Lynas
- Markus Bußler - Redakteur

Lynas: Das große Rätsel

Eigentlich sollte die Anlage längst in Betrieb sein. Eigentlich sollten in Malaysia längst Seltene Erden produziert werden. Eigentlich sollte das Geld bei dem australischen Rohstoffunternehmen längst sprudeln. Doch es kam anders. Und die ganze Sache gibt Rätsel auf.

Worum geht es? Der australische Konzern Lynas baut in Australien Seltene Erden ab. Doch die Produktion soll aus Kostengründen in Malaysia von Statten gehen. Dort errichtete das Unternehmen eine Verarbeitungsanlage. Kostenpunkt: Rund 353 Millionen australische Dollar. Diese Anlage ist auch so gut wie fertiggestellt. Ende Juni hatte Lynas bereits 308 Millionen investiert. Doch das Problem ist die Genehmigung. Eigentlich hieß es immer wieder, diese sei nur Formsache. Doch selbst die eine vorläufige Genehmigung lässt auf sich warten.

Genehmigung erst im Frühjahr 2013?

Die Verarbeitungsanlage ist längst zum Politikum geworden. Oppositionspolitiker haben die Angst der Bevölkerung vor der Anlage geschürt. Nicht zuletzt die Atomkatastrophe in Fukushima führte zu einer Sensibilisierung. Auch bei der Verarbeitung von Seltenen Erden können radioaktive Nebenprodukte anfallen. Auch die Medien stimmten mit ein. Mittlerweile gibt es Zweifel, ob es vor der nächsten Wahl zur Erteilung der Genehmigung kommt. Und diese Wahl findet erst im Frühjahr 2013 statt.

Nun meldet sich das Analystenhaus Forsters zu Wort und zweifelt ebenfalls an der baldigen Genehmigung. Die Experten gehen davon aus, dass die Anlage, so lange sie nicht arbeitet, Lynas rund 10 Millionen australische Dollar pro Quartal kosten wird. Zwar habe Lynas Mittel zur Verfügung, um einige Zeit zu überleben. Aber die Frage ist, wie lange „einige Zeit" ist. Die Verzögerungen könnten als zu Finanzierungsproblemen führen und Lynas könnte gezwungen sein, eine Neufinanzierung durchzuführen. Dies könnte in eine Kapitalerhöhung münden.

DER AKTIONÄR hatte nicht mit derartigen Problemen gerechnet. Die Lynas-Aktie befindet sich seit Wochen unter Druck.  In den vergangenen Tagen hat sich der Abwärtstrend noch verstärkt. Aus charttechnischer Sicht befindet sich das Papier mittlerweile im Niemandsland. Und Anleger fragen sich, ob die Anlage nicht zum Millionengrab für Lynas wird. So schmerzhaft es ist, investierte Anleger sollten die Reißleine ziehen. Derzeit spricht wenig dafür, dass Lynas die Genehmigung noch vor der nächsten Wahl bekommt. Und bis dahin dürfte sich auch kein positiver Newsflow einstellen.

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