msg life
- Markus Horntrich - Chefredakteur

msg life: 50 Prozent plux X

Hallo Herr Kaiser, gut dass ich Sie treffe“ – dieser Satz aus einem bekannten Werbespot eines Versicherers ist in Zeiten der Digitalisierung, wo Kunden per App oder Internet angesprochen werden, nicht mehr zeitgemäß. Nachdem im Bankensektor längst die Digitalisierungswelle läuft und die Branche durch Fintech-Firmen aufgemischt wird, trifft es nun auch die Versicherer. Der digitale Wandel betrifft sämtliche Bereiche der Versicherer: Service, Produkte, Vertrieb, Verwaltung und Prozesse. Hinzu kommt die strikte Regulierung, die wie die Digitalisierung hohe Ansprüche an die IT-Systeme stellt.

Für IT-Firmen wird es in den nächsten Jahren bei der Assekuranz einiges zu verdienen geben und die Versicherer selbst können mittelfristig einiges an Kosten sparen, was gerade im Umfeld niedrigster Zinsen entscheidend ist. Laut Marktanalysten arbeiten rund 70 Prozent aller Anbieter mit ITSystemen aus den 70er- und 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Deren Wartung verschlingt Ressourcen, die antiquierten Systeme behindern neue, digitale Geschäftsmodelle, etwa wenn es darum geht, die Police mit Wearables zu koppeln, die Gesundheitsdaten an den Versicherer übermitteln und so neue Tarife ermöglichen. Etablierte IT-Riesen wie IBM werden von der Digitalisierung am meisten profitieren. Aktien kleinerer Firmen bieten allerdings den größeren Hebel – die in Leinfelden-Echterdingen ansässige msg life AG zählt hierzulande zu den potenziellen Top-Profiteuren.

Es kommt nicht von ungefähr, dass msg life beim IT-Riesen IBM offiziell als Lösungspartner genannt wird, wenn es um das Thema „Digitalisierung der Versicherungswirtschaft“ geht. Das Unternehmen ist aus dem Zusammenschluss der beiden Firmen COR und FJA hervorgegangen und ist Deutschlands führender Anbieter für Software, Beratung und Cloud-Lösungen für Lebensversicherer und Altersvorsorgeeinrichtungen.

Das Geschäftsjahr 2015 ist ein kleiner Vorgeschmack auf vielversprechende Jahre beim Software- und ITExperten. Gemäß vorläufigen Zahlen erwirtschaftete msg 108 Millionen Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis (EBITDA) von rund 8,4 Millionen Euro. Damit fielen die Zahlen etwas besser als erwartet aus. Nach mehreren Jahren mit negativen Nettoergebnissen vollzog msg 2015 wirtschaftlich den Turnaround. Bemerkenswert an der Entwicklung im Jahr 2015 ist, dass msg einen Großteil des Erfolgs Bestandskunden zu verdanken hat. 2015 war ein Jahr, in dem es keine signifikanten Neuaufträge gab, wie msg-Vorstand Bernhard Achter im Gespräch mit dem aktionär erläuterte. Vielversprechender Ausblick Gleichzeitig blickt er zuversichtlich auf das laufende Jahr. „Wir sind mit unserer Vertriebspipeline sehr zufrieden“, verrät Achter. der aktionär erwartet, dass gerade in den USA dank neuer Softwarelösungen und Obama-Care das Krankenversicherungsgeschäft floriert und msg in absehbarer Zeit weitere Aufträge an Land ziehen wird.

Vielversprechende Aussichten also, die sich auch positiv in den Planzahlen für das laufende Geschäftsjahr 2016 niederschlagen: Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatz zwischen 110 und 112 Millionen Euro und einem EBITDA zwischen 10,0 und 12,0 Millionen Euro. Man darf davon ausgehen, dass die Prognose des Managements eher konservativ ist, wie es sich für eine schwäbisch-bayerische Firma gehört.

Bei rund 20 Millionen Euro Cash weist msg keinerlei Finanzschulden auf, die Abschreibungen liegen bei gut 1,5 Millionen Euro. Unter diesen Voraussetzungen könnte msg ausgehend vom oberen Ende der EBITDA-Zielspanne im laufenden Jahr bis zu 0,20 Euro je Aktie verdienen. Steuerliches Optimierungspotenzial Auf steuerlicher Seite hat die Firma noch Optimierungspotenzial. msg sitzt noch auf 40 Millionen Euro an Verlustvorträgen. An der steuerlichen Optimierung arbeitet das Management. Ziel ist eine Steuerquote von 15 bis 20 Prozent. Dabei dürfte der Hebel vor allem in den USA angesetzt werden. So positiv das starke Geschäft in Übersee ist, so hoch ist dort auch die Steuerlast. Denn in den USA liegt die Steuerquote bei 41 Prozent.

Die handelsrechtlich relevanten Verlustvorträge hindern msg trotz positiver Cashflows und solider Gewinne noch daran, eine Dividende auszuschütten. Es wird nach Einschätzung des Managements zweieinhalb bis drei Jahren dauern, bis msg ausschüttungsfähig ist. Man sieht sich aber ohnehin eher als Technologiefirma und weniger als Dividendenplayer.

Dennoch, was wäre, wenn msg ausschüttungsfähig wäre? Wenn man davon ausginge, dass msg die Hälfte der Gewinne an die Aktionäre ausschüttet, wären je Aktie zehn Cent Dividende möglich. Das würde einer Dividendenrendite von 4,8 Prozent entsprechen. Selbst bei einer Ausschüttungsquote von nur 30 Prozent läge die Dividendenrendite noch bei knapp drei Prozent. Das ist wegen der Verlustvorträge natürlich noch Zukunftsmusik, aber immerhin eine wohlklingende.

Denn das Klimpern des Geldes aus möglichen Dividenden könnte beim Großaktionär der msg life Begehrlichkeiten wecken. Mit 49 Prozent ist die nicht-börsennotierte msg-Gruppe an msg life beteiligt. Das IT-Konglomerat stemmt mit 5.500 Mitarbeitern zwischen 650 und 700 Millionen Euro Umsatz. Immer wieder kursieren Spekulationen, dass msg life komplett vom Mutterkonzern geschluckt wird, da die Gruppe die Synergien im Bereich der IT-Beratung ohnehin rege nutzt. Konkrete Anhaltspunkte für eine Komplettübernahme gibt es aktuell zwar nicht, die Möglichkeit, dass es früher oder später passieren wird, verleiht der Aktie jedoch einen Schuss Zusatzfantasie.

msg life befindet sich in einer guten Ausgangslage, um von der Digitalisierung der Versicherungen zu profitieren. Die Story erinnert stark an GFT Technologies. GFT, ein IT-Beratungshaus mit Fokus auf Banken, profitierte massiv von der Digitalisierung der Bankenlandschaft. Als das Thema Fintech und Bankendigitalisierung 2012/13 in den Mainstream rückte, stand die GFT-Aktie bei knapp vier Euro. Drei Jahre und viele Aufträge bei Deutsche Bank und Co später notiert das Papier bei aktuell 21 Euro, also fünfmal so hoch.

Das heißt nun nicht, dass msg nun notwendigerweise ebenfalls eine Verfünffachung bevorsteht. Es zeigt aber, welche Dynamik eine Disruption, wie sie im Bankenbereich schon stattfindet und bei der Assekuranz gerade beginnt, bei potenziellen Profiteuren entfalten kann.

Die Bewertung von msg life ist eine Verlockung. Das KGV für das laufende Jahr beläuft sich auf rund 11-12. In den Folgejahren wird es auf 10 beziehungsweise 9 sinken. Alleine das würde einen Einstieg rechtfertigen. Wenn man die oben zitierte GFT Technologies als Vergleichsmaßstab hernimmt, sieht das Bild noch besser aus. Wie der nebenstehende Bewertungsüberblick zeigt, ist msg im Gegensatz zu GFT auf sämtlichen Bewertungsebenen deutlich günstiger. Bei den Kennzahlen für 2016 ist GFT beim Kurs-Buchwert- Verhältnis 2,5-mal höher bewertet, mit Blick auf das KGV noch doppelt so teuer. Kurzum: Die msg-Aktie ist noch weitgehend unentdeckt und bietet fundamental gesehen reichlich Kursfantasie.

Mit msg life legen sich Anleger ein schwäbisch-konservatives Papier ins Depot, das nur wegen des geringen Börsenwertes von gut 80 Millionen Euro ein Hot-Stock ist. Angesichts der Bewertung bietet die Aktie auf Jahressicht eine 50-Prozent-Chance. Weitere Aufträge sollten kurzfristig für Schwung sorgen.

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