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Partygaming - nichts für schwache Nerven

Der Börsengang des Online-Glücksspielanbieters Partygaming war ein voller Erfolg. Doch die Gesellschaft birgt enorme Risiken in sich. Ein aktueller Kommentar von Olaf Hordenbach.

Der Börsengang des Online-Glücksspielanbieters Partygaming war ein voller Erfolg. Doch die Gesellschaft birgt enorme Risiken in sich. Ein aktueller Kommentar von Olaf Hordenbach.

Von Olaf Hordenbach

Beim größten Londoner Börsengang seit fünf Jahren legte der Online-Glücksspielanbieter Partygaming vor wenigen Wochen einen Blitzstart hin: Der erste Kurs wurde bei 125,5 Pence festgehalten, was deutlich über dem Ausgabepreis von 116 Pence lag. Damit bewertete man das Unternehmen auf dem Parkett mit rund acht Milliarden Euro, mehr als das Traditionsunternehmen British Airways an Marktkapitalisierung aufzubieten hatte. Zudem wurde Partygaming in den britischen Leitindex FTSE aufgenommen. Sind die Aktien von Partygaming damit eine tolle Anlagechance für Aktionäre? Nicht ganz, denn trotz der hervorragenden Aussichten für die Branche der Glücksspielanbieter im Internet - der Markt für Online-Glücksspiele soll von derzeit acht Milliarden Euro jährlich auf bis zu 23 Milliarden Euro im Jahr 2009 anwachsen - hinterlässt Partygaming einen schalen Beigeschmack.

Da ist zum einen der Umstand, dass die Gesellschaft zur Umgehung von nationalen Regulierungen ihr Wettgeschäft offiziell aus dem Offshore-Zentrum Gibraltar anbietet. Zum anderen muss man als Anleger einfach wissen, dass Partygaming rund 90 Prozent des Jahresumsatzes mit Pokerspielen erzielt, und diese werden zum größten Teil in den USA umgesetzt. Genau dort gibt es aber starke Bestrebungen, das Wettgeschäft im Internet zu verbieten. Eine Reihe von Initiativen im amerikanischen Kongress zielen genau darauf ab. Dabei wird versucht, den Kreditkartengesellschaften das Abwickeln von Kartenzahlungen an Anbieter von Wettspielen im Internet zu untersagen oder zumindest stark einzuschränken.

Die Angst vor einem völligen Zusammenbruch der Geschäftstätigkeit von Partygaming - nichts anderes würde ein Verbot in den USA bedeuten - geht sogar soweit, dass die Emissionsbegleiter im Börsenprospekt ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Vorstände des Unternehmens Gefahr laufen festgenommen zu werden, sollten sie amerikanischen Boden betreten. Wir haben an dieser Stelle nicht über die Moral und Rechtsvorstellungen der Amerikaner zu entscheiden. Tatsache ist, dass die Existenz von Partygaming auf extrem wackligen Beinen steht. Tatsache ist auch, dass Partygaming Offshore-Zentren benutzt, die weltweit geächtet werden sollen. Ob es soweit kommt, bleibt ungewiss. Aber sicher ist, dass eine solche Aktie mit einem hohen Risiko behaftet ist und sich allenfalls für eine spekulative Depotbeimischung eignet.

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