Linde
- Maximilian Völkl

Linde: Tag der Entscheidung – bald ist es soweit

Seit Monaten dreht sich beim Gasehersteller Linde alles um die Fusion mit dem US-Wettbewerber Praxair. Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle will den Zusammenschluss gegen den Willen der Arbeitnehmer um jeden Preis durchdrücken. In der kommenden Woche könnte es zum Showdown kommen.

Laut Wirtschaftswoche wollen Vorstand und Aufsichtsrat von Linde dann über den Fusionsvertrag abstimmen. Die Vereinbarung zwischen den Konzernen, das sogenannte Business Combination Agreement ist laut einer Adhoc-Meldung von Linde vom Mittwoch inzwischen fertig. Im Gegensatz dazu hatte es zwischen Kapital- und Arbeitnehmerseite zuletzt aber kaum eine Annäherung gegeben.

Enges Rennen

Das Problem: Gewerkschaften und Betriebsrat befürchten durch eine Fusion einen massiven Stellenabbau und den Verlust von Mitbestimmungsrechten. Sie wollen geschlossen gegen den Praxair-Deal stimmen. Allerdings könnte sich der Dresdner Betriebs- und Aufsichtsrat Frank Sonntag enthalten. Hintergrund: Linde hatte angekündigt, den Standort Dresden zu schließen, bei einer Fusion würde die Beschäftigungsgarantie aber auch Dresden mit einschließen.

Sollte es zu einem Patt kommen, hat Aufsichtsratschef Reitzle bereits angekündigt, dass er sein Doppelstimmrecht ausüben will. Brisant: Dies gilt in Deutschland als Affront und wurde in der Geschichte nur selten umgesetzt. Ein Durchdrücken der Fusion gegen den Willen der Arbeitnehmer erscheint deshalb nach wie vor kritisch. Hinzu kommt, dass Aktionärsvertreter das Vorgehen von Linde und insbesondere von Reitzle bereits jetzt als unangemessen kritisieren – und das noch vor der wichtigen Entscheidung kommende Woche.

Die Spannung steigt

Für einen friedlichen Start wäre es wichtig, dass das Doppelstimmrecht nicht benötigt wird. Selbst dann dürfte das Management Probleme bekommen, die Arbeitgeber voll für die neuen Aufgaben zu motivieren. Langfristig würde die Fusion zwar durchaus Synergien heben. Linde hat allerdings bewiesen, dass der Konzern auch ohne Praxair gut dasteht. Neueinsteiger sollten die Abstimmung aber abwarten. Wer investiert ist, bleibt dabei.

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