PFLEIDERER AG
- Markus Bußler - Redakteur

Pfleiderer: Ein Nachruf

Das war es also. Mit einer Ad Hoc geht die Börsenstory Pfleiderer zu Ende. „Mit der Eintragung der Kapitalmaßnahmen ist eine fast zweijährige, überaus komplexe Restrukturierung erfolgreich zum Abschluss gebracht worden“, sagte Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Ziems zum Abschluss.

Die Worte „erfolgreicher Abschluss" beziehen sich dabei sicherlich auf den Fortbestand des Unternehmens. Immerhin: Es ist der Gesellschaft nach eigenen Angaben gelungen, 3.600 Arbeitsplätze zu erhalten. Das ist aller Ehren wert. Doch der Weg dorthin dürfte vor allem den Aktionären nicht geschmeckt haben. Die gehen nämlich komplett leer aus. Das Grundkapital wurde zunächst auf Null herabgesetzt, anschließend wurde eine Kapitalerhöhung unter vollständigem Ausschluss des Bezugsrechts durchgeführt, womit Atlantik S.A. zum alleinigen Aktionär aufgestiegen ist. Die Aktien der Altaktionäre sind vollständig untergegangen, der Börsenhandel wurde eingestellt.


Vom Turnaround-Kandidat zum Pleite-Konzern

Dabei wurde Pfleiderer lange Zeit als Turnaround-Kandidat gehandelt. Angetrieben durch Äußerungen des damaligen Vorstandes hieß es stets, das Unternehmen befinde sich noch in der Spur. Vor allem die Überkapazitäten auf dem Markt für Spanplatten machten dem Unternehmen zu schaffen. Aber dies seien keine Probleme, die sich nicht lösen ließen. Auch Analysten waren lange davon überzeugt: Das Unternehmen wird die Wende zum Besseren schaffen. Doch mehr und mehr wurde klar: Die hohe Verschuldung könnte dem Konzern zum Verhängnis werden. Und so kam es dann auch: Das Unternehmen geriet mehr und mehr in Schieflage. Hedge-Fonds machten sich breit, der Vorstand wurde ausgewechselt, Berater an Bord geholt. Der Kurs fiel ins Bodenlose. Mehr und mehr wurde klar: Der große Verlierer in dem Spiel werden die Altaktionäre - und in diesem Fall die Kleinaktionäre sein.

Wie eingangs erwähnt: Dass die Arbeitsplätze gerettet wurden, ist beachtlich und sicherlich das wichtigste bei einem Konzern, der eigentlich zahlungsunfähig ist. Doch der Umgang mit den Altaktionären ist in diesem Fall alles andere als vorbildlich. Die Art und Weise, wie diese aus dem Unternehmen gedrängt wurden und am Ende quasi enteignet wurden, ist für die Aktienkultur in Deutschland alles andere als förderlich. Die Aktie Pfleiderer hinterlässt damit vor allem aus Aktionärssicht einen mehr als faden Beigeschmack.  

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