Centrotherm Photovoltaics
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Millionen-Risiko: Was ist los bei Centrotherm?

Die Aktie des Solar-Maschinenbauers fällt derzeit wie ein Stein. Der hohe Verlust im Auftaktquartal ist nur ein Grund dafür. Es belastet auch ein möglicher Multi-Millionen-Euro-Rechtstreit. Der Abwärtstrend ist voll intakt.

Ausverkauf. Die Centrotherm-Aktie liegt auch am Montag tief im Minus. Neben dem hohen Quartalsverlust belasten Probleme mit einem asiatischen Großkunden. Zudem zeigt ein Blick in die mittlerweile vorgelegte Bilanz, wie tief die Probleme wirklich sind. Auch die Analysten gehen auf Abstand. Die WestLB hat das "Add" in "Neutral" geändert und das Kursziel von zuvor 12,30 Euro gestrichen.

Folgender Satz im Quartalsbericht gefällt der WestLB gar nicht: "Im Berichtszeitraum hat sich das Risiko verdichtet, dass es im Rahmen eines Polysiliziumprojektes möglicherweise zu einem Rechtsstreit in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages kommt." Bereits im März wurde in der regionalen Presse spekuliert, dass Centrotherm im Hauptmarkt Asien unglücklich agiere und wichtige Kunden verärgert habe - durch plötzlich gestoppte Projekte und unfertige Erzeugnisse. Centrotherm glaubt jedoch an "keine größeren Belastungen" aus diesem Fall und hat daher auch keine weiteren Rückstellungen gebildet.

Algerien rettet

Wie tief die Krise für den Solarmaschinenbauer ist, zeigt der Blick auf den Auftragseingang. Zwar lag dieser im ersten Quartal mit 255 Millionen Euro deutlich über dem Vorjahr. Doch darin enthalten war ein außergewöhnlich hoher Algerien-Auftrag von 227 Millionen. Ohne diesen wäre der Auftragseingang von 224 Millionen im Vorjahresquartal drastisch auf 28 Millionen eingebrochen. Der kumulierte Auftragsbestand ist von 870 Millionen Euro im Vorjahr um 42 Prozent auf nunmehr 508 Millionen Euro zurückgegangen.

Hoher Goodwill

Auch die Bilanz war schon stabiler. Die Eigenkapitalquote liegt zwar immer noch bei vermeintlich starken 43 Prozent und der Buchwert bei 335 Millionen Euro. Doch zu beachten sind 117 Millionen Euro "Goodwill" und 89 Millionen Euro "immaterielle Vermögenswerte" - Postionen, deren Werthaltigkeit gerade in Krisenzeiten fraglich wird.

Aktie immer günstiger

Bewertet wird Centrotherm an der Börse nur noch mit 110 Millionen Euro. Damit wird selbst das um obige Goodwill-Werte bereinigte Eigenkapital von hypothetischen 129 Millionen Euro unterschritten. Sollten sich die rechtlichen Probleme nicht verschärfen und der Solar-Weltmarkt wieder langsam anziehen (siehe auch: "Boom oder Crash"), könnte sich die Aktie allmählich ihrem Tiefstkurs nähern. Noch ist der Abwärtstrend im Chart jedoch intakt. Erst muss hier eine klare Bodenbildung erkennbar werden.

Anleger, die den "Short der Woche" aus Heft 17/12 leerverkauft haben, können die Gewinne laufen lassen. Long-Investoren bleiben (noch) an der Seitenlinie.

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