Centrotherm Photovoltaics
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Nach Sunways: Werden Q-Cells, Conergy oder Centrotherm gekauft?

Kaufen chinesische Solarplayer deutsches Solar-Know-how? Investoren spekulieren darauf, dass die Übernahme von Sunways erst der Anfang war. Doch der Vergleich hinkt.

Rettung in letzter Minute: Kurz bevor Sunways das Cash auszugehen drohte, hat der chinesische Waferhersteller LDK zugeschlagen. Teils über eine Sachkapitalerhöhung wird ein Drittel der Anteile erworben. Seit diesem Deal wird eifrig über weitere Übernahme spekuliert. Heute schreibt etwa das Handelsblatt: "Bis auf den Branchenprimus Suntech können die Unternehmen technologisch nicht mit westlichen Anbietern mithalten. Experten erwarten daher, dass die Chinesen nach weiteren Übernahmezielen in Deutschland Ausschau halten. Als mögliche Kaufkandidaten werden Conergy und Q-Cells genannt."

Doch der Vergleich hinkt. Die Übernahme von Sunways durch LKD ist eine Ausnahme (siehe neues DAF-Interview): LDK und Sunways waren bereits im Vorfeld eng verbunden: So ist der Zellspezialist Sunways Wafer-Kunde von LDK und produziert gemeinsam mit dem Chinesen Module. Zudem bekommt LDK die Sunways-Aktien quasi geschenkt, da im Gegenzug ein Wafer-Langfristvertrag mit Sunways in Höhe von 15 Millionen Euro aufgelöst wird.

Ein weiterer Punkt unterscheidet den Fall Sunways deutlich von Q-Cells und Conergy: Das Know-how. Sunways erzielt rund ein Drittel seines Geschäfts mit Wechselrichtern. Während dieser Bereich für asiatische Firmen interessant ist, sind Trina, Yingli und Suntech im Bereich Zell- und Modulfertigung technologisch längst mit Q-Cells oder Conergy gleichgezogen. Schließlich werden die chinesischen Großfabriken mit effizienten Solar-Maschinen von deutschen Herstellern wie Centrotherm ausgestattet.

Q-Cells und Conergy haben keine ähnlich engen chinesischen Partnerschaften, wenig attraktives Know-how und zudem keine überzeugende Vertriebsmacht. Diese wäre ein weiteres Argument für einen Einstieg eines internationalen Players. Doch Suntech, Sunpower, Trina oder Canadian Solar setzen etwa durch Bundesliga-Werbedeals längst selbst auf einen höheren Bekanntheitsgrad. Eher erscheint Solarworld aufgrund des in Deutschland stärksten Solar-Markennamens und der Nähe zu Solar-Handwerkern ein denkbares Übernahmeziel für Trina und Co. Doch Vorstandschef Frank Asbeck hält rund 27 Prozent der Stimmrechte und dürfte an einer Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen kaum Interesse haben.

Know-how zählt

DER AKTIONÄR hält die jetzigen Übernahme-Spekulationen für übertrieben. Sunways war eine Ausnahme. Denn gerade im Zell- und Modulbereich ist eigenes operatives Wachstum und der Kauf neuer, effizienter Maschinen sinnvoller als der Zukauf einer schuldenbelasteten deutschen Solarfirma. Zumal der Absatzmarkt in Indien, China oder den USA in den nächsten Jahren deutlich schneller wachsen dürfte als hierzulande.

Am ehesten ist noch die Einverleibung von Maschinen-Know-how denkbar: Nach der Übernahme von Roth & Rau durch die Schweizer MeyerBurger AG rücken nun Manz Automation und besonders Centrotherm in den Mittelpunkt. Letztere hat nun die wichtige 10-Euro-Marke zurückerobert, den kurzfristigen Abwärtstrend und die 38-Tage-Linie überwunden und ist für Zocker, die einen engen Stoppkurs setzen, einen Trade wert.

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