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- DER AKTIONÄR

Neun Milliarden Dollar verpufft

Anleger verkauften im großen Stil Yahoo-Aktien. Grund: Der Internetportal-Betreiber hat die Wall Street mit seinen Zahlen für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres schwer enttäuscht. Die Verzögerung des Starts einer neuen Werbeplattform und der Umsatzausblick lösten einen Kursrutsch aus.

Anleger verkauften im großen Stil Yahoo-Aktien. Grund: Der Internetportal-Betreiber hat die Wall Street mit seinen Zahlen für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres schwer enttäuscht. Die Verzögerung des Starts einer neuen Werbeplattform und der Umsatzausblick lösten einen Kursrutsch aus.

Die Aktie von Yahoo verlor gestern in New York 7,04 Dollar - oder rund 22 Prozent - und ging mit 25,20 Dollar aus dem Handel. Damit hat Yahoo binnen eines Tages über 8,5 Milliarden Dollar an Wert verloren. Die Geschäfte liefen im zweiten Quartal bei weitem nicht wie erwartet.

Schwierigkeiten

Das Unternehmen hat nach Aussagen der Finanzchefin Susan Decker Schwierigkeiten bei der Umsetzung seines Projektes „Panama.“ Die Auslieferung des Systems wird sich um mindestens drei Monate verzögern. Konzernchef Terry Semel warnte sogar, dass einzelne Teile der neuen Technologie erst Anfang 2007 eingeführt werden könnten. Deshalb werde sich die Werbeplattform auch erst im Frühjahr beim Gewinn bemerkbar machen. Yahoo will mit einer neu gestalteten Version seiner Werbeplattform "Overture" Marktanteile zurückgewinnen. Mit Panama sollen Werbetreibende schneller als bisher ihre Anzeigen online bringen können. Außerdem sollen automatische Anzeigentest den Kunden in die Lage versetzen, unter verschiedenen Anzeigenversionen die wirkungsvollste zu bestimmen. Die Hauptkonkurrenten Google mit „AdWords“ und Microsoft mit „AdCenter“ verfügen bereits über entsprechende Systeme. Da kann es sich Yahoo nach Ansicht von Branchenkenner gar nicht erlauben ein unausgereiftes System auf den Markt zu bringen und so potenzielle Kunden zu vergraulen. Google macht Yahoo jetzt schon schwer zu schaffen. In den USA stieg der Anteil von Google am Suchmaschinenmarkt im Juni auf 44,7 gegenüber 36,9 Prozent im Vorjahresvergleich. Yahoo verlor hingegen 1,9 auf 28,5 Prozent.

Gewinneinbruch

Auch die Bilanz von Yahoo sieht nicht gerade rosig aus. Im zweiten Quartal brach der Gewinn um 78 Prozent ein. Im Vorjahresquartal hatte Yahoo noch einen großen Sondergewinn in Höhe von 552 Millionen Dollar aus dem Verkauf einer Google-Beteiligung verbuchen können. Jetzt verdiente der Konzern nur noch 164,3 Millionen Dollar oder 11 Cent je Aktie gegenüber 754,7 Millionen Dollar oder 51 Cent je Aktie im Vorjahresvergleich. Erschwerend kam hinzu, dass Yahoo jetzt auch die Kosten für Zahlungen auf Aktienoptionen an die Mitarbeiter tragen musste. In 2005 war dieser Posten noch nicht auf der Rechnung. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal zwar um 26 Prozent auf 1,12 Milliarden Dollar. Analysten waren aber im Vorfeld von mindestens 1,13 Milliarden ausgegangen. Für das Gesamtjahr plant Yahoo mit Umsätzen von 4,6 bis 4,8 Milliarden Dollar.

Ausblick

Die Analysten von Goldman Sachs zeigten sich enttäuscht, dass das als Panama-Projekt bezeichnete neue Werbesystem nun verspätet ausgeliefert wird. Der Umsatz im zweiten Quartal sei zudem schwächer als erwartet. Auch die Äußerung von Yahoo-Konzernchef Semel, dass der Umsatz 2006 nicht so deutlich steigen könnte wie erwartet, wurde mit Enttäuschung aufgenommen. Abzuwarten bleibe zudem, ob die Partnerschaft mit Ebay bei Bezahlsystemen und der Internet-Telefonwerbung den erhofften Erfolg bringt. Zusätzlich sieht sich die Firma durch ihre Aktivitäten in China der Kritik von Menschenrechtlern und Politikern ausgesetzt. Faktoren, die gegen eine baldige Erholung des Titels sprechen. Obwohl Analysten den Kurssturz der Yahoo-Aktie für übertrieben halten, sollten konservative Anleger derzeit Kaufzurückhaltung üben.

Dirk Peter

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