Suess Microtec
- Michael Schröder - Redakteur

Ohne SÜSS nix los bei Apple, Infineon, Samsung und Co

Bei SÜSS Microtec tut sich was. Mit Apple, Infineon, Samsung und Co im Gepäck dürfte sich die Marge nachhaltig verbessern. Der jüngste Rücksetzer bietet eine gute Einstiegsgelegenheit.

Die Kundenliste von SÜSS Microtec liest sich wie das Who’s who der Hightec-Industrie. Von Infineon über IBM bis zu Texas Instruments setzen die Global Player auf die Produkte des Spezialmaschinenbauers aus Garching bei München. Aber auch die großen Smartphone-Hersteller wie Apple, Samsung, Sony und Co stehen auf der Referenzliste des TecDAX-Konzerns. Kein Wunder: Die Lösungen der Bayern werden innerhalb eines breiten Spek­trums von Herstellungsprozessen für Alltags- oder Industrieanwendungen eingesetzt – von der Herstellung von Speicherchips, Kameras für Mobiltelefone oder Reifendrucksensoren bis hin zu Anwendungen im Medizintechnikbereich. Dabei profitiert die Gesellschaft vor allem von der kontinuierlichen Verkleinerung der Chips und der Bauteile bei gleichzeitiger Zunahme an Funktionalität und der Steigerung der Leistungsfähigkeit.

SÜSS Microtec gilt als ein Meister dieser Mikrotechnologie. Dabei kann die Gesellschaft die Maschinen für alle wesentlichen Arbeitsschritte aus einer Hand anbieten, von der Belackung, Aushärtung und Entwicklung über die Justierung bis hin zum Bonden, also dem Verbinden der einzelnen Grundplatten für elektronische Bauelemente (Wafer), oder der Chip-Integration.

Branchenkenner gehen davon aus, dass es nach den zuletzt gedämpften Nachfrageprognosen für Smartphones und andere Elektronikgeräte wieder zu einer Belebung kommt. „Dieser Erwartung schließen wir uns an, sodass wir auch eine Belebung des Auftragseingangs im zweiten Halbjahr 2016 erwarten“, so SÜSS-Finanzvorstand Michael Knopp. „Wir stellen aber auch fest, dass die Kundenaktivitäten zwar zunehmen, die Belebung aber noch nicht wirklich sichtbar ist.“ Dies müsse nicht negativ sein, da Kunden sich immer kurzfristiger entscheiden, legt der Finanzchef nach. „Außerdem ist nicht nur die Zahl der Geräte, die von den Kunden produziert werden, für uns entscheidend. Vielmehr geht es zum einen um die Anzahl der verbauten Komponenten und der zunehmenden Komplexität dieser in der Herstellung, die eine immer höhere Zahl an Prozessschritten erfordert“, so Knopp. Beide Faktoren dürften die Bedeutung der absoluten Zahl der verkauften Geräte bei Weitem überwiegen.

Die Auftragseingänge im zweiten Halbjahr sind für 2016 zwar nur noch von untergeordneter Bedeutung – aber sehr wichtig für den Umsatz im kommenden Jahr. Mit der aktuellen Auftragsentwicklung sieht sich der Vorstand auf einem guten Weg, die Progno­sen für das Gesamtjahr zu erreichen. „Sehr gute Zahlen in den letzten Quartalen, sowohl vom Auftragseingang als auch vom Umsatz und Ertrag, haben wir im Segment Lithography erreichen können“, so Knopp. Hier wird der Lack auf den Wafern mit einer UV-Quelle belichtet beziehungsweise die Struktur der Schaltkreise übertragen. „Am stärksten entwickelt sich zurzeit das klassische Lithografie-Geschäft, unterstützt durch erste wichtige Projekte mit Projektionsscannern, die voraussichtlich bei der Produktion der nächsten Generation von Apples Prozessor zum Einsatz kommen“, stimmt Malte Schaumann von Warburg Research zu.

„Nach dem Rekordniveau des Auftragseingangs im Q4 2015 war aber zu erwarten, dass sich in Q1 sequenziell ein deutlicher Rückgang ergibt“, so der Analyst weiter. „Durch den sehr hohen Auftragsbestand von rund 119 Millionen Euro zum ersten Quartal ist die Prognose für das Gesamtjahr aber bereits heute gut abgesichert und SÜSS dürfte keine Schwierigkeiten haben, die erwartete spürbare Umsatz- und Ergebnisverbesserung zu erreichen.“

Ohne mögliche Verschiebungseffekte sieht DER AKTIONÄR Umsatz und Gewinn am oberen Ende der Prognose, die Erlöse von 170 bis 180 Millionen Euro und ein EBIT zwischen neun und 13 Millionen Euro vorsieht.

Dabei gibt es noch immer zwei Bereiche, die mit negativen Ergebnissen die Margen belasten. Eine Baustelle ist das Segment Bonder. „Hier machen wir Fortschritte, die sich auch in diesem Jahr zeigen werden. Die Umsätze sind aber noch zu gering, um einen positiven Ergebnisbeitrag zu erwirtschaften“, so Knopp. SÜSS führt hier unter anderem neue Produkte in den Markt ein, mit denen Marktanteile zurückgewonnen und die Umsätze erhöht werden dürften. Eine weitere Herausforderung stellen nach wie vor die beiden in den USA angesiedelten Produktlinien dar, die UV-Projektionsscanner und die Laserprozessierungssysteme. Auch hier konnte noch nicht der für den Break-even benötigte Umsatz erreicht werden. „Im zweiten Halbjahr 2015 haben wir den ersten bedeutenden Auftrag für unsere UV-Projektionsscanner verbuchen können. Damit ist uns ein wichtiger Schritt in Richtung Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in einem sehr wettbewerbsintensiven Markt gelungen“, sieht der SÜSS-Vorstand Licht am Ende des Tunnels. „Um diese Produkte langfristig erfolgreich zu etablieren, brauchen wir aber weitere Aufträge.“ Analyst Schaumann ist aber überzeugt: „Bis 2018 sollten beide Bereiche mindestens den Break-even erreichen.“

SÜSS ist aufgrund seines Produktportfolios und der Tatsache, dass die Gesellschaft in den wichtigen Märkten, gerade auch in Asien, sehr gut etabliert ist, stark aufgestellt. Nach der stagnierenden operativen Entwicklung in den letzten drei Jahren steht der TecDAX-Konzern vor der Rückkehr auf den Wachstumspfad. „Dies wird zum einen durch eine Erneuerung des Produktportfolios und den damit verbundenen Gewinn von Marktanteilen, zum anderen aber auch durch die Erschließung neuer Erlösquellen getragen“, erklärt der Warburg-Experte Schaumann. „Damit sollte das Unternehmen in den kommenden Jahren zu zweistelligen EBIT-Margen zurückkehren können.“

Im April kratzte die Aktie von SÜSS Microtec noch an der 10-Euro-Marke. Im Anschluss ging es für den Titel – ohne fundamentale Gründe – 35 Prozent nach unten. Im Peergroup-Vergleich ist der Titel damit ein echtes Schnäppchen. Nach einer Stabilisierung dürfte der Wert nun wieder Kurs auf zweistellige Notierungen nehmen. Mit Top-Kunden im Rücken sollten sich die Orderbücher im zweiten Halbjahr wieder kräftig füllen – und die Gewinne nachhaltig anziehen.

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| Werner Sperber | 0 Kommentare

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