DAX
- Michael Schröder - Redakteur

Quo vadis Euro, DAX, Gold & Co? Das sagen die Experten!

Das Jahr 2016 hatte es in sich. Konjunktursorgen, Zinswende, Dieselgate, Brexit, Trump, Italien-Referendum waren einige der Top-Themen, die bei den Börsianern im Fokus standen. Am Ende hat der DAX noch einmal zulegen können. Doch wie geht es weiter? Was bringt das kommende Jahr?

DER AKTIONÄR fragte nach beim Kapitalmarktexperten Roger Peters, Geschäftsführender Gesellschafter bei pfp|Advisory. Die Favoriten der AKTIONÄR-Redaktion für das Jahr 2017 sind nur einen Klick entfernt.

 

DER AKTIONÄR: Wo erwarten Sie den DAX bis zum Jahresende 2017?

Roger Peeters: Punktprognosen haben immer etwas von Kaffeesatzleserei. Unter dem Strich rechnen wir 2017 mit einem moderat positiven Jahr am Aktienmarkt, also einem Zugewinn im wahrscheinlich einstelligen Prozentbereich. Unterjährig sind aber mitunter deutliche Schwankungen realistisch.

Welche Aktien und Branchen haben 2017 das größte Potenzial?

Wir gehen in unserer Auswahl bewusst bottom-up und nicht top-down vor, weshalb ich die Frage konsequenterweise nur indirekt beantworten kann. Wir sehen beispielsweise im Bereich Software und IT nach wie vor viele Unternehmen, die einerseits kontinuierlich und stark wachsen und andererseits noch moderat gepreist sind.

Von welchen Aktien und Branchen sollte man besser die Finger lassen?

Auch wenn es technisch zu deutlichen Gegenbewegungen kommen kann, sehen wir bei vielen Unternehmen aus dem Finanzsektor noch hohe Risiken. Generell denken wir, dass Anleger stets von Industrien fernbleiben sollen, die sie nicht verstehen.

Wie weit wird, wie weit kann die Fed mit den Zinserhöhungen 2017 gehen?

Sie kann theoretisch einige Schritte unternehmen. Wir glauben aber, dass das Thema heißer gekocht als gegessen wird. Man darf nicht vergessen, dass die Verschuldung vieler Staaten und anderen Institutionen mittlerweile so hoch ist, dass ein deutlich erhöhter Zinsaufwand zum Kollaps führen würde, wenn es nicht vorher Schuldenschnitte gibt.

Wann wird die EZB so weit sein?

Sicherlich später als die Fed und auch hier sicher nur moderat. Wenn es 2017 schon zu einer Wende kommt, dann frühestens im zweiten Halbjahr.

Angenommen, bei der Bundestagswahl gewinnt Rot-Rot-Grün: Wäre das eine große Gefahr für den DAX?

Auch wenn Realpolitik oftmals viel harmloser und auch differenzierter daher kommt als Wahlkampf-Rhetorik: Eine solche Kombination hätte aller Wahrscheinlichkeit eine klar negative Attitüde gegenüber den Kapitalmärkten und auch der Wirtschaft selbst. Dass dies an den Märkten keine Spuren hinterlassen würde, erscheint sehr unwahrscheinlich.

Wo sehen Sie überhaupt derzeit nennenswerte Risiken für die Börsen?

Die Hauptrisiken sind seit geraumer Zeit unverändert: Die Märkte sind in der Breite auf einem hohen Bewertungsniveau, das sich nur durch die anderen hohen oder sogar noch höheren Bewertungen etwa auf dem Anleihenmarkt relativiert. Zudem stecken im Finanzsystem weiter hohe Risiken, maßgeblich etwa die hohen Schuldenberge. Last but not least ist die geopolitische Situation unverändert angespannt, auch bleibt die Terrorgefahr leider gegeben.

In den USA läuft es seit Trumps Wahlsieg fantastisch. Was muss Trump tun, damit der Dow Jones auf 22.000 Punkte oder sogar höher steigt?

Der Dow Jones wird nicht alleine durch den US Präsidenten beeinflusst. Aber wenn es Trump gelingt, die US-Wirtschaft zu starkem Wachstum zu stimulieren, wären weitere Zugewinne beim US-Aktienmarkt keine Überraschung.

Ab wann würde Trump richtig gefährlich für die Aktienmärkte?

Auch hier sollte man Herrn Trump nie isoliert betrachten. Aber für ihn gilt natürlich, genauso wie es für Hillary Clinton gegolten hätte, dass er ob seiner Machtfülle geopolitisch Risiken noch eskalieren kann. Sein Umgang beispielsweise mit Russland wird zu beobachten sein.

Wann erwarten Sie das Comeback von Gold?

Wenn es zu einer deutlichen Ausweitung der Inflation oder extremem Stress im Finanzsystem kommt, wonach es kurzfristig nicht aussieht.

Gold, Aktien, Anleihen, Immobilien – wie stellen Sie ein Depot für 2017 auf?

Das hängt ganz maßgeblich von der Ausgangssituation des jeweiligen Investors ab. Übergreifend mag man aber schon konstatieren, dass 2017 auf der Anleihenseite ein recht schweres Jahr wird. Zwar erwarteten das einige Marktteilnehmer in den vergangenen Jahren bereits und somit zu früh, doch sind die Bewertungen hier, trotz erster Korrekturen Ende dieses Jahres, immer noch sehr sportlich.

Vielen Dank für das Gespräch!

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