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Nippon unter Dampf

Schon oft unternahmen die Kurse in Japan Anlauf, um den langjährigen Bärenmarkt zu beenden - bisher vergeblich. Doch dieses Mal dürfte es anders sein. DER AKTIONÄR stellt Ihnen vier attraktive Aktien für die Nippon-Rallye vor.

Schon oft unternahmen die Kurse in Japan Anlauf, um den langjährigen Bärenmarkt zu beenden - bisher vergeblich. Doch dieses Mal dürfte es anders sein. DER AKTIONÄR stellt Ihnen vier attraktive Aktien für die Nippon-Rallye vor.

Es bewegt sich etwas in Japan, so viel ist sicher. Einige Anleger mögen das zwar eventuell noch immer nicht glauben, denn die Vorurteile gegenüber Japan sitzen nach Jahren der konjunkturellen Lethargie und der Deflation tief. Als Folge davon gilt das Land als träge und in seinen starren Traditionen verfangen. Doch auf Unternehmensebene gilt dies schon lange nicht mehr. Die von der Krise im Inland geplagten Gesellschaften haben ihre Hausaufgaben gemacht und präsentieren sich fit für den globalen Wettbewerb.

Ein Land im Wandel

Nachhaltig aufgeräumt wurde aber auch im Bankensektor, der lange Zeit wegen der horrenden Summe an Not leidenden Krediten eines der größten Sorgenkinder war. Alle Probleme sind zwar noch nicht gelöst, aber die wieder gewonnene Stärke zeigt sich auch an der Rangliste der größten Banken: Nach dem nun besiegelten Zusammenschluss der Finanzgruppen von Mitsubishi und UFJ kommt das weltgrößte Kreditinstitut (die MUFJ hat eine Bilanzsumme von 1,4 Billionen Euro) wieder aus Japan.

Die Veränderungen sind aber erfreulicherweise nicht auf die Wirtschaft beschränkt. Auch in der Politik tut sich für japanische Verhältnisse einiges. Die Wiederwahl von Ministerpräsident Junichiro Koizumi kann getrost als Aufruf zu weiteren Reformen verstanden werden. Es gilt als so gut wie sicher, dass mit der Postreform, die lange Zeit zu scheitern drohte, sehr bald eine überaus wichtige Reform über die Bühne geht.

Ende der Deflation?

Die bisher umgesetzten Reformmaßnahmen im Zusammenspiel mit der brummenden Weltkonjunktur haben die über Jahre so träge Wirtschaft in Gang gebracht. An dieser Einschätzung ändert auch der neueste Tankan-Bericht nichts: Das Vertrauen der Unternehmer in die japanische Wirtschaft ist zwar weniger stark gestiegen als erwartet. Im Gesamtjahr darf aber dennoch von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von deutlich mehr als zwei Prozent ausgegangen werden.

Vor dem Hintergrund einer sinkenden Arbeitslosenquote, steigenden Konsumausgaben, rekordhohen Gewinnen der Unternehmen und erstmals seit Jahrzehnten anziehenden Immobilienpreisen in Tokio traut die Bank of Japan der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft sogar ein baldiges Überwinden der Deflation zu.

Vertreter der Notenbank haben die Märkte vor diesem Hintergrund bereits verbal auf ein mittelfristiges Ende der äußerst expansiv wirkenden Nullzinspolitik vorbereitet. Mit einem Stand von 1,50 Prozent sind die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen daraufhin auf den höchsten Stand seit März geklettert. Das - zusammen mit der jüngsten Stärke des japanischen Aktienmarktes - interpretieren die Analysten bei Mitsubishi UFJ Securities als Zeichen dafür, dass es sich tatsächlich erstmals seit der Anfang 1990 geplatzten Blase wieder um einen kompletten Aufwärtszyklus handelt.

Top-Chart

Die Charttechnik unterstützt diese Haltung. Der bekannteste japanische Aktienindex, der Nikkei 225 Index, ist drauf und dran, den aus dem Jahr 1990 stammenden langfristigen Abwärtstrend zu überwinden. Er würde damit das nachvollziehen, was dem marktbreiteren Topix-Index schon gelungen ist. Die zuletzt registrierten Börsenumsätze in Rekordhöhe sprechen dabei für ein Gelingen des Ausbruchsversuchs. Insgesamt spricht somit einiges für weiter steigende Kurse am japanischen Aktienmarkt - unter anderem die wichtige Tatsache, dass japanische Aktien historisch gesehen günstig bewertet sind. Partizipieren lässt sich daran entweder durch einen Fonds oder ein Indexzertifikat.

Unter den Fonds bietet sich der Vitruvius Japanese Equity Fund (LU0117772284) an, der mit einem Plus von rund 100 Prozent in den vergangenen drei Jahren der beste Vertreter seines Fachs war. Wer Einzelwerte bevorzugt, der kann sein Glück wegen der guten Auftragslage mit ausgewählten Exportwerten versuchen. Zu den aussichtsreichen Werten zählen hier der Hersteller von Landmaschinen Komatsu oder der Maschinenbauer Fanuc. Eine Spekulation wert scheint neben der Warenhauskette Takashimaya, die unlängst ihre Gewinnprognosen für das Halbjahr um 30 Prozent auf 7,85 Mrd. Yen nach oben schraubte, auch die neue Megabank Mitsubishi UFJ Financial Group Inc (MUFG) zu sein.

Zumindest gilt das dann, wenn sie ihre Ziele erreicht. Die ehrgeizige Vorgabe bis 2008 lautet, den Marktwert deutlich zu steigern. Gelingt die Umsetzung dieser Vorhaben, dürfte dies von den Börsianern schon sehr bald honoriert werden.

Nippon gibt Gas

Egal, ob mit einem Fonds, einem Zertifikat oder mit dem Kauf von Einzelaktien - am japanischen Aktienmarkt kommen Anleger derzeit nicht vorbei. Sowohl die politische Situation als auch die Entwicklung auf Unternehmensseite überzeugen voll und ganz. Auch die Charttechnik (siehe oben) spricht dafür, dass die Rallye in Tokio noch lange nicht zu Ende ist.

 

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