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Mit frischen Ideen auf Kundenfang

Der Aufschwung an den Börsen dauert bereits mehr als zwei Jahre, aber erst jetzt profitieren auch die Online- und Discountbroker davon. DER AKTIONÄR hat für Sie einen umfangreichen Leistungsvergleich durchgeführt.

Der Aufschwung an den Börsen dauert bereits mehr als zwei Jahre, aber erst jetzt profitieren auch die Online- und Discountbroker davon. DER AKTIONÄR hat für Sie einen umfangreichen Leistungsvergleich durchgeführt.

Von Martin Weiß

Der Deutsche Aktienindex DAX knabbert in diesen Tagen an der, aus psychologischer Sicht, wichtigen Marke von 5.000 Punkten. Bereits vor zwei Wochen konnte der Leitindex diese Hürde kurz überspringen, dann aber setzten Gewinnmitnahmen ein und das Stimmungsbarometer fiel wieder zurück. Anlass zur Sorge besteht aber nicht und so erscheint es nur eine Frage der Zeit, bis der Dax erneut die markante Kursmarke hinter sich lässt. Bei den Online- und Discountbrokern ist man ebenfalls "bullish", auch weil man hofft, dass ein Dax-Stand jenseits von 5.000 Punkten das Interesse der Privatanleger wiederentfacht.

Discountbroker profitieren spät

Denn bislang konnten die Online- und Discount-Broker kaum vom bisherigen Kursaufschwung profitieren. Das verwundert, denn üblicherweise nehmen mit steigenden Notierungen an den Aktienmärkten auch die Handelsaktivitäten und somit die Umsätze der Institute zu. Dieses Mal verläuft der Zyklus aber etwas anders, spüren die Anbieter erst seit wenigen Monaten einen Geschäftsaufschwung. So meldete die sino AG, der Betreiber einer Handelsplattform für "Heavy-Trader", für den August knapp 97.000 ausgeführte Orders, ein Anstieg von 117 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Sequenziell, also im Monatsvergleich, erhöhte sich das Ordervolumen um ein Fünftel.

Nicht ganz so gut, aber immer noch ordentlich, lief es zuletzt für die Commerzbank-Tochter comdirect, Deutschlands größten Discount-Broker. Der Konzern führte im letzten Monat 589.000 Orders aus, ein Rückgang von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Bei der Kundenzahl ebenso wie bei den Einlagen konnten die Quickborner jedoch einen leichten Zuwachs melden.

Derzeit verwaltet der Konzern 621.209 Kundenkonten. Und auch bei der DAB bank hat die Geschäftsbelebung Spuren in der Bilanz hinterlassen. Ende Juli meldete das Münchener Geldinstitut eine Verdopplung bei der Anzahl der verwalteten Depots im zweiten Quartal auf 925.017 (Vorjahr: 459.528) und bei der Zahl der durchgeführten Orders ein Plus von 150 Prozent auf zwei Millionen.

Innovationen beleben das Geschäft

Im elften Jahr nach Gründung des ersten Discountbrokers blickt die Branche insgesamt zuversichtlich in die Zukunft. Allerdings sieht man sich auch erheblichen Herausforderungen gegenüber. Weil die Zahl der Neukunden bei den Brokern nur noch langsam wächst, hat die Mehrzahl der Institute damit begonnen, die Geschäfte auf andere Bereiche auszudehnen, die weit über die bisherigen Betätigungsfelder hinausgehen.

So spielen Produkte für die Altersvorsorge eine zunehmend wichtige Rolle bei den Brokern. Daneben buhlen sie mit Beteiligungen an geschlossenen Fonds, Baufinanzierungen oder auch Konsumentenkrediten - traditionell eine Domäne der Hausbanken - um die Gunst der Kunden. Allein die comdirect lässt sich dabei den Ausbau ihrer Bank- und Vermögensberatungssparte einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Bank-Chef Andre Carls hatte im Frühjahr erstmals über entsprechende Pläne berichtet, die das Unternehmen in den kommenden drei Jahren rund 50 Millionen Euro an Investitionen kosten wird. Der erhoffte Lohn: die Stabilisierung der Ergebnisse, eine höhere Verlässlichkeit der Prognosen und - vor allem - die Abkopplung vom volatilen Wertpapierhandel. Einige, vor allem kleinere Brokerhäuser, tendieren hingegen in die entgegengesetzte Richtung und versuchen sich mit ausgefeilten Handelsplattformen zu profilieren.

Letztlich setzen aber alle Anbieter, egal welche Strategie sie verfolgen, auf die Erkenntnis, dass es den maßgeschneiderten Broker für jede Art von Kunden in der Realität nicht gibt. Das führt zu Portalen mit Dutzenden von Einzelprodukten garniert mit zahllosen Aktionen auf der einen Seite und andererseits zu schnörkellosen Tradingplattform.

Kein Herz für Sparer

So finden sich bei sino High End Brokerage nur solche Tools auf der Handelsplattform, die der Kunde auch unbedingt zum Traden benötigt. Die Zielgruppe des vergleichsweise jungen Brokers: so genannte "Heavy Trader", die ihre Depots nicht ein- oder zweimal im Monat, sondern mehrmals in der Woche umschichten. Sino lockt die Kunden mit vom Handelsvolumen abhängigen, niedrigen Gebühren, einer extrem schnellen State-of-the-Art-Tradingplattform und weiteren "Schmankerl'n" wie Arbitragegeschäften, interessewahrenden Orders oder Multitrader-Zugriff bei gemeinsamen Konten. Fondssparpläne oder auch traditionelle Bankprodukte sucht man hingegen vergebens bei sino. Das Geschäftsmodell ist puristisch, kommt bei den Kunden aber gut an - wie die letzten Geschäftszahlen eindrucksvoll belegen.

The American Way

Der Broker E*Trade hat seine Wurzeln in den USA und das merkt man dem Unternehmen auch an. Der Internetauftritt ist gedrungen, wirkt aber dennoch nicht überfrachtet. Auch E*Trade richtet sich vor allem an den aktiven Anleger, der seinen Vermögensaufbau selbst in die Hand nimmt und sich traditionelle Bank- und Versicherungsprodukte woanders sucht. Dafür finden sich in der Datenbank des Brokers mehr als 3.500 Fonds, von denen die Mehrzahl mit einem verringerten Ausgabeaufschlag geordert werden kann. Highlight bei E*Trade ist die Flat-Fee bei US-Orders von 14,95 Euro.

Die volle Dröhnung

Comdirect, Cortal Consors, DAB bank und ING-DiBa haben ihre Handelsplattformen in den letzten 36 Monaten zu Finanzportalen mit einer riesigen Angebotsvielfalt aufgerüstet. Bei den Instituten findet der Anleger alles, was sein Herz begehrt, reichen die Angebotspaletten von der einfachen Aktien- und Fondsanlage, über die Beteiligung an geschlossenen Fonds, bis hin zu Versicherungs- und Altersvorsorgeprodukten. Daneben locken diese "Broker" ihre Kunden mit typischen Hausbankangeboten wie Kreditkarte, Girokonto, Konsumentenkredit und sogar Baufinanzierungen. Dass das breite Produktspektrum nicht zulasten günstiger Konditionen gehen muss, beweisen die durchweg moderaten Gebühren für Aktienan- und -verkauf und Depotverwaltung. Die ING-DiBa glänzt in dieser Klasse zwar mit den insgesamt günstigsten Konditionen - wirklich aus der Reihe tanzt in dieser Disziplin allerdings keiner der Anbieter.

 

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