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Patrio Plus: "Jährlich 30 bis 40 Prozent"

Patrio Plus will in den Freiverkehr, zunächst ohne Kapitalerhöhung. Was hinter dem Unternehmen steckt, erklären die Vorstände Bernd Menzel und Christopher Saunders im Interview mit DER AKTIONÄR.

Patrio Plus will in den Freiverkehr, zunächst ohne Kapitalerhöhung. Was hinter dem Unternehmen steckt, erklären die Vorstände Bernd Menzel und Christopher Saunders im Interview mit DER AKTIONÄR.

Die Patrio Plus AG, die 2004 bei einer Gesamtleistung von 3,8 Millionen Euro einen Nettogewinn von 1,3 Millionen erzielte, beteiligt sich vor allem in frühen Stadien der Unternehmensentwicklung an kleinen Firmen in schnell wachsenden Branchen. Der 37,5-Prozent-Anteil am Sportwettenanbieter mybet.com soll ebenso aufgestockt werden, wie die Beteiligung von über 40 Prozent am Computerspiele- und Videospieleentwickler 10tacle, der selbst ein Kandidat für die Börse sein könnte. An der Finanzholding ebs hält Patrio Plus 3,3 Prozent. Kürzlich sind zwei weitere Beteiligungen, die Portallösungen für Bezahlsysteme im Internet anbieten, hinzugekommen. Nun planen die Hanseaten in den nächsten Tagen zunächst ein Listing im Hamburger, kurz danach im Frankfurter Freiverkehr; eine Kapitalerhöhung soll allerdings erst um den Jahreswechsel erfolgen. Näheres zur Beteiligungsgesellschaft verraten die beiden Vorstände im Interview mit dem AKTIONÄR.

DER AKTIONÄR: Herr Saunders, Herr Menzel, viele Leser fragen sich bestimmt, warum Patrio Plus zunächst ein Listing im Hamburger Freiverkehr, dann im Frankfurter Freiverkehr plant und warum eine Kapitalerhöhung erst um den Jahreswechsel erfolgen soll. Können Sie uns Ihre Vorgehensweise vielleicht kurz erklären?

Bernd Menzel und Christopher Saunders: Patrio Plus hat das Listing für den Weg an die Börse gewählt (und zwar zunächst im Hamburger Freiverkehr) weil dieser Weg die für die Gesellschaft kostengünstigste Möglichkeit darstellt. Sie kennen ja die enormen Kosten für ein "normales" IPO. Für Hamburg als Ort der Erstnotiz haben wir uns ganz bewusst entschieden, weil dies unser beruflicher und privater Lebensmittelpunkt ist und wir aufgrund unserer Tätigkeit gute Kontakte zur Börse und zur Maklerszene haben. Wegen der übergeordneten Bedeutung des Frankfurter Börsenplatzes streben wir aber zeitnah auch dort eine Notiz an. Soeben schließen wir eine Kapitalmaßnahme ab, die uns genügend Spielraum bis in das nächste Jahr ermöglicht. Unsere Planungen beinhalten dann aber eine weitere Kapitalmaßnahme.

Wie sieht Ihre Finanzsituation aus?

Patrio Plus ist schuldenfrei und für die Erfüllung ihrer Unternehmensziele gewappnet. Der Vorstand behält sich zur Erhaltung der Flexibilität jedoch auch die Möglichkeit von Fremdfinanzierungen vor.

In einer Erststudie hat SES Research vor wenigen Wochen das Beteiligungsportfolio von Patrio Plus mit rund 26 Millionen Euro bewertet. Da Sie im Vorfeld des Börsengangs eine Privatplatzierung zu 15 Euro durchführten, ergibt sich Medienberichten zufolge "nur" ein Unternehmenswert von 20,8 Millionen Euro. Sie rechnen aber damit, dass sich an der Börse der innere Wert des Portfolios im Kurs widerspiegeln wird.

Warum sollten Anleger Aktien von Patrio Plus erwerben?

SES Research hat ihre Studie Ende Juli dieses Jahres erstellt und ist natürlich von den Gegebenheiten zu diesem Zeitpunkt ausgegangen. Inzwischen haben sich aber weitere stille Reserven aufgebaut, die sich zum einen aus der weiteren Aufstockung unserer Beteiligung an der mybet.com und der zuletzt fulminanten Kurssteigerung der Wire Card AG, an der wir ja über die ebs Holding AG beteiligt sind, ergeben. Des Weiteren sind zwei neue Beteiligungen noch nicht in die Bewertung eingeflossen. Insgesamt sehen wir eine stille Reserve von mindestens vier Millionen Euro.

Der Kurs von Wire Card, bei der Sie über die ebs Holding beteiligt sind, ist zuletzt stark gestiegen. Der Aktie wird - beispielsweise von SES Research - auch weiteres Kurspotenzial zugetraut. Warum wollen Sie Ihre 3,3-Prozent-Beteiligung an ebs dennoch reduzieren, während die Positionen bei mybet.com und 10tacle aufgestockt werden sollen?

Unsere grundsätzliche Strategie ist das Anstreben von Mehrheitsbeteiligungen zum Zusammenführen in eine Holding-Struktur. Die ebs Holding mit einer Beteiligungsquote von zur Zeit 3,3 Prozent fällt aus dieser Betrachtung heraus - daher gehen unsere Planungen von einem allmählichen Abschmelzen dieser Beteiligung in einem steigenden Kursumfeld aus.

Und was ist kurz gesagt das Faszinierende an Ihren restlichen Beteiligungen neben ebs? Warum werden sich diese Beteiligungen auch für Patrio Plus auszahlen?

Am Beispiel der 10tacle dargestellt, kann man hervorragend nachvollziehen, wie Patrio Plus ein solches Unternehmen ausfindig macht und durch einen frühzeitigen Einstieg hohe Wertsteigerungen erzielt. Wenn man bedenkt, dass die 10tacle erst seit zwei Jahren im Spielemarkt agiert und bereits jetzt eine gigantische Fan-Gemeinde besitzt, liegt das neben den Spielen wie zum Beispiel GTR 1 und GT Legends auch an der Auswahl eines hervorragenden Managements und der Fokussierung auf die Kernkompetenz. Nach der gleichen Formel arbeitet Patrio Plus auch mit den übrigen Beteiligungsunternehmen zusammen. Wir sind davon überzeugt, dass diese Segmente auch weiterhin überproportionale Wachstumsraten aufweisen werden.

Und wann könnte beispielsweise 10tacle selbst ein Börsenkandidat werden?

10tacle zeichnet sich durch ein hochinteressantes Geschäftsmodell aus. Durch vertragliche Vereinbarungen mit einem Spielefonds ist 10tacle in der Lage, durchgängige Planungssicherheit zu erlangen. Nach Abschluss der laufenden Fondsplatzierung zum Ende des Jahres werden wir zusammen mit unseren Mitgesellschaftern geeignete Beschlüsse zur Weiterentwicklung der Gesellschaft vornehmen. Die Palette der daraus resultierenden Optionen beinhaltet einen möglichen Verkauf (Trade Sale) oder auch einen möglichen Börsengang. Aus der 10tacle-Produktions-"Schmiede" sind immer wieder Top-Produkte auf den Markt gebracht worden - eine weiteres "Weltspiel" befindet sich in der Pipeline und hat bereits erstklassige Vorkritiken erhalten.

Sie halten Anteile am Wettanbieter mybet.com. Was macht Sie so optimistisch, dass sich der derzeit relativ kleine Player im Markt gegen die übermächtigen Konkurrenten durchsetzen kann?

Wir haben unsere Beteiligung an Mybet.com zwischenzeitlich auf 37,5 Prozent erhöht und werden zeitnah mehr als 50 Prozent halten. Mybet.com hat sich in der jüngsten Zeit im Bereich Technik, Struktur und ihrer gesamten Geschäftsstrategie positioniert. Die nächsten Schritte werden in Richtung Wachstum und Marktanteile gehen - nicht zuletzt durch mögliche Einbindung eines großen Medienpartners.

Die CDU plant bei einem Regierungswechsel die Wiedereinführung der Besteuerung von Beteiligungsverkäufen. Welche Konsequenzen hätte das für Patrio Plus?

Entsprechend der Regierungsübernahme und daraus resultierenden Konsequenzen der Steuergesetzgebung werden wir sämtliche Optionen zum Wohle der Patrio Plus und ihrer Aktionäre abwägen und umsetzen.

Was können Anleger nach dem Börsengang von Patrio Plus erwarten?

Wir bauen stetig unser Holding-Portfolio mit interessanten, aussichtsreichen und wachstumsorientierten Unternehmen aus. Dies erfolgt überwiegend auf dem Level Start-Up/Seed mit der entsprechend niedrigen Bewertung und größtmöglichem Wertsteigerungspotenzial. So sind wir derzeit mit mehreren Kandidaten in konkreten Verhandlungen und hoffen, Ihnen zeitnah Details präsentieren zu können.

Und wie soll sich Ihre Finanzsituation entwickeln?

Neben den genannten Kapitalmaßnahmen gehen unsere Planungen von einer Entwicklung des EBIT mit einer Steigerung von jährlich circa 30 bis 40 Prozent aus. Entsprechend erhoffen wir uns die Kursentwicklung der Patrio-Plus-Aktie.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Nancy Lanzendörfer.

 

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