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- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Märkte vor der Entscheidung - was bringt der G20-Gipfel? DER AKTIONÄR stellt 3 Szenarien auf

Seit Monaten beherrscht der Handelskrieg zwischen den USA und China die Schlagzeilen in den internationalen Medien und das Geschehen an den Aktienmärkten. Nun steht der G20-Gipfel in Argentinien bevor und viele Anleger hoffen, dass sich die Streithähne Trump und Xi Jinping einigen. Irgendwie. DER AKTIONÄR stellt 3 Szenarien auf, was beim Arbeitstreffen der beiden Alpha-Tiere rauskommen könnte.

Was passiert?

G20-Gipfel am Wochenende in Argentinien. Dazu ist eigentlich alles gesagt und geschrieben. Die Ausgangslage ist klar: Die USA fühlen sich von den Chinesen beim Handel seit Jahren über den Tisch gezogen und US-Präsident Donald Trump lässt nicht erkennen, dass sich das von ihm scharf kritisierte Verhalten des "Partners" in den letzten Monaten gebessert hätte. Chinesische Offizielle konterten die Vorwürfe zuletzt ungewohnt heftig und erhoben ihrerseits massive Anschuldigungen gegen die USA.

Beim gemeinsamen Abendessen am Samstag wollen die Regierungschefs jetzt Tacheles reden. Alles ist möglich, mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten. DER AKTIONÄR nennt jene drei Szenarien, die eintreten könnten.

Szenario I: Stillstand

Die Parteien einigen sich auf den Status-quo, verzichten also auf eine weitere Eskalation. Die bislang erhobenen Strafzölle bleiben bestehen. Die automatische Anhebung der von den USA zuletzt eingeführten Zölle von 10 auf 25 Prozent mit dem Jahreswechsel 2018/19 wird aufgehoben. Die Maßnahmen verschaffen beiden Seiten Zeit für weitere Verhandlungen.

Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent

Szenario II: Punktesieg für USA

Chinas Einkaufsmanagerindex ist im November auf 52,8 (Oktober: 53,1) Punkte gesunken, wie das National Bureau of Statistics am Freitag mitteilte. Der aktuelle Wert ist der niedrigste seit Januar 2017. Im Produzierenden Gewerbe rutschte der Wert exakt auf die Schwelle bei 50 Punkten. Experten argwöhnen, dass der Wert aufgerundet wurde und es der chinesischen Wirtschaft tatsächlich schlechter geht. Donald Trump besitzt hier also einen leichten Vorteil, beziehungsweise befindet sich Xi Jinping stärker in der Defensive, seine Verhandlungsposition ist schwächer. Trump könnte den Vorteil nutzen, um Xi Zusagen beispielsweise beim Patentschutz, den Autozöllen oder dem Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt abzuringen. Für den US-Präsidenten wäre es zumindest ein Punktesieg, den er per Twitter teilen würde, noch bevor das Geschirr abgeräumt ist.

Wahrscheinlichkeit: 30 Prozent

Szenario III: Eskalation

Donald Trump wird von seinem Wirtschaftsberater Peter Navarro begleitet, einem Hardliner bei Handelsfragen mit China. Trumps Reisebegleitung weckt die Befürchtung, dass es zu keiner Einigung mit der Volksrepublik kommt und das Weiße Haus auf seinen Forderungen zur Senkung des Bilanzdefizits mit China besteht. Chinas Regierungschef dürfte darauf kaum eingehen, schon allein, um keine Schwäche zu zeigen – weder gegenüber den USA, noch im eigenen Land. In diesem Fall würden die Zollerhöhungen zum Jahreswechsel greifen und wohl auch der Rest der China-Importe besteuert. Chinas Vergeltungsmaßnahmen zielten auf alle US-Importe ab.

Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent

Nur ein Szenario lässt die Kurse steigen

Nach Einschätzung des AKTIONÄR ist Szenario I am wahrscheinlichsten. Die Börsen dürften in diesem Fall etwas fester tendieren, Euphorie wird keine aufkommen. Die Möglichkeit einer Eskalation in der Zukunft hängt weiter über den Märkten wie ein Damoklesschwert und bedroht die Weltwirtschaft. Szenario II und III hätten ungleich massivere Auswirkungen auf die Börsen, wobei ein Sieg für Trump wohl zu kräftigen Kursgewinnen führt, während eine Eskalation und die damit verbundene Sorge vor einer globalen Rezession Verluste nach sich zieht.

 

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