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Unicorn N26 lässt Deutsche Bank, Commerzbank & Co sprichwörtlich alt aussehen

Gestern machte eine Meldung die Runde, die nicht direkt etwas mit der Börse zu tun hat, dann aber wiederum doch: N26 hat eine Finanzierungsrunde über 260 Millionen Euro abgeschlossen. Damit steigt die Smartphone-Bank (also eine Bank, die ihre Dienste vorwiegend über Handy-Apps anbietet) zum ersten deutschen Fintech-Unicorn auf. Noch so ein Begriff, der erklärungswürdig ist. Unicorn, das bedeutet Einhorn. Und ein Einhorn-Unternehmen ist ein solches, das mehr als eine Milliarde wert ist und sich noch in der Startup-Phase befindet.   

N26 zählt eigenen Angaben zufolge 2,3 Millionen Kunden. Wer bei der jetzigen Runde ein paar Millionen auf den Tisch gelegt hat (u.a. ein Staatsfonds aus Singapur), sieht den Wert des Gesamtunternehmens bei 2,3 Milliarden Euro. Das ist mehr als die börsennotierte Aareal Bank (1,7 Mrd. Euro Marktkapitalisierung), mehr als die Fintech Group/Flatex (340 Mio. Euro) und beinahe so viel wie die Comdirect Bank (2,5 Mrd. Euro). Die Deutsche Bank, die etwa acht- bis neunmal so viele Kunden zählt, ist nur siebenmal so viel wert. Und die Commerzbank, die immerhin sechseinhalb mal so viele Kunden hat, wird nur etwa dreimal so hoch bewertet. 

Weitaus krasser wird die Höhe der Bewertung, wenn man die Mitarbeiterzahlen der einzelnen Firmen betrachtet. Bei der Deutschen Bank und der Commerzbank ist jeder Mitarbeiter rechnerisch etwa 160.000 Euro „wert“. Bei der Comdirect ist es bereits über eine Million. Und bei N26? Hier steht jeder einzelne Mitarbeiter für 4,6 Millionen Euro Unternehmenswert (Deutsche Bank/Commerzbank mal 28,75 also). 

Jetzt kann man fragen: Sind die einen überbewertet (N26) – oder alle anderen schlicht unterbewertet? Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen. N26 verzichtet auf Filialen und braucht allein deswegen schon weniger Mitarbeiter. Aber: Die Smartphone-Bank N26 erwirtschaftet anders als etwa Comdirect oder Fintech Group noch keinen müden Penny Gewinn. Insofern ist es nur gut, dass hier bisher nur Profis (Staatsfonds, VC-Firmen) ihr Kapital investieren, bzw. wetten. Denn nichts anderes als eine Wette auf die Zukunft ist ein Investment in ein Unternehmen wie N26. Nicht nur, dass es bisher offenbar an einem soliden Ertragsmodell mangelt (2016 betrug der Verlust 14,74 Millionen Euro nach minus 4,69 Millionen in 2015; aktuellere Zahlen gibt es nicht), es wird vermutlich noch lange dauern, bis sich die Investments auszahlen. 2,3 Milliarden Euro wert zu sein ist nämlich auch eine Bürde. Das Vertrauen, für das dieses Geld steht, muss N26 erst noch bestätigen. 

Die Platzhirsche, allen voran die Sparkassen und die genossenschaftlichen Banken in Deutschland, aber auch die großen privaten Institute wie die Deutsche Bank/Postbank sowie Commerzbank, sollten und müssen sich schleunigst etwas einfallen lassen, wollen sie dem Newcomer N26 (und seinen Mitstreitern, ob Revolut oder andere) nicht das Feld überlassen. Gerade junge Kunden verzichten gerne auf die klassischen Filialangebote und nutzen Online-only-Angebote. Und gerade da haben die etablierten Institute wenig innovatives zu bieten.

Dieser Beitrag ist dem heutigen Börsen.Briefing. entnommen – dem neuen täglichen Newsletter des Anlegermagazins DER AKTIONÄR. Registrieren Sie sich jetzt kostenfrei für das Börsen.Briefing. und starten Sie täglich bestens informiert in den Handelstag.


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