Praktiker
- Markus Bußler - Redakteur

Praktiker: Rückzug aus der Türkei

In der Türkei boomt die Wirtschaft. Doch die Baumarktkette Praktiker hat Probleme, dort Fuß zu fassen. Das Geschäft ist defizitär. Jetzt zieht der Konzern die Notbremse. Die Zahlungen an die Landesgesellschaft werden eingestellt. Die Folge: Ein geordnetes Insolvenzverfahren in der Türkei. Betroffen sind neun Baumärkte.

„Dieser Schritt fällt uns im Hinblick auf unsere Mitarbeiter, Lieferanten und Vermieter nicht leicht, ist aber in der gegenwärtigen Phase der strategischen Neuausrichtung unseres Konzerns unumgänglich", erklärt Vorstandsvorsitzender Armin Burger. „Wir wollen unser Geschäft im In- und Ausland zu alter Ertragsstärke zurückführen. Einen dauerhaften Verlustbringer wie die Türkei können wir uns in diesem Prozess nicht leisten. Zwar haben wir uns intensiv darum bemüht, unsere türkische Tochtergesellschaft zu verkaufen, aber wir konnten keine für uns wirtschaftlich akzeptable Einigung erzielen. Deshalb müssen wir jetzt diesen Weg gehen, um dieses verlustreiche Engagement im Interesse der Bestandssicherung des gesamten Konzerns zu beenden."

Kein Beispiel für das übrige Auslandsgeschäft

Offensichtlich soll die Türkei aber kein Beispiel für die übrigen Auslandstätigkeiten bei Praktiker sein. Der Konzernchef kündigte an, in allen anderen Ländern „Die Wirtschaftlichkeit durch Veränderungen von Strukturen, Prozessen und den weiteren Abbau von Kosten ausreichend verbessern zu können". Somit scheint die Türkei die einzige Region zu sein, bei der sich Praktiker zu so einem drastischen Schritt entschließt.

Sicher: Anleger brauchen nach wie vor starke Nerven bei der Aktie von Praktiker. Und das dürfte auch in den kommenden Wochen und Monaten so bleiben. Doch die Ausdauer sollte sich auszahlen. Praktiker bleibt eine heiße Turnaroundstory. Nachdem nicht zuletzt durch die Kapitalerhöhung die Grundlage für einen finanziellen Neustart gelegt worden ist, kommt es jetzt darauf an, dass auch operativ der Turnaround gelingt. Die Chancen stehen nicht schlecht, belastbare Zahlen wird es allerdings im ersten Halbjahr mit Sicherheit noch nicht geben. Investierte Anleger bleiben an Bord und setzen auf einen erfolgreichen Ausgang des Turnaround-Prozesses.

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