Mensch und Maschine
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Mensch und Maschine: „3D-Druck erschließt uns weitere Kundenkreise“

3D-Druck könnte sich zu einer industriellen Revolution entwickeln. Einige Spezialwerte konnten in den letzten Monaten einen wahren Höhenflug hinlegen. Auch die Münchener Mensch und Maschine SE profitiert von dem Megatrend. Im Interview mit dem AKTIONÄR erläutert Vorstandschef Adi Drotleff, wie.

Die Zukunftstechnologie 3D-Druck ist derzeit in aller Munde. Aktien von 3D-Druck-Spezialisten wie 3D Systems und Stratasys gehören zu den Highflyern der letzten Monate und machen mit spektakulären Übernahmen auf sich aufmerksam. Was steckt hinter dem Hype? Gibt es auch unter Deutschlands Nebenwerten Profiteure der 3D-Druck-Technologie? DER AKTIONÄR hat bei Adi Drotleff, CEO des CAD/CAM-Spezialisten Mensch und Maschine Software SE, nachgefragt. 

DER AKTIONÄR: Herr Drotleff, das Thema 3D-Druck wird derzeit nicht nur an der Börse heiß diskutiert. Welches Potenzial sehen Sie in dreidimensionalen Druckverfahren?

Adi Drotleff

Adi Drotleff:  Das ist eine sehr interessante Technologie für Prototypenbau und Kleinserien-Fertigung, die sich in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren enorm entwickelt hat und sehr erschwinglich geworden ist. Das Faszinierende ist auch die Einfachheit, weil das 3D-CAD-Modell direkt in ein reales Produkt verwandelt werden kann.

Inwiefern profitiert Mensch und Maschine als CAD-Spezialist vom wachsenden Erfolg der 3D-Druck-Technologie?

Es ist natürlich gut, wenn unseren Kunden eine solche Technologie zur Verfügung steht. Damit erschließen sich uns noch weitere Kundenkreise, die vielleicht bisher nicht an eine Anschaffung von CAD-Software gedacht haben.

Arbeitet Mensch und Maschine selbst mit 3D-Druckern? Welche Vorteile bietet Ihnen diese Technologie?

Wir haben im Konzern ein paar Demo-Geräte, die manchmal auch von Kunden für kleine Auftragsfertigungen gebucht werden.

Hat der 3D-Druck das Potenzial, subtraktiven Verfahren wie dem CNC-Fräsen mittelfristig Marktanteile streitig zu machen?

Das sind vollkommen komplementäre Verfahren, die sich eher ergänzen. Mit Präzisions-CNC-Werkzeugmaschinen werden hauptsächlich Teile und Formen aus Metall und Keramik, also hochfesten Materialien gefertigt, während die Domäne der 3D-Drucker Kunststoff-Einzelteile und Kleinserien sind. Auch bei der Präzision liegen Welten zwischen diesen beiden Technologien. Das sieht man auch an den Gerätepreisen: Während 3D-Drucker heute schon für wenige tausend Euro zu haben sind, liegen Werkzeugmaschinen je nach Größe, Achsenzahl und Präzision zwischen etwa 50.000 und mehreren Millionen Euro in der Anschaffung.

Zuletzt machte der 3D-Drucker-Hersteller Stratasys mit der Übernahme des kleineren Wettbewerbers MakerBot Schlagzeilen. Wie ist Ihre Meinung zu diesem 400-Millionen-Dollar-Deal? Ist dieser Kaufpreis noch marktgerecht?

Wenn ich richtig informiert bin, hat MakerBot im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von etwa 17 Mio US-Dollar erzielt, d. h. wir sprechen von einem Umsatz-Multiple größer 20, mit variabler Earnout-Komponente sogar größer 30. Allerdings wird Stratasys selbst derzeit mit dem 15-fachen Umsatz bewertet, und bezahlt wird nicht in Cash, sondern in Aktien. Rein betriebswirtschaftlich sind solche Bewertungen jenseits von Gut und Böse und erinnern mich an die Zeiten der sogenannten New Economy, aber der Kapitalmarkt kauft von Zeit zu Zeit derartige Stories offenbar gerne. 

Kommen wir zurück auf Ihr operatives Geschäft. Für das Gesamtjahr haben Sie ein Ergebnis je Aktie von 30 Cent als Prognose ausgegeben. Liegen Sie aktuell „im Plan" oder spekulieren Sie auf ein starkes Jahresendgeschäft?

Bei uns sind normalerweise Q1 und Q4 die entscheidenden Quartale, über die Jahresmitte laufen die Geschäfte saisonal immer etwas ruhiger. Das wird auch dieses Jahr so sein, wir erwarten darüber hinaus aufgrund der momentanen Angebotspipeline ein deutlich ausgeprägteres Jahresendgeschäft als letztes Jahr. Ob wir die 30 Cent pro Aktie schaffen, werden wir also erst Anfang 2014 wissen. Das gute Q1 ist aber auf jeden Fall schon ein schönes Polster.

Ihre Software-Tochter OPEN MIND nimmt u. a. beim hochkomplexen 5-Achs-Fräsen mit der hyperMILL-Produktlinie eine technologisch führende Stellung ein. Wie schlägt sich dies in der aktuellen Entwicklung nieder und welche Ziele verfolgen Sie mit OPEN MIND mittelfristig?

Unser Software-Segment und insbesondere OPEN MIND macht uns mit einem organischen Wachstum von ca. 15% pro Jahr und einer EBITDA-Rendite zwischen 15 und 20% sehr viel Freude. Damit haben wir eine sichere Einnahmequelle, die profitabel wächst, während uns im Systemhaus-Segment noch bis 2015 der Umbau von indirektem auf direktes Endkundengeschäft in Europa beschäftigen wird. Als MuM vor gut 11 Jahren OPEN MIND übernommen hat, lag deren Umsatz unter 10 Millionen Euro, dieses Jahr sind deutlich über 30 Millionen geplant. Inzwischen sind wir im CAM-Weltmarkt unter die Top 5 vorgestoßen, bei den Spezial-Anbietern sogar auf Platz 3. Und wir verkaufen wirklich weltweit: Neben Europa, Asien und USA, wo wir schon sehr lange vertreten sind, wurde Anfang des Jahres auch der südamerikanische Markt mit einer Niederlassung in Sao Paolo erschlossen. Zudem investieren wir kräftig in die Weiterentwicklung unserer Software: 2012 lagen unsere R&D-Ausgaben bei über 11 Millionen Euro.

Was ist ihr persönliches Kursziel für die MuM-Aktie auf Sicht von drei Jahren?

Unser EPS-Ziel für 2015 liegt bei ca. 50 Cent, und spätestens 2018 wollen wir einen Euro pro Aktie verdienen. In drei Jahren, also Mitte 2016, kann sich damit die MuM-Aktie vom Kurs her auf etwa 10 Euro verdoppeln, wenn man ein realistisches KGV von etwa 15 unterstellt. Bei Bewertungen wie vorhin beim Thema 3D-Drucker diskutiert ergäbe sich jetzt schon ein Kurs deutlich jenseits von 100 Euro, aber das ist eine andere Geschichte ...

Herr Drotleff, vielen Dank für das Interview.

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