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Merck und Co: Die Lawine rollt!

Den ersten "Vioxx-Prozess" haben Merck und Co überraschend verloren. Nun drohen dem US-Pharmakonzern weitere Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe. Anleger sollten die Aktie meiden.

Den ersten "Vioxx-Prozess" haben Merck und Co überraschend verloren. Nun drohen dem US-Pharmakonzern weitere Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe. Anleger sollten die Aktie meiden.

Von Frank Phillipps

Ein Gericht in Texas hat den US-Pharmakonzern Merck zur Zahlung von 253 Millionen Dollar verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Merck durch Fahrlässigkeit den Tod eines 59-jährigen Mannes verursacht habe, der das von Merck entwickelte und verkaufte Schmerzmittel Vioxx eingenommen hatte. Über acht Monate wurde der Marathonläufer und Triathlet mit Vioxx therapiert, bevor er 2001 an schweren Herzrhythmusstörungen starb.

Merck wurde unter anderem vorgeworfen, Ärzte und Patienten nicht frühzeitig genug und nicht ausreichend über das erhöhte Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen - besonders bei Lanzeitpatienten - informiert zu haben. Außerdem sei Vioxx aus Gründen der Konkurrenz ohne angemessene Abklärung möglicher Nebenwirkungen in den Verkauf gebracht worden.

Urteil mit Signalwirkung

Das überraschende Urteil von Texas dürfte Signalwirkung haben und eine Prozesslawine auslösen. Bislang wurden bereits 4.000 Klagen eingereicht, ermutigt vom jüngsten Schuldspruch, könnten viele Geschädigte ihre bisherige Zurückhaltung aufgeben. Experten schätzen, dass allein in den USA 20 Millionen Menschen mit Vioxx behandelt wurden und dass etwa 140.000 Patienten durch die Therapie geschädigt wurden. Für Merck und Co könnte dies weitere Schadensersatzforderungen - möglicherweise - in Milliardenhöhe nach sich ziehen; zumal das Unternehmen bislang jeden Vergleich ablehnte. Auch nach dem Texas-Urteil bestätigte Merck, jede Klage vor Gericht ausfechten zu wollen. Die nächste Möglichkeit dazu wird sich bereits im September in New Jersey ergeben.

Finger weg!

Die Aktie von Merck ist auch nach dem Kursrutsch kein Kauf. Zum einen lastet die Ungewissheit über den Ausgang der kommenden Vioxx-Prozesse auf dem Papier. Zum anderen hat das Unternehmen auch mit anderen hausgemachten Problemen zu kämpfen: Bis zum Jahr 2012 verlieren vier der wichtigsten Umsatztreiber bei Merck ihren Patentschutz, darunter der Cholesterin-Senker Zocor und das Osteoporose-Medikament Fosamax.

 

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