DAX
- Thorsten Küfner - Redakteur

Quo vadis DAX? Das raten jetzt die Experten (Teil 1)

Droht eine Korrektur beim DAX? Wo liegen die größten Risiken? Wir haben bei den besten Börsenexperten Deutschlands nachgefragt, wie etwa Flatex-Marktstrategen Oswald Salcher. Er gibt Antworten darauf, wie es mit dem DAX weiter geht, welche Aktien man jetzt haben muss und welche man aus dem Depot verbannen sollte.

Herr Salcher, wie schätzen Sie den Markt derzeit ein? Wird es bald weiter nach oben gehen oder müssen wir Angst haben, dass es bald knallt?

Oswald Salcher: Wir sehen schon ein leichtes Korrekturpotenzial aber einen richtig großen Crash erwarten wir nicht. Wir haben ja vor knapp drei Wochen einen ersten Versuch gesehen, als versucht wurde, den DAX unter die 50-Tage-Linie zu drücken. Das hat nicht geklappt. Ich denke, dieser gescheiterte Versuch hat gezeigt, dass der Markt insgesamt stark ist.
Was ein bisschen dagegen spricht ist, dass wir normalerweise im Frühjahr/Sommer immer etwas schwächere oder volatilere Märkte sehen – Sprichwort „Sell in May and go away“. Es kann schon sein, dass es „ein leichtes Rauschen“ im Markt gibt, aber einen wirklichen Crash nicht, weil dafür sind einfach die Rahmenbedingungen zu gut.

Wo sehen Sie derzeit die größten Risiken für den Markt?
Zu den größten Risiken zählt sicher Donald Trump, der immer noch ein konstanter Unsicherheitsfaktor ist. Vielleicht auch die Währung. Insgesamt sehen wir den europäischen Markt ja ganz gut – eben auch durch den schwachen Euro. Wir könnten uns allerdings vorstellen, dass die Amerikaner irgendwann einmal auch intervenieren. Das könnte vielleicht durch einen stärkeren Euro dann wieder unsicher werden. Natürlich auch Syrien, aber wir haben bei der ersten US-Attacke gesehen, dass am Markt nicht wirklich etwas passiert ist. Diese politischen Börsen haben eher kurze Beine. Vielleicht bei den US-Aktien, wo wir eine gewisse Überbewertung sehen. Die sind einfach sehr gut gelaufen, haben relativ hohe Bewertungen. Deswegen sehen wir dort auch ein geringeres Kurssteigerungspotenzial – in Europa aber schon.
Dann haben wir die zwei Wahlen in Frankreich und Deutschland, aber dort wird den aktuellen Prognosen zufolge nach nichts passieren.

Aktuell haben wir also eine relativ stabile Lage und kein großartiges Störfeuer zu erwarten.

US-Aktien sind recht hoch bewertet, deutsche sind im langfristigen Vergleich günstig. Wird der DAX den Dow Jones mittelfristig outperformen?

Ja, das erwarten wir. Im Hinblick etwa auf die KGVs haben die Europäer noch Nachholpotenzial. Außerdem hat der Dow Jones schon bei über 21.160 Punkten ein All-Time-High ausgebildet, jetzt sind wir wieder deutlich drunter – der DAX hat das noch nicht geschafft. Und ich glaube schon, dass der Euro weiter fallen wird, was europäische Aktien begünstigt, während der starke Dollar die US-Aktien eher belastet. Die europäische Wirtschaft ist auch stabil, weshalb wir eine Outperformance der europäischen Akten erwarten. Beim DAX hab ich trotzdem ein paar Sorgenfalten auf der Stirn. Wir haben nämlich mit den drei Automobilherstellern BMW, Daimler und VW drei Sorgenkinder, bei denen wir eher eine Underperformance erwarten und die die Ursache dafür sein könnte, dass der DAX doch nicht so stark ansteigt wie wir es eigentlich erwarten.
Die Fed will noch in diesem Jahr auf die geldpolitische Bremse treten. Was bedeutet das für die Aktienmärkte?
Nichts! Die Fakten, die auf dem Tisch liegen, sind ja schon eingepreist. Wir haben ja zuletzt auch keine großartige Reaktion an den Märkten gesehen. Es gab nur einen kurzen Dämpfer, aber wir sind beim Dow Jones relativ konstant bei 20.700 Punkten.

Was passieren könnte wäre, dass durch die Zinserhöhung der Dollar noch stärker werden müsste oder konstant stark bleibt. Das kann aber für die Amerikaner auf Dauer nicht gut sein. Es könnte daher vorkommen, dass die FED interveniert und den Dollarkurs zu drücken versucht.

Wann wird die EZB frühestens nachziehen?
Wir sehen die erste Zinserhöhung erst 2019, so wurde es auch angekündigt. Nichts anderes erwarten wir.
Wie robust bewerten Sie aktuell die Lage in Deutschland, Europa und in den USA?
Also die Ergebnisse des letzten Jahres waren alle sehr solide. So haben etwa BMW, VW und Daimler so viel Autos verkauft wie nie zuvor, Siemens ist gut gelaufen, SAP läuft gut. Die deutschen Banken haben sich auch gefangen. Wir stehen solide da. Daran gibt es nichts zu rütteln. Genauso wie in Amerika: Dort schaue ich eher auf die Tech-Werte, die allesamt gut performt haben, supergute Zahlen geliefert haben. Wir sind also superstabil. Große Störfeuer die Märkte belasten können, sehen wir derzeit nicht.

Seien Sie bitte visionär: Wo steht der DAX in 5 Jahren?
Bei über 20.000 Punkten.

Welche Aktien sollte man jetzt haben?
Ich würde auch jeden Fall amerikanische Tech-Werte nehmen: Sie sind zwar gut gelaufen und teuer, aber sie sind auch gut. Sie haben einfach ein richtig gutes Geschäftsmodell. Mir gefallen Apple, Facebook und Amazon. Microsoft ist auch wieder sehr gut zurückgekommen – nach Börsenwert mittlerweile die Nummer 2 nach Apple.
In Deutschland Bayer: Mit der Übernahme von Monsanto sehe ich da noch riesiges Potenzial.
Wenn man ein bisschen länger in die Zukunft schaut, könnte man auch die deutschen Banken wieder nehmen. Hier würde ich eher die Commerzbank bevorzugen gegenüber der Deutschen Bank.

Welche Aktien sollte man verkaufen?
Die deutschen Autobauer. Sie sind gut gelaufen und ich denke, sie haben ihre besten Zeiten jetzt hinter sich. Die präsentierten Rekordergebnisse sind schon eingepreist. Dies noch einmal zu toppen wird schwer, da wir jetzt auch einen gewissen Wandel in der Automobilbranche hin zu E-Mobility sehen. Ich denke zwar, dass die deutschen Konzerne das auch können, aber sie müssen es eben erst noch zeigen. Die Latte liegt jedenfalls extrem hoch, daher glaube ich, dass es erst einmal einen Dämpfer bei Daimler, BMW und VW geben wird.
Ich glaube auch nach wie vor nicht an die deutschen Energieversorger RWE und E.ON auch wenn die bisher gut gelaufen sind. Mir fehlt die Phantasie, dass so stark gebeutelte Traditionsunternehmen überdurchschnittlich positiv überraschen sollten?

Wie andere Börsenprofis wie etwa Hans A. Bernecker, Max Otte, Marc Faber, Folker Hellmeyer oder Thomas Gebert die aktuelle Lage einschätzen, bei welchen Aktien sie zugreifen würden und wovon sie tunlichst die Finger lassen würden, erfahren Sie exklusiv in der neuen Ausgabe 17/2017 des AKTIONÄR.

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