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MLP ver(un)sichert?

Lange wurde darüber spekuliert, wie der Finanzdienstleister MLP die veränderten Rahmenbedingungen bei den Lebensversicherungen wegsteckt. Jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch - und sorgen für Enttäuschung am Markt. Während sich das Geschäft mit Lebensversicherungen besser entwickelt, fallen die Verluste in der Maklersparte drastisch aus.

Lange wurde darüber spekuliert, wie der Finanzdienstleister MLP die veränderten Rahmenbedingungen bei den Lebensversicherungen wegsteckt. Jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch - und sorgen für Enttäuschung am Markt.

Von Steffen Eidam

Die Gesamterträge von MLP sind im ersten Quartal um 16 Prozent auf 109,2 Millionen Euro gesunken. Darin sind die Erträge der MLP Lebensversicherung AG und der MLP Versicherung AG nicht berücksichtigt. Wegen des beabsichtigten Verkaufs sind beide Geschäftsbereiche nach den Vorschriften der internationalen Rechnungslegung IFRS im ersten Quartal 2005 erstmals separat auszuweisen.

Schwach wie angekündigt

Bereits am 18. Mai hat MLP bei der Vorlage vorläufiger Gewinnzahlen vor einem Schwund im Maklergeschäft gewarnt. Der in der MLP Finanzdienstleistungen AG zusammengefasste Geschäftsbereich brach um 20 Prozent auf 91,8 Millionen Euro ein. Das Ergebnis der betrieblichen Geschäftstätigkeit (EBIT) fiel im Jahresvergleich um 51 Prozent auf 6,9 Millionen Euro. Überraschend hoch war auch der Einbruch beim Vorsteuerergebnis (EBT), das um 48 Prozent auf 5,7 Millionen Euro nach unten ging. Der Konzernüberschuss kletterte um vier Prozent auf 9,3 Millionen Euro.

Lebensversicherung hui, Maklergeschäft pfui

Auf Grund der geänderten Rahmenbedingungen im Versicherungswesen hat der Finanzdienstleister zu Beginn des Jahres seine Berater zu mehrwöchigen Schulungsmaßnahmen konsultiert. Die Aufwendungen hierfür betrugen im ersten Quartal 3,0 Millionen Euro. Außerdem entfallen in diesem Jahr die Sondereffekte aus der automatischen Anpassung der Riester-Policen. Im Geschäftsbereich Lebensversicherung stieg das Ergebnis vor Steuern (EBT) um 37 Prozent auf 6,6 Mio. Euro. Grund hierfür ist das schwächer verlaufene Neugeschäft, was eine Reduzierung der Akquisitionskosten nach sich zieht. Die Beitragseinnahmen sind hingegen gestiegen. Der Geschäftsbereich Sachversicherung steuerte mit 1,6 Millionen Euro fünf Prozent mehr zum Konzernergebnis bei als im Vorjahr, bei der MLP Bank reduzierte sich das Ergebnis um 16 Prozent auf 1,4 Millionen Euro.

Positiver Ausblick für das Gesamtjahr

MLP-Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg blickt optimistisch auf das Gesamtjahr: "Nach den ersten fünf Monaten 2005 können wir feststellen, dass unsere Kunden die Chancen der neuen Vorsorgewelt erkannt und angenommen haben". Die neue Rürup-Rente hat sich innerhalb weniger Monate neben der Riester-Rente und der betrieblichen Altersversorgung (bAV) zu einem weiteren bedeutenden Bestandteil des MLP-Portfolios entwickelt. Vor diesem Hintergrund rechnet MLP im Gesamtjahr 2005 unverändert mit einem Anstieg des Ergebnisses vor Steuern (EBT) um 14 Prozent auf 100 Millionen Euro. MLP profitiert angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung von der steigenden Nachfrage nach Produkten der privaten Altersvorsorge. Die Heidelberger wollen im laufenden Geschäftsjahr 65.000 neue Kunden gewinnen, wie Finanzvorstand Nils Frowein äußerte. 2003 hatte MLP noch 57.000 Neukunden angelockt. Für das laufende zweite Quartal gaben sich die Heidelberger zuversichtlich. Das Neugeschäft ziehe an, auch weil die Schulungsmaßnahmen jetzt Früchte trage.

Analysten uneins

Von Analystenseite wurden die Ergebnisse unterschiedlich aufgenommen. Demnach sind die Zahlen für die WestLB erwartet schwach. Positiv sei jedoch, dass sich Altersvorsorge-Produkte gut entwickelten und die Gesamtjahresziele bestätigt worden sind. Das Urteil lautet weiterhin auf "Outperform" mit Kursziel 16 Euro. Bis 11 Uhr verliert die MLP-Aktie 1,7 Prozent, was in erster Linie mit den schwachen Zahlen aus dem Maklergeschäft zu begründen ist. Zum anderen, sei auch die Zahl der Berater rückläufig, obwohl das Unternehmen hier eine Erhöhung anstrebt. Auch das Plus bei den Neukunden von 5.500 im ersten Quartal scheint eher schwach zu sein.

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