- DER AKTIONÄR

Manchmal muss es eben MuM sein!

Der CAD-Spezialist Mensch und Maschine besticht nach dem erfolgreichen Turnaround mit einer attraktiven Bewertung. Zweistellige Kurse erscheinen wieder realistisch.

Der CAD-Spezialist Mensch und Maschine besticht nach dem erfolgreichen Turnaround mit einer attraktiven Bewertung. Zweistellige Kurse erscheinen wieder realistisch.

Von Michael Lang

Mensch und Maschine (MuM), ein Hersteller und Vertreiber von Software für Computer Aided Design (CAD), hat eine erfolgreiche Restrukturierung hinter sich. Der Aktionär hat sich mit dem Vorstandsvorsitzenden Adi Drotleff über die weiteren Perspektiven, eine mögliche Kapitalerhöhung sowie die geplante Umwandlung in eine "Europa AG" unterhalten.

DER AKTIONÄR: Herr Drotleff, Mensch und Maschine hat sich im ersten Halbjahr 2005 von der Compass GmbH sowie ihrer Beteiligung an C-Plan getrennt. Ist nach diesen Schritten die Phase der Desinvestments abgeschlossen oder planen Sie weitere Verkäufe?

Adi Drotleff: In unseren Planungen sind keine weiteren Desinvestment-Erlöse enthalten. Das schließt aber nicht aus, dass wir noch kleinere Verkäufe tätigen. Wir halten zum Beispiel noch vier Minderheitsbeteiligungen im Gesamtwert von 2,3 Millionen Euro, die natürlich strategisch für uns nicht so wichtig sind. Hier sind grundsätzlich sowohl Verkäufe als auch Mehrheitsübernahmen denkbar, aber nicht in den finanziellen Dimensionen wie bei Compass und C-Plan.

DER AKTIONÄR: Durch die Beteiligungsverkäufe hat sich auch die Liquiditätssituation des Konzern deutlich entspannt. Auf welchem Niveau wird sich die Nettoverschuldung zum Jahresende voraussichtlich bewegen und welche Ergebniseffekte ergeben sich daraus?

Adi Drotleff: Wir haben uns eine Netto-Bankverschuldung unter 15 Millionen Euro zum Ziel gesetzt, also eine Entschuldung von gut zehn Millionen gegenüber dem 31.12.2004 beziehungsweise mehr als 22 Millionen im Vergleich zum Maximum vor drei Jahren. Das Finanzergebnis wird dadurch sowohl 2005 als auch 2006 um je gut eine Million oder rund zehn Cent pro Aktie entlastet.

 

DER AKTIONÄR: Das derzeit freundliche Börsenumfeld würde die Durchführung einer Kapitalerhöhung zur weiteren Schuldentilgung begünstigen. Ist dies für Sie ein Thema?

Adi Drotleff: Wir sind mit der erreichten Balance zwischen Eigen- und Fremdkapital sehr zufrieden, vor allem aus Leverage-Gesichtspunkten. Eigenkapital will nun mal höher verzinst werden als Fremdkapital. Insofern wäre eine Kapitalerhöhung beim momentanen Kursniveau noch nicht besonders attraktiv. Wir können durchaus abwarten, bis die MuM-Aktie fairer bewertet ist - das momentane KGV von weniger als 10 ist sicher noch nicht fair.

 

DER AKTIONÄR: Für das laufende Jahr streben Sie inklusive außerordentlicher Erträge einen Nettogewinn von sieben Millionen Euro an. Was macht Sie so zuversichtlich, dieses Ergebnis im Jahr 2006 auch ohne Sondereffekte zu erreichen?

Adi Drotleff: Zum einen ist unsere EBIT-Rendite noch sehr ausbaufähig. Wir erreichen dieses Jahr voraussichtlich gut drei Prozent, die Zielrendite für unser Geschäftsmodell liegt aber zwischen sechs und neun Prozent. Die für 2006 angepeilte operative Rendite von etwa 5,5 Prozent sollte also bei unserem derzeitigen Momentum kein allzu großes Problem sein. Der zweite Hebel liegt im Finanzergebnis, das sich durch die Schuldentilgung um gut eine Million verbessern wird. Und zum Dritten haben wir aus der Turnaround-Phase hohe steuerliche Verlustvorträge, die uns in den nächsten Jahren eine sehr niedrige Konzern-Steuerquote bescheren.

 

DER AKTIONÄR: Sie planen die Umwandlung der AG in eine Societas Europaea (SE), eine so genannte "Europa AG". Welche Vorteile hätte dies für die Gesellschaft und ihre Aktionäre?

Adi Drotleff: MuM ist mit Gesellschaften in sieben EU-Staaten plus Schweiz und Schweden quasi der Prototyp der Europa AG. Was uns außer der symbolischen Bedeutung dieses Schritts konkret an der SE reizt, ist die Möglichkeit, eine angelsächsische Boardstruktur einzuführen, bei der Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitz in einer Person vereinigt werden können. Das passt zu einer unternehmergeführten Aktiengesellschaft wie MuM, bei der der Vorstandsvorsitzende über eine Hauptversammlungsmehrheit verfügt, viel besser als die strikte Trennung von Vorstand und Aufsichtsrat, die an der breit gestreuten Publikums-AG orientiert ist. Wir verbinden das mit einer Straffung der Führungsgremien von heute neun Personen - drei Aufsichtsräte, sechs Vorstände - auf künftig nur noch sieben Personen. Neben mir als Verwaltungsratsvorsitzendem werden dem Verwaltungsrat zwei Mitglieder aus dem bisherigen Aufsichtsrat angehören. Im geschäftsführenden Direktorium, das dem Vorstand einer AG entspricht, werden außer mir noch vier der bisher fünf MuM-Vorstände sitzen. Sie sehen, dass sich der Gesetzgeber bemüht hat, bei diesem so genannten monistischen System der SE die beiden Organe komplett umzuetikettieren, damit keine Verwechslungen mit dem dualistischen System mit strikt getrenntem Aufsichtsrat und Vorstand möglich sind.

DER AKTIONÄR: Die Analysten von Performaxx Research halten in einem freundlichen Börsenumfeld Kurse um 10,59 Euro für möglich. Wäre dieses Kursniveau aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?

Adi Drotleff: Natürlich erscheint eine Kursverdoppelung immer etwas hoch zu sein. Vor einem Jahr kam bei Kursen um die 2,50 Euro eine Verdoppelung auf fünf Euro ja auch vielen zu kühn vor. Aber wenn wir unsere Ziele für 2006 erreichen, dann entspricht ein Kurs von 10,59 Euro einem KGV unter 20 und einem KUV deutlich unter eins. Das ist sicherlich für einen profitablen Wachstumswert nicht übertrieben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Neues Kursziel

Seit der Empfehlung in Ausgabe 18/2005 hat die Aktie von MuM um 40 Prozent zugelegt und ist damit auf bestem Wege, die angepeilte Verdopplung zu realisieren. Angesichts des dynamischen Gewinnwachstums auf 0,59 Euro je Aktie in 2006 sowie 0,70 Euro in 2007 werden die Anteile derzeit noch weit unter dem fairen Wert gehandelt. der aktionär erhöht sein Kursziel von sieben auf neun Euro, was einem moderaten 2007er-KGV von 13 entsprechen würde.

Artikel aus Ausgabe 45/2005

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