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- DER AKTIONÄR

Mit Hochdruck zum Erfolg

Für das Schweizer Biotechnologieunternehmen Speedel werden die kommenden Monate von entscheidender Bedeutung sein. Denn das Unternehmen hält mit dem Präparat Rasilez einen möglichen Blockbuster (Jahresumsatz über eine Milliarde Dollar) in der Hand, der schon bald von der europäischen und der amerikanischen Gesundheitsbehörde zur Vermarktung zugelassen werden könnte.

In Zusammenarbeit mit Novartis entwickelt Speedel ein neuartiges Präparat zur Behandlung von Hypertonie. Analysten sind begeistert und sprechen von Milliardenumsätzen.

Für das Schweizer Biotechnologieunternehmen Speedel werden die kommenden Monate von entscheidender Bedeutung sein. Denn das Unternehmen hält mit dem Präparat Rasilez einen möglichen Blockbuster (Jahresumsatz über eine Milliarde Dollar) in der Hand, der schon bald von der europäischen und der amerikanischen Gesundheitsbehörde zur Vermarktung zugelassen werden könnte. Für Speedel wäre das der große Durchbruch, da man bisher ausschließlich in der Forschung tätig war und noch kein Medikament verkauft hat.

Rasilez packt "das Übel an der Wurzel"

Rasilez, der Forschungsname lautet SP100, ist ein Renin-Hemmer, der zur Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) eingesetzt werden soll. Im Vergleich zu herkömmlichen Präparaten verspricht das Produkt eine völlig neuartige Behandlungsweise. Bisher wurden bei Hypertonie in der Regel ACE-Hemmer verschrieben. Aufgrund ihrer Wirkeigenschaften greifen diese aber erst sehr spät in die körperlichen Abläufe, die zu Hypertonie führen, ein. Anders bei Rasilez. Das Produkt hemmt die Bildung von Renin. Renin ist ein Hormon, das in der Niere gebildet wird. Diese reagiert damit auf eine verminderte Nierendurchblutung. Renin spielt im Körper eine wichtige Funktion bei der Kontrolle von Blutdruck und Flüssigkeitsvolumen. Da Rasilez unmittelbar auf das Renin einwirkt, wird der gesamte Ablauf, der zu einer Erhöhung des Blutdrucks führt, von vornherein blockiert. ACE-Hemmer dagegen wirken nicht auf das Renin ein, sondern erst auf das Abspaltungsprodukt Angiotensin I, das entsteht, wenn Renin in das Blut ausgeschüttet wird und dort das Plasma-Glycoprotein Angiotensinogen angreift. Untersuchungen legen nahe, dass durch Renin-Hemmer ein besserer Organschutz erreicht wird.

Speedel entwickelt Rasilez jedoch nicht in Eigenregie. Forschungspartner ist Novartis. Speedel übernahm Rasilez 1999 von Novartis, als sich dieses noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befand. Es wurde dann von Speedel durch die Phase I und Phase II der klinischen Studien gebracht und 2002 wieder an Novartis auslizensiert. Der Pharmakonzern kümmert sich nun um die besonders kostspielige Phase-III-Studie und um die Zulassungsanträge bei den Gesundheitsbehörden. In den USA hat Novartis im ersten Quartal 2006 einen Zulassungsantrag eingereicht, der entsprechende Antrag in Europa wurde vor wenigen Tagen, am 28. September gestellt. Sollten diese erfolgreich verlaufen, wären das die erste Genehmigungen für ein neuartiges Mittel zur Hypertonie-Behandlung seit zehn Jahren. Dabei sprechen die zuletzt veröffentlichten Forschungsdaten für einen baldigen Erfolg. In großangelegten Studien mit Patienten konnte der Blutdruck durch die Einnahme von Rasilez nachhaltig gesenkt werden.

Großes Marktpotenzial

Derzeit werden in den westlichen Industrienationen jährlich rund 150 Millionen Menschen behandelt, die unter Bluthochdruck leiden. In Deutschland sind es etwa 20 Millionen Menschen. Man geht davon aus, dass diese Zahl in den kommenden Jahren signifikant steigen wird. Im Jahr 2020 dürften knapp 200 Millionen Menschen betroffen sein. Das ist umso dramatischer, da Hypertonie zu Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen führen kann. Herz-Kreislauferkrankungen sind zudem die häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrienationen. Aufgrund dieses Marktumfeldes haben sich Analysten gerade in den letzten Wochen sehr positiv über Speedel und Rasilez geäußert. Die Schweizer Bank Vontobel geht zum Beispiel davon aus, dass Rasilez bereits fünf Jahre nach der Zulassung einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar pro Jahr erzielen wird. Analysten von Helvea rechnen langfristig sogar mit einem Jahresumsatz von fünf Milliarden Dollar. Speedel wird über Lizenzeinnahmen, die Novartis zu entrichten hat, am Erfolg von Rasilez beteiligt sein. Die genauen Konditionen sind nicht bekannt, doch Marktbeobachter rechnen mit Lizenzabgaben in Höhe von zehn Prozent des Umsatzes. Neben Rasilez führt Speedel noch bei einer ganzen Reihe anderer Präparate klinische Studien durch. Diese wurden ebenfalls von großen Pharmakonzernen, zum Beispiel von Roche, übernommen. Nach erfolgreichen klinischen Test der Phase II werden die Konzerne die Medikamente zurücknehmen und durch die Phase III führen. Sollte diese letzte Phase ebenfalls erfolgreich abgeschlossen werden und die Medikamente zur Marktzulassung kommen, ist Speedel jeweils mit Lizenzgebühren am Verkauf beteiligt.

Zulassung birgt Kursfantasie

Das Speedel-Papier eignet sich gut für eine spekulative Depotbeimischung. Kurzfristig könnte sich vor allem Kursfantasie aus dem Umstand ergeben, dass die US-Gesundheitsbehörde positive Zwischenergebnisse aus dem Zulassungsverfahren von Rasilez veröffentlichen könnte.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 41/2006.

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