Qiagen
- Marion Schlegel - Redakteurin

Qiagen-Interview: „Da ist noch weiterhin viel Luft für uns nach oben“

Von den Schwierigkeiten in den vergangenen Jahren ist bei Qiagen kaum noch etwas zu spüren. Das Unternehmen hat sich in zahlreichen Wachstumsfeldern bestens positioniert. Anleger richten das Augenmerk derzeit insbesondere auf den Tuberkulose-Test, dem enormes Potenzial bescheinigt wird. DER AKTIONÄR hat den Finanzvorstand, Roland Sackers, zur derzeitigen Geschäftsentwicklung näher befragt.

DER AKTIONÄR: Sie haben in den vergangenen Jahren stark den Fokus auf Restrukturierung gelegt. Wie weit ist dieser Prozess vorangeschritten? Was können Anleger nun von Qiagen erwarten?

Roland Sackers: Das Restrukturierungsprogramm, das wir inzwischen erfolgreich abgeschlossen haben, ist Bestandteil unserer Strategie, das Geschäft konsequent auf Märkte mit hohem Zuwachspotential auszurichten. Hierzu zählen allen voran die neuen Sequenzierverfahren und die Bioinformatik, die im Begriff sind, das Gesundheitswesen in einer Weise von Grund auf zu verändern, wie es zuvor die Informationstechnologie getan hat. Die Initiative zur Steigerung von Effizienz und Effektivität hat zur Freisetzung von jährlich 100 Millionen Dollar geführt, die wir nun gezielt in diese und andere definierte Wachstumstreiber investieren können. Davon versprechen wir uns eine nachhaltig führende Position in einem sich rasant entwickelnden Marktumfeld sowie einen weiteren beschleunigten Anstieg bei Umsatz, Gewinn und Cashflow – von dem natürlich auch die Anleger profitieren.

Das Geschäft mit Tests zum Nachweis von humanen Papilloma-Viren (HPV) gestaltete sich angesichts der zunehmen Konkurrenz zuletzt schwierig. Wie sehen Sie hier die weitere Entwicklung?

HPV spielt für uns eine immer geringere Rolle, auch wenn unser Test nach wie vor den Goldstandard in diesem Segment setzt. Machte das Geschäft in den USA 2007 noch über 20 Prozent am Gesamtumsatz aus, so hat der dortige Preisverfall den Anteil auf heute gerade einmal 9 Prozent gedrückt – Tendenz weiter abnehmend. Dennoch sind wir in der Lage, den Umsatzrückgang aus dem HPV-Geschäft mehr als zu kompensieren. Selbst in diesem Jahr, in dem der Lieferantenwechsel eines großen HPV-Kunden in den USA unsere Absätze um 4 Prozent drücken wird, erwarten wir einen Umsatzanstieg von wechselkursbereinigten 4 bis 5 Prozent. Dies zeigt, dass unser übriges Geschäft mit 8 bis 9 Prozent überproportional zulegt. Die Wachstumsraten sollten sich dann ab 2015 weiter beschleunigen, wenn der HPV-Einfluss weiter schwindet und unsere Wachstumstreiber für zusätzlichen Schub sorgen werden.

Kann das Geschäft mit dem Test auf latente Tuberkulose dies kompensieren? Was sind die Vorteile gegenüber den bisher üblichen Hauttests? Wo sehen Sie hier das Marktvolumen – was ist die Vision?

Der Test auf latente TB ist gerade dabei, den HPV-Nachweis als umsatzstärkstes Qiagen-Produkt abzulösen; mit Zuwächsen von jährlich über 20 Prozent ist es auch eines der wachstumsstärksten. Der Erfolg lässt sich mit der Überlegenheit erklären, die das Verfahren gegenüber dem bisherigen Goldstandard auszeichnet. Anders als der überalterte Hauttest ist unser Nachweis nicht nur hochspezifisch. Er erfordert auch nur einen einzigen Arztbesuch und wird in seinem Ergebnis nicht durch frühere Impfungen beeinträchtigt. Wir sehen hier zunehmende Einsatzmöglichkeiten, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gesundheitssektors. Denken Sie etwa an alle immunsupprimierte Patienten, aber auch an das Screening in öffentlichen Einrichtungen wie Gefängnissen, Studentenwohnheimen oder beim Militär. Das ist ein Markt von rund einer Milliarde Dollar, von dem erst 10 Prozent penetriert sind. Das ist noch weiterhin viel Luft für uns nach oben.

In welchem Bereich sehen Sie außerdem in Zukunft große Wachstumschancen?

Wir haben insgesamt fünf Bereiche definiert. Neben dem angesprochenen Markt für latente Tuberkulose-Testung ist das unserer QIAsymphony-Plattform, die ganze Laborabläufe von der Probe bis zum Ergebnis automatisiert. Mit jeder weiteren Testentwicklung steigern wir die Attraktivität dieser modularen Instrumentenfamilie, von der wir dieses Jahr über 1.50 platziert haben wollen. Daneben setzen wir gezielt auf die Entwicklung von Tests zur Bestimmung von Therapien, die für einen Patienten am besten geeignet sind. Inzwischen kommt kaum noch ein Krebsmittel auf den Markt, das ohne einen solchen Begleittest auskommt. Hier sind wir mit allein drei US-Zulassungen und über 20 Kollaborationen unbestrittener Vorreiter und Partner der Wahl für fast alle großen Pharmafirmen. Richtig spannend sind dann vor allem noch die neuen Sequenziertechnologien, NGS, sowie die Analyse und Interpretation der durch sie generierten Daten. In Bereichen, die für die erfolgreiche Nutzung dieser Zukunftstechnologien von absolut grundlegender Bedeutung sind, nehmen wir inzwischen eine führende Position ein. Daneben entwickeln wir eine eigene integrierte Lösung, die den NGS-Einsatz auch in der klinischen Routine, dem bei weitem größten Markt für diese Anwendungen, ermöglichen wird.

Zuletzt gab es Gerüchte, dass Qiagen ein Übernahmekandidat werden könnte. Was sagen Sie dazu?

QIAGEN ist sehr gut aufgestellt, um die sich bietenden Wachstumsmöglichkeiten zu adressieren. Wir fokussieren uns darauf, Werte für unsere Mitarbeiter und Aktionäre zu schaffen. Dabei schauen wir nicht in den Rückspiegel.

 

Aktie vor großem Kaufsignal
DER AKTIONÄR sieht die Aktie von Qiagen weiterhin als gute Kaufchance. Das Unternehmen hat die vergangenen Jahre genutzt und sich in vielen aussichtsreichen Bereichen stark aufgestellt. Dies dürften nun auch die Investoren mehr und mehr honorieren. Gelingt nun der Aktie der Ausbruch über die Marke von 18,20 Euro, würde auch die Charttechnik klar auf „Kaufen“ springen.

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| Werner Sperber | 0 Kommentare

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