- DER AKTIONÄR

Primion - "Zusätzliche Potenziale"

Am Montag startete das erste IPO im Prime Standard. Der Vorstandschef des Börsenneulings Primion, Heinz Roth, stand dem AKTIONÄR Rede und Antwort.

Der jüngste Börsenneuling, die Primion Technology AG, ist nach eigenen Angaben ein international tätiger Anbieter von innovativen, soft- und hardwarebasierten Systemen für Zutrittskontrolle, Zeiterfassung und integrierte Sicherheitstechnik. Die Aktie des Unternehmens aus Stetten am kalten Markt wurde nun am vergangenen Montag zum ersten Mal an der Börse notiert. Nachdem der Emissionspreis für die Primion-Anteile bei 14,50 Euro und damit am oberen Ende der Bookbuildingspanne festgesetzt worden war, lag der erste Kurs bei 14,75 Euro. Bereits im Vorfeld des ersten IPOs im Frankfurter Top-Segment, dem Prime Standard, hat sich der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Heinz Roth, den Fragen des AKTIONÄRs gestellt.

DER AKTIONÄR: Herr Roth, die CeBIT steht vor der Tür. Bald werden Sie dort erstmals ein eigenes biometrisches Zutrittskontrollsystem vorstellen. Liegt hier, im Bereich Biometrie/RFID Ihrer Meinung nach auch die Zukunft der Primion Technology AG? Oder in welchem Tätigkeitsfeld sehen Sie denn das größte Wachstumspotenzial?

Heinz Roth: Die Biometrie gehört zu den größten unternehmerischen Herausforderungen und ist ein ganz wichtiger Wachstumsmarkt für die Primion Technology AG in den nächsten Jahren. Nachdem Primion bisher Biometrie-Lösungen anderer Hersteller eingesetzt hat, wird das Unternehmen auf der diesjährigen CeBIT ein eigenes System präsentieren, mit dem das dynamisch wachsende Biometrie-Segment angesprochen werden soll. Das voll integrierte Hard- und Software-System beruht auf einem Lesegerät mit biometrischem Fingerprint-Scan. Daneben zählen die Weiterentwicklung des Bereichs Mechatronik und die integrierte Sicherheitstechnik zu den Gebieten mit dem größten Potenzial für die Zukunft.

Analystenschätzungen zufolge wird Primion bis zum Geschäftsjahr 2007/08 die EBIT-Marge auf 20 Prozent verdoppeln. Ist diese Prognose Ihrer Ansicht nach realistisch? Wie werden Sie das erreichen?

Die Prognose der Analysten halte ich für durchaus realisierbar. Ähnlich hohe Margen haben wir ja auch bereits in der Vergangenheit erreicht. Durch die Akquisitionen zweier Geschäftsbereiche von Mitbewerbern Ende 2005 hat Primion nun zusätzliche Umsatz- und Ertragspotenziale gewonnen. Hier erwarten wir durch die Substitution bisheriger Fremdprodukte in der Hardware, die deutliche Ausweitung des Kundenstamms, organisches Wachstum und Synergien im Vertrieb wie in der Organisation margensteigernde Effekte. Die Aussichten für eine Verbesserung der EBIT-Marge von rund 14 Prozent im Geschäftsjahr 2004/05 auf rund 20 Prozent im Geschäftsjahr 2007/08, wie dies von den Analysten erwartet wird, stehen daher günstig.

Ihr Umsatz entfällt momentan zu einem Drittel auf die Deutsche Telekom. Arbeiten Sie an einer Diversifikation? Wie soll die Erlösverteilung zukünftig aussehen?

Unser Geschäft ist in bestimmten Bereichen stark projektgetrieben, das heißt die auf einen Kunden in einem Jahr entfallenen Umsatzanteile können bei Abschluss eines Großprojekts mal stark steigen, schon im nächsten Jahr jedoch wieder auf ein normales Maß zurückgehen. Das liegt in der Natur der Sache. Wir freuen uns, dass konkret die Deutsche Telekom AG seit 1997 einer der größten Kunden der Primion Technology AG ist. Sie hat sukzessive ihre Zutrittskontroll- und Zeiterfassungssysteme mit Primion-Produkten ausgebaut. Das belegt das stetig steigende Umsatzvolumen der Primion mit der Telekom. Entsprechend nehmen auch die komplementären Dienstleistungen, Service- und Wartungsaufträge kontinuierlich zu. Wir können uns nicht vorstellen, dass dieses voll integrierte und mittlerweile auch global vernetzte System von Primion zu ersetzen ist. Deshalb vertrauen wir darauf, dass die Telekom nicht nur einer der größten Kunden von Primion ist, sondern auch bleiben wird. Gleichzeitig arbeiten wir natürlich aktiv an der Diversifikation unserer Kundenstruktur. 2004/05 haben wir die Geschäftstätigkeiten in den Branchen Bildung, Industrie (Chemie) und Öffentliche Anstalten ausgeweitet, einige Neukunden wie zum Beispiel Wacker Chemie, Aventis oder die FIFA in der Schweiz sind dazugekommen. Durch die Akquisitionen der Geschäftsbereiche von Städtler und Digitek konnte die Kundenstruktur zusätzlich regional wie sektoral deutlich diversifiziert werden. Insbesondere in den Branchen Energieversorger, Finanzdienstleister, Handel/Konsum und Automotive haben wir neue Kunden gewonnen. Zudem sind wir jetzt mit über 1.000 Kunden einer der führenden Anbieter auf dem spanischen Markt geworden.

Beim Börsengang von Primion stammt rund die Hälfte der angebotenen Anteile aus dem Besitz von Altaktionären. Warum geben die Gesellschafter einen großen Teil ihrer Aktien ab?

Zunächst: Die Alt-Gesellschafter werden maximal nur rund ein DritteI ihrer Aktien abgeben, also nicht die Mehrheit. Was die Motive angeht, kann ich nur für mich sprechen: Zusammen mit einigen Alt-Gesellschaftern habe ich als Gründer seit 1995 das Unternehmen Primion maßgeblich finanziert und aufgebaut. Ein großer Teil meines Vermögens steckt in Primion und auch nach dem IPO bleibe ich größter Einzelaktionär. Mein persönlicher Grund für die Abgabe von Anteilen ist ganz einfach eine gewisse Diversifikation meines vorhandenen Vermögens. Ich werde mich aber weiterhin mit ganzer Kraft für Primion einsetzen. Ich denke, das gilt auch für die übrigen rund 50 Mitarbeiter, die ebenfalls Altaktionäre sind und bleiben.

Warum sollten Anleger die Primion-Aktie kaufen?

Das Unternehmen Primion Technology AG zeichnet sich durch ein erfolgreiches, diversifiziertes Geschäftsmodell aus. Im Markt für Zutrittskontroll- und Zeiterfassungssysteme sowie integrierte Sicherheitstechnik verfügen wir über eine gute Marktposition in Europa. Wir sind einer der Technologie- und Innovationsführer in unserem Markt und besitzen mit über 4.000 Kunden eine breite Basis für weiteres organisches Wachstum. Darüber hinaus wollen wir auch durch Akquisitionen unsere Marktposition weiter ausbauen. Wir sind seit jeher profitabel, erwirtschaften einen positiven Cashflow und haben unseren Aktionären auch in Vergangenheit bereits eine attraktive Dividende geboten. Wer eine Aktie mit soliden Financials und Wachstumsfantasie sucht, der sollte sich die Aktie der Primion Technology AG anschauen.

Das Interview führte Nancy Lanzendörfer.

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