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Morgendämmerung?

Die japanische Wirtschaft hat sich der Altlasten der geplatzten Immobilienblase größtenteils entledigt. Jetzt soll es in Nippon vor allem mit den Banken aufwärts gehen. In den vergangenen zwei Jahren hat der Nikkei um mehr als 50 Prozent zugelegt. Und er ist nicht der einzige Indikator für bessere Zeiten.

Die japanische Wirtschaft hat sich der Altlasten der geplatzten Immobilienblase größtenteils entledigt. Jetzt soll es in Nippon vor allem mit den Banken aufwärts gehen.

Von Sascha Grundmann

In den 90er-Jahren war Japan alles andere als ein "Land der aufgehenden Sonne": Der Börsencrash, die durch fallende Immobilienpreise ausgelöste Deflation und fehlende Investitionen beutelten die Ökonomie schwer. Am deutlichsten konnte man den Absturz am Nikkei ablesen. 1990 verlor er innerhalb eines Dreivierteljahres fast 50 Prozent. Und er fiel weiter. Erst nach mehr als 13 Jahren, nachdem er sich gegenüber dem Höchststand gefünftelt hatte, stoppte der japanische Index im Mai 2003 seine Talfahrt.

Starke Wachstumsraten

Jetzt ist Erholung angesagt. In den letzten zwei Jahren hat der Nikkei wieder um mehr als 50 Prozent zugelegt. Und er ist nicht der einzige Indikator für bessere Zeiten. So haben überdurchschnittliche Wachstumsraten wieder auf Japan aufmerksam gemacht: Eine sich abzeichnende Beschleunigung des Exportwachstums und die steigende Konsumfreude der Japaner in den vergangenen Monate unterstreichen den Eindruck, dass man die Rezession hinter sich lassen könnte. Auch die Arbeitslosenquote lässt auf Entspannung hoffen: Mit 4,5 Prozent war sie im Januar so niedrig wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Alles bereinigt

Selbst wenn Faktoren wie das Sinken des BIPs im zweiten und dritten Quartal des letzten Jahres noch für Skepsis sorgen - dass sich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auf dem Weg der Besserung befindet, machen viele vor allem am Comeback des lange Zeit kriselnden Bankensektors fest. So haben die japanischen Banken in den letzten Jahren kontinuierlich ihre Aktien- und Kreditportfolios bereinigt. Faule Kredite sind ebenso wie die Abhängigkeit vom Aktienmarkt deutlich reduziert worden. Branchenkenner sprechen sogar davon, dass die Banken nun "in Geld schwimmen". Das können sie allerdings für ihre ehrgeizigen Projekte im In- und Ausland auch gut gebrauchen: Zum einen wollen sie ihre Allfinanzpläne vorantreiben; die bevorstehende Fusion der Großbank Sumitomo Financial Group mit Japans zweitgrößtem Brokerhaus Daiwa soll etwa ein weiterer Schritt in diese Richtung sein. Zum anderen sind die Finanzhäuser darauf aus, das ausländische Kredit- und Wertpapiergeschäft anzugreifen. Und sie wollen das Privatkundengeschäft stärken. Dafür sind Synergien vonnöten.

"Potente Erweiterung"

So ist Sumitomo nicht die einzige Bank, die die Notwendigkeit eines Mergers erkannt hat. Denn 2005 werden noch zwei weitere neue Bankengiganten entstehen: Die Mitsubishi Tokyo Financial Group (MTFG) übernimmt die United Financial of Japan, zudem hat die Mizuho Financial Group jüngst bereits das drittgrößte japanische Brokerhaus Nikko Cordial erworben. Markus Frohmader, Japan-Experte und Berater des DAC Nippon Fonds, spricht vor allem dem Zusammenschluss der Mitsubishi Tokyo Financial Group und der United Financial of Japan großes Potenzial zu: "Die Synergieeffekte dürften der Gruppe künftig einen Wachstumsschub in den Gewinnen ermöglichen. Neben der unterschiedlichen regionalen Ausrichtung der beiden Institute erscheint die Hebung der Kosteneinsparungspotenziale als ein wichtiger Aspekt. Darüber hinaus erfährt auch die Kundenstruktur der MTFG eine potente Erweiterung."

Sonnenaufgang

In der Vergangenheit hat man Japans Wirtschaft oft auf den Bankensektor und dessen Krise reduziert. Wenn man sich 2005 auch an der Entwicklung der Banken orientiert, spricht einiges dafür, dass Japan endlich auch in wirtschaftlicher Hinsicht wieder ein "Land der aufgehenden Sonne" wird.

Dieser Artikel ist in Ausgabe #15/05 von DER AKTIONÄR erschienen.

 

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