- DER AKTIONÄR

Medigene - Übertriebene Reaktion

Eine vermeintlich schlechte Meldung löste bei Medigene einen Kurssturz aus. Sind die Panikverkäufe gerechtfertigt? DER AKTIONÄR hat Medigene unter die Lupe genommen.

Eine vermeintlich schlechte Meldung löste bei Medigene einen Kurssturz aus. Sind die Panikverkäufe gerechtfertigt? DER AKTIONÄR hat Medigene unter die Lupe genommen.

Von Frank Phillipps

Firmenmeldungen sind oft auch eine Frage der Interpretation. So bewerteten viele Anleger die jüngste Meldung von Medigene offensichtlich als Katastrophe und schmissen die Aktie aus ihrem Depot. Die Folge: Das Papier stürzte innerhalb eines Tages um über 20 Prozent ab. Sind diese Panikverkäufe aber wirklich gerechtfertigt?

Kleiner Rückschlag

In einer Phase-II-Studie hatte Medigene getestet, ob sich der Produktkandidat Polyphenon-E-Salbe dazu eignet, Aktinische Keratose - eine Vorstufe von Hautkrebs - wirksam zu behandeln. Das Ergebnis: Vermutlich ja, allerdings muss an der Dosierung gefeilt werden. Zweifel an der grundsätzlichen Wirksamkeit der Polyphenon-E-Salbe bei Aktinischer Keratose gibt es nicht. Im Klartext bedeuten die aktuellen Ergebnisse für Medigene ein Jahr mehr Entwicklungsarbeit und Mehrkosten von einer Million Euro. Dass die Dosie-rung optimiert werden muss, ist indes keine allzu große Überraschung. Denn eigentlich wird die Polyphenon-E-Salbe zur Behandlung von Genitalwarzen entwickelt. Hier verliefen die bisherigen Studien problemlos.

Absolut konkurrenzfähig

Medigene hat mit dem Krebsmedikament Eligard bereits ein Produkt auf dem Markt und mit Polyphenon-E gegen Genitalwarzen einen Trumpf in der Hinterhand. Allein für diese Indikation rechnet man zukünftig mit Jahresumsätzen von 100 Millionen Euro. Weitere 200 Millionen winken, wenn die richtige Dosierung für die Therapie von Aktinischer Keratose gefunden wird. Zwei weitere Krebswirkstoffe mit Marktpotenzial im dreistelligen Millionenbereich befinden sich bereits in klinischen Studien.

Zum Ende des ersten Quartals verfügte Medigene über Barmittel von fast 45 Millionen Euro, schon im kommenden Jahr will das Unternehmen schwarze Zahlen schreiben. Und der Börsenwert, der aktuell rund 148 Millionen Euro beträgt, nimmt sich im Vergleich zur Konkurrenz in den USA sehr bescheiden aus. Hier werden Gesellschaften mit vergleichbarer Pipeline aber noch ohne marktreifes Produkt nicht selten mit einer Milliarde Dollar und mehr bewertet.

Einstiegschance

Der Kurssturz bei Medigene ist eine übertriebene Reaktion auf die Verzögerung bei der Entwicklung der Polyphenon-E-Salbe. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommen auch die Analysten von Concord Equity Research und Viscardi Securities, die aktuell Kursziele von 11,30 beziehungsweise 13,40 Euro für das Papier ausgeben. Das aktuelle Niveau bietet eine perfekte Einstiegschance.

 

Medigene

 

ISIN DE0005020903
Kurs am 15.07.2005 8,78€
Empfehlungskurs 8,27€
Ziel 15,00€
Stopp 7,20€
KGV 06e 83
Chance/Risiko 5/3

Artikel aus DER AKTIONÄR (29/05).

 

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