DAX
- Jochen Kauper - Redakteur

Marktexperte Paciorek: „Sorgen um die Eurozone“

Als Mario Draghi 2012 mit seinen Worten „Whatever it takes“ den Euro vor dem Kollaps rettete, übernahmen die Notenbanken das Ruder an den Börsen und politische Themen rückten zunehmend in den Hintergrund. Das könnte sich jetzt wieder ändern. „Die Zerbrechlichkeit der Eurozone sollte nach den jüngsten Entwicklungen wieder zu einem dominierenden Thema an den Finanzmärkten werden. In diesem Kontext würden dann auch der Euro und die europäischen Börsen erneuten Tests unterzogen werden“, sagt Andreas Paciorek, Marktstratege bei CMC Market.

Konjunktur entwickelt sich unterschiedlich

So fällt der erneute Anstieg des Sentix Euro Break-up Index (EBI) seit November auf, nachdem sich die Wogen nach der Unsicherheit rund um einen drohenden Grexit im zweiten Quartal 2015 zunächst gelegt hatten. „Dabei erscheint Griechenland aber aktuell als das kleinere Risiko für ein Zerreißen der europäischen Union, verglichen mit den jüngsten politischen Entwicklungen in anderen Ländern. Das anstehende Referendum in Großbritannien über einen Ausstieg aus der Europäischen Union dürfte eine große Signalwirkung für andere Länder haben. Auch die finnische Regierung wird dieses Jahr über einen Euro-Ausstieg debattieren. Nachwirkungen dürfte auch der Rechtsruck in Polen und vor allem in Frankreich entfalten, wo sich die Front-National-Chefin Le Pen 2017 zur Präsidentin wählen lassen will. Trotz der Niederlage in der zweiten Runde der Regionalwahlen im Dezember sind die Chancen hierfür durchaus gegeben“, so Paciorek.Ein Grund für diese Entwicklungen dürfte einerseits in der sich unterschiedlich entwickelnden Konjunktur in vielen Ländern liegen, die auch einer diversifizierten Geldpolitik bedarf, unabhängig von fehlenden Reformbestrebungen. Aber auch der massive Zustrom an Flüchtlingen nach Europa verängstigt viele Menschen und beeinflusst das Wahlverhalten.

Furcht vor einer Abwertung

Die zunehmenden Fliehkräfte könnten auf dem Euro lasten, so wie wir es auch in 2012 gesehen haben. Eine solche Euro-Abwertung wäre dann aber nicht gleichzustellen mit der aktuellen, durch die EZB forcierten Abwertung, die von den Anlegern in der Hoffnung auf eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone begrüßt wird. “Es wäre eine gefürchtete Abwertung, die aus der Sorge resultiert, dass der Euro auseinanderbricht. Interessanterweise könnten aber gerade dann deutsche Aktien wie eine Absicherung gegen dieses Szenario wirken und damit trotz eines solchen Umfelds attraktiv bleiben. Denn auch im Jahr 2012, als der Euro kurz davor war zu kollabieren, entwickelte sich der DAX relativ gut. Ein Grund hierfür dürfte die Spekulation einiger Investoren gewesen sein, dass falls der Euro fällt, ein dann eingeführter „Nord-Euro“ oder die gute, alte D-Mark eine wertvolle Währung werden dürfte, repräsentiert durch Aktien oder Anleihen aus dem deutschen Raum", fasst Andreas Pacoiorek zusammen.

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