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Platzt die China-Blase?

Chinas Börsen scheinen heißgelaufen. Die Finanzwelt schaut gespannt, ob das noch gutgeht - und wo sich auch jetzt noch Chancen ergeben könnten.

Chinas Börsen scheinen heißgelaufen. Die Finanzwelt schaut gespannt, ob das noch gutgeht - und wo sich auch jetzt noch Chancen ergeben könnten.

China hält die Welt in Atem. Schon der Blick auf die Wachstumsraten zeigt, welche Kräfte sich im Riesenreich entfesseln: Seit 2003 hat das Bruttoinlandsprodukt jährlich um rund zehn Prozent zugelegt, im vergangenen Jahr waren es 11,1 Prozent. Für 2007 rechnen Fachleute mit einem Plus von 11,5 Prozent - bei ständiger Anstrengung der Regierung und der Zentralbank, das Wachstum einzudämmen. Vor wenigen Tagen etwa hat die Landesführung entschieden, dass Staatsunternehmen zehn Prozent ihrer Gewinne als Sonderdividende an den Staat abführen müssen. Mit diesem bemerkenswerten Schritt will die Regierung vor allem die Investitionstätigkeit der Firmen bremsen.

Unbändige Kraft

So atemberaubend das Wirtschaftswachstum, so schwindelerregend ist auch die Börsenentwicklung, insbesondere in Festlandchina. Der Shanghai A-Share Index hat in vier Jahren 250 Prozent zugelegt. Entsprechend hoch ist die Bewertung: auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mittlerweile bei hohen 46. Etwas moderater hat sich der Hongkonger Hang Seng Index entwickelt, mit einem aktuellen KGV von günstigeren 19. In vier Jahren hat das Aktienbarometer ein Plus von rund 120 Prozent verzeichnet.

Unwort Überhitzung

Angesichts der Gesamtentwicklung häufen sich inzwischen die Warnungen vor einer Überhitzung von Chinas Wirtschaft - und einer dicken Spekulationsblase an den Festlandsbörsen. "Die Bewertungen der A-Shares sind exzessiv", sagt etwa Emerging-Markets-Legende und Asien-Experte Mark Mobius. "Doch sie spiegeln beides wider: das als stärker als zuvor eingeschätzte Wachstumspotenzial der Unternehmen und die derzeit höhere Risikobereitschaft von Marktteilnehmern." Ein abruptes Ende der Rallye - das sprichwörtliche Platzen der Blase -, sieht Mobius nicht: "Die chinesische Regierung hat die Risiken erkannt, die ein überhitzter Aktienmarkt hätte. Sie wird daher weiterhin mit regulierenden Maßnahmen entgegensteuern."

Wider den großen Knall

Ähnlich argumentiert Fondsmanagerin Agnes Deng, die vor Kurzem von Starmanagerin Lilian Co die Leitung des Baring Hong Kong China Fonds übernommen hat. "Die Blase in China ist in einer Aufbauphase. Die Regierung wird daher fortfahren, mit makroökonomischen und geldpolitischen Eingriffen eine Vergrößerung der Blase zu verhindern," sagt Deng. Wie für Mobius ist auch für Deng das schier unerschöpfliche Wachstumspotenzial des Reichs der Mitte einer der positiven Schlüsselfaktoren. "Das Gewinnwachstum der Unternehmen wird längerfristig weiterhin stark sein, ebenso wie weiter reichlich liquide Mittel vorhanden sein dürften. Kurzfristig jedoch könnte die Volatilität an den Aktienmärkten hoch bleiben." Für beide bleibt daher die Chinastory für die kommenden Jahre intakt. Größerer Wermutstropfen ist derzeit die Inflation, die im November den höchsten Stand seit neun Jahren erreicht hat. Doch Deng ist zuversichtlich: "Es ist ein schwieriger Job, die Inflation niedrig zu halten, ohne die Aktienmärkte zu beeinträchtigen. In den vergangenen Jahren ist es der Regierung jedenfalls gelungen, ein starkes, aber stabiles Wachstum zu ermöglichen."

Korrektur ja, Platzen nein

Angesichts des hohen Wirtschaftswachstums Chinas und der bereits kräftigen Kursgewinne besonders an den Festlandsbörsen liegt die Furcht vor einem Ende mit Schrecken nahe. Derzeit stehen die Zeichen jedoch auf eine Fortsetzung der Chinastory bei mäßigend wirkenden Regulierungsmaßnahmen seitens Regierung und Zentralbank. Auf eine hohe Volatilität an Chinas Börsen sollten sich Anleger jedoch einstellen und Korrekturphasen bei ausgewählten Werten als Einstiegschance nutzen. Welche Aktien aktuell interessant sind, zeigt die Tabelle unten.

Artikel aus DER AKTIONÄR (52/07 - 01/08).

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