DAX
- Thomas Bergmann - Redakteur

#thisisacoup - DAX bald wieder unter 11.000?

Die Hängepartie im griechischen Schuldenstreit geht weiter. Nach 18 Stunden Verhandlungen sind die internationalen Geldgeber und die Griechen noch zu keinem Ergebnis gelangt. Neben Alexis Tsipras rückt immer mehr der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble in den Mittelpunkt der Kritik. Er solle einen Grexit forcieren. Es gibt aber die Hoffnung, dass bald der Durchbruch gelingt. Indes erholen sich die chinesischen Börsen weiter und geben dem deutschen Aktienmarkt etwas Rückenwind.

Kritik an harter Haltung

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman kritisiert am Montag in einem Kommentar in der New York Times die harte Haltung der EU gegenüber Griechenland in der Schuldenkrise. Die Liste der Forderungen der Eurogruppe nennt er "verrückt". "Das europäische Projekt - ein Projekt, das ich immer gelobt und unterstützt habe - hat gerade einen furchtbaren, vielleicht sogar tödlichen Schlag erlitten. Und was immer man von Syriza oder Griechenland hält - die Griechen haben es nicht verbockt."

Laut Krugman liegt der Hashtag #thisisacoup, der am Montagfrüh im Internetkurznachrichtendienst Twitter hunderttausendfach verbreitet wurde, genau richtig: Das Vorgehen der Eurogruppe gehe über Strenge hinaus "in schiere Rachsucht, in kompletter Zerstörung nationaler Souveränität, ohne Hoffnung auf Abhilfe". "Es ist vermutlich als Angebot gedacht, das Griechenland nicht  annehmen kann - nichtsdestotrotz ist es ein grotesker Verrat an allem, wofür das europäische Projekt eigentlich stehen sollte".

Nur noch eine Frage offen?

Medienberichten zufolge könnte es aber bald eine Lösung im Schuldenstreit geben. Angeblich ist nur noch die Frage eines griechischen Privatisierungsfonds offen. "Ich hoffe, dass wir bald eine Vereinbarung finden", sagte der slowenische Regierungschef Miro Cerar am Montagmorgen in Brüssel.

Der griechische Premier Alexis Tsipras hatte sich beim Krisengipfel in Brüssel hartnäckig gegen die Kernforderung der Europartner gewehrt, einen Privatisierungsfonds mit einem geplanten Umfang von bis zu 50 Milliarden Euro einzurichten. Auch die finanzielle Einbeziehung des Internationalen Währungsfonds beim neuen Hilfspaket der Europäer war von Athen kritisiert worden.

Aufatmen in China

An den chinesischen Festland-Börsen ging es am Montag den dritten Tag in Folge aufwärts. Der CSI 300 mit den 300 größten Werten vom Festland kletterte bis kurz vor Handelsschluss um mehr als zwei Prozent nach oben. Die staatlichen Eingriffe in den Markt nach einem massiven Abschwung machen sich damit bemerkbar. Zudem stiegen im Juni die Exporte wieder leicht, nachdem die ersten Monate des Jahres trübe ausgefallen waren.

Zwischen Hoffen und Bangen

Der DAX dürfte am Montag sich erneut an der Nachrichten aus Brüssel und Athen orientieren. Sollte es zu einer Einigung geben, sollte der Index höchstwahrscheinlich den seit April gültigen Abwärtstrend durchbrechen können. Andernfalls - wenn sich die Verhandlungen weiter hinziehen - sind Gewinnmitnahmen und neue Rücksetzer wahrscheinlicher.


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