frank Boshoff und Andreas Rydzewski aber kennt, der weiß, dass die Mannschaft von der alten Schule ist. Versprechen einhalten, Vertrauen schaffen. Das ist jetzt auch bitter nötig, denn von Januar bis Juni 2016 erzielte SHW nur einen Umsatz von 215,3 Millionen Euro. Das war den Analysten deutlich zu wenig. Schließlich waren es im Vorjahreszeitraum 240,1 Millionen Euro. Zumindest hielt sich der Rückgang beim EBITDA in Grenzen. Minus 5,2 Prozent von 23,0 auf 21,8 Millionen Euro.

Was war passiert? Neben dem Umsatzminus im Geschäftsbereich Pumpen und Motorkomponenten drückten im Segment Bremsscheiben rückläufige Stückzahlen den Umsatz. Damit nicht genug: Vorstand Boshoff musste bei der Präsentation der Halbjahreszahlen die Prognose sogar nach unten schrauben. Für 2016 und 2017 rechnet SHW jetzt mit einem Konzernumsatz in der Bandbreite zwischen 410 Millionen Euro und 430 Millionen Euro. 30 Millionen weniger als im Vorfeld geplant.

Zugegeben, das alles klingt nicht sonderlich nach einem Investment-Case: Und dennoch ist das Unternehmen und natürlich die Aktie einen Blick wert. „Die Aktie hat unserer Meinung nach zu Unrecht negatives Momentum erfahren. Die Anpassung der Umsatz-Guidance sollte keine Überraschung gewesen sein, da die zwei Auftragsausfälle bereits kommuniziert wurden“, sagt Analyst Malte Schmidt vom Bankhaus Lampe.

Das Management hat in den letzten Monaten nahezu jeden Stein umgedreht, hat die Produktions- und Geschäftsprozesse optimiert. Das wird in den nächsten Monaten zu einer deutlichen Verbesserung der Margen führen. „Wir arbeiten inzwischen viel effizienter. Ab 2018 werden wir wieder profitabel wachsen“, sagt Vorstand Boshoff. Ein Grund für den Optimismus ist vor allem das gute Neugeschäft. SHW hat in den ersten sechs Monaten drei neue Aufträge in China und einen in Brasilien an Land gezogen. Produktionsstart ist jeweils für 2018 geplant. Schon im Jahr 2020 will SHW in China knapp 100 Millionen Euro umsetzen. Macht umgerechnet rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes.

„Der Verlauf des internationalen Geschäfts ist positiv. Die ambitionierte Guidance von 480 bis 505 Millionen Euro Umsatz in 2018 ist zum jetzigen Zeitpunkt mit annähernd 100 Prozent Auftragsbestand unterlegt“, sagt Bankhaus- Lampe-Analyst Malte Schmidt. Wir befinden uns auf gutem Weg, im Jahr 2020 das Umsatzziel von 630 Millionen Euro bis 660 Millionen Euro sowie eine EBITDA-Marge von mindestens zwölf Prozent zu erreichen“, erklärt SHW-Vorstand Boshoff.

SHW hat sehr gute Chancen, die Prognose zu stemmen. Denn: „Die Guidance im Jahr 2020 wird von circa 60 Prozent der bestehenden Auftragseingänge unterstützt“, bemerkt Analyst Schmidt. Das macht Lust auf mehr. Optimierungspotenzial hat jedenfalls das Segment Bremsscheiben. Rund 21,2 Prozent beträgt der Anteil am Gesamtumsatz.

Fakt ist: Das Segment war lange Zeit das Sorgenkind von SHW und belastete vor allem das Ergebnis im Jahr 2015. Mittlerweile arbeitet das Segment schon wieder profitabel und erzielte 2015 bei einem Umsatz von knapp 98 Millionen Euro ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 9,8 Millionen Euro. Das entspricht einer sportlichen Marge von 10,0 Prozent. Der Aufbau einer zweiten Produktionsanlage für Verbundbremsscheiben erhöht die Produktionskapazität gegen Ende 2016. Hinzu kommt: „Im Segment Bremsscheiben hat SHW 2015 ein Joint Venture mit einem chinesischen Partnerunternehmen gestartet, um diesen wichtigen Markt zu bedienen“, sagt Analyst Schmidt. SHW hat die Voraussetzungen für ein stärkeres Wachstum in diesem Segment also geschaffen.

Und wer denkt, SHW wäre ganz Old-School-like ausgerichtet und hätte nicht die Trendwende in der Autoindustrie zur Elektromobilität im Blick, der täuscht sich. „Die Entwicklung von Produktanwendungen für batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge eröffnen neue Marktpotenziale“, erläutert Vorstand Boshoff. Klar, noch steckt die Elektromobilität in den Kinderschuhen. Das Angebot an Stromern auf deutschen Straßen ist noch überschaubar. Schon in rund 20 Jahren werden die Verbrennungsmotoren auf den Straßen rund um den Globus Seltenheitswert haben. SHW hat sich dafür bereits in Position gebracht. Neben Schmieröl- und Getriebeölpumpen für Verbrennungsmotoren werden bereits elektrische Zusatzölpumpen oder Schmier- und Kühlölpumpen für Elektroautos gebaut. Der Umsatzanteil ist aktuell noch überschaubar, dennoch hat sich SHW frühzeitig in Position gebracht.

Das macht sich mehr und mehr bezahlt: Die zum SHW-Konzern gehörende SHW Automotive GmbH hat vor wenigen Tagen von dem weltweit führenden Hersteller von vollelektrischen Fahrzeugen einen Neuauftrag als Systemlieferant von elektrischen Achsgetriebepumpen mit einem Lifetime-Umsatz von etwa 100 Millionen Euro erhalten. Dabei ist es der SHW gelungen, sich gegen starke internationale Konkurrenz durchzusetzen.

Ebenfalls interessant: Das zuletzt niedrige Kursniveau haben einige Investoren genutzt, um sich bei SHW in Stellung zu bringen. Made in Germany steht für Qualität und erstklassige Produkte. Darüber hinaus werden deutsche Firmen derzeit zum Teil zu Spottpreisen an der Börse gehandelt. Nicht umsonst ist zuletzt KUKA an Midea aus China gegangen oder General Electric wird wohl den 3D-Metalldruck- Spezialisten SLM Solutions an sich reißen. SHW ist gut aufgestellt, mit hochwertigen Produkten im Sortiment. Die Kundenstruktur unter den Auto- und Brummi-Herstellern ist erstklassig.

Mit 6,06 Prozent ist der chinesische Autozulieferer Anhui ARN mittlerweile der größte Einzelaktionär. Mit rund drei Prozent ist auch Tito Tettamanti an Bord. Der 85-jährige Schweizer ist ein kühler Rechner und erfolgreicher Investor. Seit 1999 hat sein Investmentvehikel Sterling Strategic Value eine Rendite von mehr als 500 Prozent erzielt. Von den 45 Unternehmen, in die investiert wurde, habe man nur mit Charles Vögele Geld verloren. Noch Fragen?

Ich gehe davon aus, dass der erfahrene und mit allen Wassern gewaschene Investor Tettamanti darauf setzt, dass der chinesische Autozulieferer Anhui ARN seine Position bei SHW ausbaut. Ein Übernahmeangebot wäre sicherlich das Tüpfelchen auf dem „i“. Dass auch SHW nicht ganz unbeeindruckt von dem Manöver von Anhui und Tettamanti ist, zeigt die Reaktion des Autozulieferers: Angeblich hat SHW die Investmentbank Berenberg als Berater engagiert, um verschiedene Optionen zu prüfen. SHW selbst wollte sich zu diesen ganzen Spekulationen nicht äußern. Aber auch neben den ganzen Übernahmeszenarien verbirgt sich hinter SHW eine interessante Comeback-Story.

Bis 2020 soll der Umsatz knapp sechs Prozent steigen. Umsatztreiber ist vor allem die steigende Nachfrage aus China und Nordamerika. Effizienzprogramme und die Teilverlagerung der Produktion nach Osteuropa werden die EBITDA-Marge treiben. „Wir sehen SHW auf dem richtigen Kurs“, sagt Bankhaus- Lampe-Analyst Schmidt. Fuß von der Bremse Aktuell bewertet die Börse SHW mit einem Wert von 196,9 Millionen Euro. Wird der Wachstumskurs wie angestrebt umgesetzt und greifen die Effizienzprogramme, sind im Jahr 2018 Erlöse von 490 Millionen Euro durchaus drin. Das würde ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,40 bedeuten. Im Durchschnitt rechnen die Analysten für 2018 mit einem Gewinn pro Aktie von 2,80 Euro, mit Überraschungspotenzial nach oben. Macht ein KGV von aktuell 12. Damit ist SHW im Verbund der Autozulieferer wie Continental oder Grammer noch günstig.

Die Mischung bei SHW stimmt. SHW bietet nach der Bodenbildung eine interessante Comeback-Chance. Das Sahnehäubchen dieser Spekulation ist die durch die neuen Investoren gestiegene Übernahmefantasie. Daher sollte sich die Aktie nun nachhaltig von der 30-Euro-Marke nach oben lösen. Das erste Ziel wartet bei 40 Euro. Im Falle einer Übernahme sind sogar deutlich höhere Kurse möglich. DER AKTIONÄR spekuliert im Real-Depot auf dieses Szenario.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Derivate auf Kion befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR.

Das Real-Depot versucht durch kurz- und mittelfristige Investitionen in aussichtsreiche Aktien zum Erfolg zu kommen. Dabei stehen Trading-Chancen aus charttechnischer Sicht, aufgrund von positivem Newsflow oder anderen Sondersituationen im Fokus. Für zusätzliches Potenzial sorgt der Handel mit Hebelprodukten. Deshalb richtet sich das Depot vor allem an spekulativ orientierte Anleger. Interessiert? Dann holen Sie sich ein Probe-Abo und testen Sie für drei Monate das Real-Depot.

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