Raiffeisen Bank
- Martin Mrowka - Redakteur

Raiffeisen Bank: Wegen Russland-Sanktionen unter Druck

Die neuen US-Sanktionen gegen Russland haben den Österreichern bei der Präsentation ihrer Halbjahreszahlen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Außerdem musste im zweiten Quartal ein Gewinnrückgang verkraftet werden. Die Aktie der Raiffeisen Bank International (RBI) steht am Donnerstag unter gehörigem Druck.

Eine Entlastung beim Kreditrisiko und höhere Betriebserträge haben der RBI unterm Strich im ersten Halbjahr mehr Gewinn beschert. Der Nettogewinn lag mit 756 Millionen Euro um gute 29 Prozent über dem Vorjahreswert. Doch im zweiten Quartal ging der Konzerngewinn auf 357 Millionen Euro zurück - nach 367 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Grund für den Gewinnrückgang war der verlustreiche Verkauf der polnischen Tochter Bank Polska im Frühjahr.

Das vor allem in Osteuropa aktive österreichische Geldhaus konnte ihre Polen-Tochter erst nach mehreren Anläufen im April für 775 Millionen Euro an die französische BNP Paribas verkaufen. Den voraussichtlichen Verlust aus dem Geschäft bezifferte die RBI mit 121 Millionen Euro. Dieser sei nun im zweiten Quartal verbucht worden, erläuterte RBI-Chef Johann Strobl. Der Abschluss des Geschäftes werde für das vierte Quartal erwartet.

Sanktionen gegen Russland überschatten Quartalsbilanz

Russland ist für die RBI der wichtigste Einzelmarkt. Dort wurde im ersten Halbjahr zwar ein stabiler Gewinn nach Steuern von 237 Millionen Euro erzielt. Doch ausgerechnet heute, zur Zahlenvorlage, wurden neue Sanktionen der USA gegen Russland verhängt. Wegen des Giftanschlags auf Ex-Doppelagent Skripal und dessen Tochter werden am 22. August Strafmaßnahmen gültig. Die Sanktionen seien gegen staatliche oder staatlich finanzierte Firmen gerichtet. Sollte Russland nicht innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten der Strafmaßnahmen beweisen können, dass es keine chemischen Waffen mehr einsetzt, könnten noch weitere Sanktionen erlassen werden.

Bei der RBI hielt man sich mit einer Bewertung zurück: "Es ist noch zu früh zu sagen, welche Unternehmen oder Personen von diesen Sanktionen betroffen sein werden", sagte Bankchef Johann Strobl auf der Halbjahres-Pressekonferenz. Die Sanktionen sieht er zwar skeptisch, die Bank werde aber alle Vorschriften einhalten. "Niemand will auf einer Sanktionsliste landen", sagte Strobl. Bisher war die RBI von den Russland-Sanktionen kaum betroffen gewesen.

Aktienkurs bricht ein

Belastend wirkten aber negative Währungseffekte. Der Rubel-Kurs gab heute weiter nach. Die Abwertung des russischen Rubel gegenüber dem Euro bekam die RBI bereits im ersten Halbjahr zu spüren. Das Eigenkapital habe sich dadurch per Ende Juni um 87 Millionen Euro reduziert.

An der Börse flüchtete man aus der RBI-Aktie. Der ATX-Wert verliert am Donnerstag zeitweise über sechs Prozent auf 26,41 Euro. Erst vor wenigen Tagen hatte der Kurs einen seit Februar intakten Abwärtstrend und die 90-Tage-Linie wieder überwunden, scheiterte jedoch an der 200er-Linie, die bei 29,76 Euro verläuft. Investierte Anleger sollten die RBI-Aktie halten, die Geschäftsaussichten sind grundsätzlich als gut zu beurteilen. Bei 24 Euro sollte indes eine Stopp-Loss-Order platziert werden.

 

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Martin Mrowka | 0 Kommentare

Raiffeisen Bank: Erste Dividende seit drei Jahren

Banken gehören in diesen Wochen nicht gerade zu Anlegers Lieblingen. Der Konflikt um Strafzölle, eine mögliche Konjunkturabkühlung und die Angst vor einem Wiederaufflammen der Euro-Krise sorgen bei vielen Finanzinstituten für fallende Aktienkurse. Auch die österreichische Raiffeisen Bank (RBI) … mehr
| DER AKTIONÄR | 0 Kommentare

Meist verdienen nur die Bankvorstände

Das Bankwesen leidet weltweit, weil US-Banken Geld an Kunden verliehen haben, die kaum kreditwürdig waren. Es leidet, weil US-Banken ihre Ramsch-Hypotheken zu Paketen zusammengefasst und weltweit an andere Banken verkauft haben. Es leidet, weil diese Ramsch-Kredite immer neu ineinander verschachtelt und an immer neue Abnehmer als Investitionsobjekte und sogenannte Finanzinnovationen verkauft worden sind. mehr
| DER AKTIONÄR | 0 Kommentare

Tschechien auf dem Vormarsch

Seit dem Tief im Jahr 2001 hat sich der Prager Leitindex PX versechsfacht. Das durchschnittliche KGV von 26 für 2007 zeigt, dass er kein Schnäppchen mehr ist. Dennoch haben Anleger auch in Zukunft Chancen. DER AKTIONÄR stellt die aussichtsreichsten Titel vor. mehr