- DER AKTIONÄR

Primacom taumelt

Der hoch verschuldete Kabelnetzbetreiber hat ein akutes Problem: Die Geldgeber wollen einen 500-Millionen-Euro-Kredit nicht verlängern. Treiben die Gläubiger die Firma in die Insolvenz? Unter den Anlegern macht sich Panik breit.

Der hoch verschuldete Kabelnetzbetreiber hat ein akutes Problem: Die Geldgeber wollen einen 500-Millionen-Euro-Kredit nicht verlängern. Treiben die Gläubiger die Firma in die Insolvenz? Unter den Anlegern macht sich Panik breit.

Von Florian Söllner

Markus Straub, Aufsichtsratsmitglied der Primacom AG warnte in einem Interview bereits Anfang 2005: "Wer als Aktionär mit Primacom die letzten drei Jahre durch die Wüste gegangen ist, steht vor dem Tor zur Oase. Natürlich sind wir noch nicht drin", schränkte er ein "und damit sicher. Die Hyänen und Aasgeier können uns noch von hinten angreifen." Der befürchtete Angriff fand am 13. September statt: Die Gläubigerbanken sprangen dem Kabelnetzbetreiber sozusagen an die Kehle, indem sie die Verlängerung eines Seniorkredites ablehnten. Die Kreditlinie sei somit zur Zahlung fällig, die Rückzahlung jedoch aktuell nicht möglich. Diese Meldung löste an der Börse Panik aus: Die Aktie verlor am Dienstag zeitweise mehr als 60 Prozent an Wert.

Die Zeit läuft davon

Doch noch lebt die Firma. Zumindest bis zum 19. September. Solange ist die Verlängerung der Überziehungskreditlinie in Höhe von 15 Millionen Euro durch JP Morgan erfolgt. "Primacom ist weiterhin in Verhandlung mit den Kreditgebern um eine Restrukturierung zu erreichen", hieß es dazu am Dienstag. Aber Primacom läuft die Zeit davon, noch eine Lösung zu finden. Zumal ein weiterer Rückschlag verkraftet werden musste. Die Klage der Firma gegen "sittenwidrige" Kreditzinsen in Höhe von 20 Prozent gegenüber nachrangige Gläubiger wurde am 13. September vom Landgericht Mainz wegen fehlender internationaler Zuständigkeit abgewiesen.

Bluff oder Vollstreckung?

Damit scheint Primacom wichtige Trümpfe im Pokerspiel gegen den Hauptgegner, die nachrangigen Gläubiger, verloren zu haben. Der neue Primacom-Vorstand hatte Mitte 2004 die Pläne dieser Gläubiger durchkreuzt, sich Primacom für die Zahlung von 0,25 Euro je Aktie einzuverleiben. Der Kabelnetzbetreiber, der zwar rund eine Milliarde Schulden hat, aber gleichzeitig vor Abschreibungen und Zinsen 2004 rund 100 Millionen Euro verdiente, versucht seither sich aus der Umklammerung der Gläubiger zu lösen. Ein Befreiungsschlag sollte der Verkauf der Tochter Multikabel für rund 500 Millionen Euro sein, der jedoch von den nachrangigen Gläubigern nicht genehmigt wurde.

Gläubiger sitzen am längeren Hebel

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und viele Marktteilnehmer spekulieren darauf, dass die bei einer Pleite nur nachrangig zu bedienenden Gläubiger dieses Ausfallrisiko scheuen und derzeit nur bellen, nicht aber beißen, um Primacom eine Umstrukturierung in Ihrem Sinne aufzudrängen. Auch wenn der Kabelnetzbetreiber angeschlagen ist, tot ist er (noch) nicht. Eine Umschuldung ist immer noch möglich. Doch Primacom scheint nun von den Gläubigern gestellt. Der Weg in die "Oase" führt daher wohl nur über einen für die Aktionäre hohen Wegzoll.

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