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- DER AKTIONÄR

Manchmal kommen sie wieder

Ob charttechnische Umkehr, die Stärkung eines Geschäftsbereiches oder der Sprung in die Gewinnzone - für 2008 gibt es einige Turnaroundkandidaten.

Ob charttechnische Umkehr, die Stärkung eines Geschäftsbereiches oder der Sprung in die Gewinnzone - für 2008 gibt es einige Turnaroundkandidaten.

Wer an der Börse auf den "Turnaround" setzt, setzt auf eine Kehrtwende: auf den Sprung eines Unternehmens von der Verlust- in die Gewinnzone, auf eine Erholung des Aktienkurs des besagten Konzerns oder darauf, dass Produkte dieser Firma mehr Interesse bei den Käufern finden.

Klassische Wende

Einen Turnaround im klassischen Sinne, den Sprung raus aus den Miesen, trauen Analysten dem US-Autogiganten General Motors (GM) zu. So rechnet die Wall Street damit, dass GM nach einem Verlust von 0,95 Dollar pro Aktie im jüngst abgelaufenen Geschäftsjahr im kommenden Jahr ein Plus von 2,19 Dollar erwirtschaftet. Voraussetzung: Die Sanierung gelingt endlich. Bereits Mitte Dezember einigte sich GM mit der Gewerkschaft der Automobilmitarbeiter auf ein Abfindungs- und Frühverrentungsprogramm. Eine solche Einigung hatten Marktbeobachter erst für Januar erwartet. In einem ersten Schritt bietet GM nun über 5.000 Mitarbeitern an, früher in Rente zu gehen oder das Unternehmen gegen eine Abfindung zu verlassen. Vorteil: GM kann teure Arbeiter durch günstigere Neuangestellte ersetzen, die Ersparnis wäre enorm. Die Entwicklung umweltschonender Fahrzeuge etwa auf Brennstoffzellenbasis soll den Turnaroundkurs bei GM zusätzlich forcieren.

Spielerischer Turnaround

Im Gegensatz dazu kann man bei Sony nicht von einem klassischen Turnaround sprechen. Der japanische Elektronikkonzern befindet sich weit von der Verlustzone entfernt. Die Analysten der Macquarie Bank rechnen für das dritte Quartal (per Ende Dezember 2007) sogar mit einem Rekordergebnis. Turnaroundpotenzial erkennt man bei Sony vielmehr bei den Verkäufen der Spielkonsole Playstation 3. Diese sind bislang weit hinter den Erwartungen der Japaner zurückgeblieben - vor allem, wenn man als Maßstab die Konsole Wii des Wettbewerbers Nintendo heranzieht: Gegen die hohe Rechnerleistung der PS3 hat die Wii im letzten und vorletzten Weihnachtsgeschäft vor allem dank innovativer Spielideen punkten können. Doch Sony hat mittlerweile reagiert. So senkten die Japaner den Preis für die PS3 signifikant, die Konsole findet langsam, aber sicher immer mehr Käufer - in den USA zuletzt gleich dreimal so viel wie vor der Preissenkung. Und dieser Zuspruch könnte sich 2008 auch an der Börse widerspiegeln.

Umstieg auf digital

Ebenfalls auf steigendes Interesse können Anleger bei Hauppauge, einem US-Pionier bei der Verschmelzung von Fernsehen und PC, spekulieren. Hauppauge ist am ehesten für seine TV-Karten bekannt. Dank einer Regelung der US-Regulierungsbehörde FCC, nach der ab 2009 das TV-Programm nur noch digital verbreitet wird, rüsten die USA nun um und auf - und bei Hauppauge brummt das Geschäft. Laut Firmenchef Ken Plotkin hat der Anteil der analogen Produktfamilie 2006 noch 65 Prozent am Gesamtumsatz ausgemacht, 2007 nur noch zehn Prozent. Besonders gefragt seien nun die margenstarken digitalen Empfänger und Rekorder. Das beweisen auch die Bücher: Der Umsatz stieg im vierten Quartal (bis 30.09.) um 22 Prozent auf 22 Millionen Dollar, der Gewinn wuchs um 58 Prozent. Setzt sich der Trend fort, könnte Hauppauge 2008 130 Millionen Dollar erlösen und dabei einen Profit von 0,52 Dollar pro Aktie erzielen. An diesen Aussichten gemessen ist das KGV von 9 sehr günstig. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Börse das Potenzial Hauppauges erkennt und die Aktie den technischen Turnaround einleitet.

Ersatz für Mais

Gute Perspektiven bietet auch der Ethanolhersteller Pacific Ethanol. Bei hohen Rohölpreisen und damit verbundenen immensen Heiz- und Spritkosten wächst der Druck auf die US-Regierung, alternative Energien zu fördern. Präsident Bush hat nun ein Gesetz abgesegnet, das eine deutlich höhere Ethanolproduktion vorsieht. Einer der bisherigen Knackpunkte in der Ethanolproduktion und auch Hauptgrund für den Kursverfall der Pacific-Ethanol-Aktie: der hohe Preis für Mais, das Ausgangsmaterial bei der Herstellung. Nun ist das Unternehmen fieberhaft mit der Entwicklung eines alternativen Herstellungsprozesses beschäftigt, bei dem Pflanzenreste statt Mais zum Einsatz kommen. Dieser Umstand in Verbindung mit der Unterstützung aus der Politik sollte Pacific Ethanol zu höheren Umsätzen verhelfen und damit auch wieder für Anleger interessant machen.

Quartett auf Umkehrkurs

Bei den vier Turnaroundkandidaten von DER AKTIONÄR für das Börsenjahr 2008 dürfte für das Depot jedes Anlegers etwas dabei sein: von konservativ wie Sony bis spekulativ wie Hauppauge.

Artikel aus DER AKTIONÄR (02/08).

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| Markus Horntrich | 0 Kommentare

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