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Übernimmt die Lufthansa jetzt Norwegian Air? Aktie crasht auf 7-Jahres-Tief | Ryanair wirbelt Luftraum durcheinander, winkt bei NAS ab, will Thomas Cook

Äußerungen von Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs lassen die Aktie der Norwegian Air Shuttle heute auf ein 7-Jahres-Tief fallen. Die Airline, die so viele Preise eingeheimst hat, kann eines offenbar nicht mehr: am Kapitalmarkt einen guten Preis für ihre Aktie erzielen. Zu hoch der Schuldenberg, zu kostspielig das laufende Geschäft. Während Ryanair hinsichtlich einer Übernahme abwinkt, mit IAG ein anderer längst die Flinte ins Korn geworfen hat, schweigt eine Airline beharrlich: die Lufthansa. Greift der Kranich etwa zu? 

Vor nicht einmal einem Jahr war die Welt noch in Ordnung, Norwegian Air Shuttle (NAS) oben auf. Die mehrfach preisgekrönte Airline aus Norwegen, die sich ein Langstreckennetz aufgebaut hatte, gleichzeitig Millionen Passagiere quer über ihren Heimatkontinent Europa flog, weckte auch auf dem Kapitalmarkt Begehrlichkeiten. Die International Airlines Group (u.a. British Airways, Iberia, Vueling), Europas drittgrößter Luftfahrtkonzern nach Ryanair und Lufthansa, bekundete Interesse, kaufte Aktien. Doch Norwegian Air zierte sich, wollte nicht – und zwar so lange, bis IAG schließlich entnervt das Handtuch warf. Ende Januar teilte die spanisch-britische Gruppe mit, ihr Aktienpaket – immerhin 3,9 Prozent aller NAS-Anteile – abzustoßen und die Übernahme-Pläne aufzugeben. Marktteilnehmer hoben die erst die Augenbrauen, rümpften die Nase, warfen dann ihre Aktien mit beiden Händen auf den Markt. Die Folge: Ein veritabler Crash. NAS-Titel verbilligten sich binnen weniger Stunden um ein Fünftel.

Hohe Schulden, hohe Verluste, aber ein klares Ziel

NAS hat hohe Schulden, fliegt Verluste ein. Wie das Unternehmen erst vor einer Woche mitteilte, weitete sich der Fehlbetrag im Schlussquartal 2018 von zuvor 74 Millionen Euro auf 310 Millionen Euro aus. Bjoern Kjos, CEO der Gesellschaft, hat aber ein klares Ziel: Schwarze Zahlen in 2019. Die Anstrengungen, die dafür unternommen werden, sind enorm – und gehen auf Kosten des Wachstums. Lag der Kapazitätszuwachs 2018 noch bei 37 Prozent, werden dieses Jahr nur neun Prozent angestrebt. Flugzeuge sollen verkauft werden, Kosten gesenkt, Strecken aussortiert werden. Und: Eine Kapitalerhöhung soll gut 300 Millionen Euro in die Kassen spülen, das Überleben so sichern.

Ryanair erklärt: Nein, danke

Schon vor dem Ausstieg von IAG, mit dessen Engagement Anleger offenbar große Hoffnungen verbanden, wurden auch andere Namen in der Branche gehandelt. Einer davon: Ryanair, Europas Nummer zwei. Die Iren haben da schon dementiert. Heute griff Marketingchef Kenny Jacobs das Thema noch einmal auf und erklärte, Ryanair habe kein Interesse an Norwegian. Nicht einmal an Teilen von Norwegian. Eine klare An- und Absage. Stattdessen schaue sich Ryanair jetzt Thomas Cook an, respektive deren Airlines. Europas zweitgrößter Reiseveranstalter hatte vergangene Woche seine Fluggesellschaften offiziell zum Verkauf gestellt. Sie, oder zumindest Teile davon, könnten Ryanair interessieren, so Jacobs. Thomas Cook statt NAS also – Aktionären der norwegischen Airline wird angesichts des Absprungs eines weiteren potenziellen weißen Ritters langsam mulmig. Die Aktie rutscht an der Börse in Oslo erstmals seit Juni 2012 unter die Marke von 100 Kronen, verliert in der laufenden Sitzung über sieben Prozent.

Lufthansa sagt wenig bis nichts

IAG raus, Ryanair raus. Bleibt? Die Deutsche Lufthansa, Europas Nummer eins. Sie hüllt sich in vornehmes Schweigen. Ein Sprecher der Airline erklärte gegenüber dem Börsen.Briefing.(hier geht es zur Anmeldung zum neuen kostenlosen Newsletter des AKTIONÄR) bereits Ende Januar: "Wir rechnen unverändert damit, dass sich die Konsolidierung der Luftfahrtindustrie in Europa fortsetzen wird. Dabei wollen wir weiter eine aktive Rolle spielen. Spekulationen zu einzelnen Airlines kommentieren wir grundsätzlich nicht." Manchmal ist nichts zu sagen gleichbedeutend mit „nicht“ sagen. Aber: Dass die Lufthansa grundsätzlich Interesse an Norwegian hat, lässt sich nicht von der Hand weisen. Im Sommer des vergangenen Jahres sagte Lufthansa-CEO Carsten Spohr der Süddeutschen Zeitung: „Es steht eine weitere Konsolidierungswelle an. Das heißt, dass wir auch mit Norwegian in Kontakt stehen.“

Bleibt die Frage: Wenn die Lufthansa vor einem Jahr Interesse hatte, warum sollte es jetzt verschwunden sein? Hatte Spohr das Gespräch damals nur gesucht, um den Preis für Wettbewerber IAG in die Höhe zu treiben? Es wird kolportiert, ernsthafte Gespräche hätten zu keinem Zeitpunkt stattgefunden. Das würde die These stützen, die Aussage hätte nur dazu gedient, den Deal für IAG teurer zu machen. Andererseits: Wenn die Lufthansa eine treibende Kraft der Konsolidierung im europäischen Airline-Business bleiben möchte, dann wird sie sich womöglich schwertun, einem möglichen Verkauf von Norwegian tatenlos zuzusehen.

Norwegian verlieren an der Osloer Börse 6,78 Prozent auf 99,74 Kronen, Ryanair gewinnen in London 0,17 Prozent auf 11,71 Euro, Thomas Cook steigen um 3,08 Prozent auf 29,46 Britische Pfund, Aktien der Lufthansa werden auf Xetra zu 21,74 Euro gehandelt und damit 2,12 Prozent schwächer als am Vortag.

Ein Beitrag von Leon Müller, Chief Editor AKTIONÄR Börsen.Briefing. (www.boersenbriefing.de)

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