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Liebe auf den zweiten Blick

Die Aktien von Nortel Networks kommen langsam in Fahrt - für langfristig orientierte Anleger bietet sich ein günstiger Einstieg.

Die Aktien von Nortel Networks kommen langsam in Fahrt - für langfristig orientierte Anleger bietet sich ein günstiger Einstieg.

Von Martin Weiss

Aktien kauft man am besten dann, wenn sie kein anderer haben will - nach diesem einfachen Prinzip handelte schon der Börsenaltmeister André Kostolany. Und Investmentprofi Warren Buffett tut es noch heute. Schon allein unter diesem Aspekt sind die Aktien des Telekomausrüsters Nortel Networks ein Muss für jeden halbwegs ambitionierten Anleger. Vor noch nicht einmal fünf Jahren zählte der kanadische Multi - ebenso wie sein amerikanischer Konkurrent Lucent Technologies - zu den Basisinvestments im Internetbereich. In der Gegenwart angekommen, ist vom einstigen Glanz kaum noch etwas übrig.

Harter Sparkurs

Dabei muss sich Nortel Networks keineswegs verstecken. In den letzten Quartalen hat der Konzern kontinuierlich an einer Verbesserung seiner Kostenstruktur gearbeitet und beginnt nun damit, die Früchte dieser Arbeit zu ernten. Der Sparkurs führte unter anderem dazu, dass Nortel im zweiten Quartal unter dem Strich 66 Millionen Dollar verdiente, nachdem im ersten Quartal noch ein Minus von 70 Millionen Dollar die Bücher belastet hatte. Unternehmensaussagen zufolge soll die Kostenquote im operativen Geschäft bis Ende 2005 auf 35 Prozent (Q2 2005: 37 Prozent) und bis Ende 2006 sogar auf 30 Prozent der Umsätze sinken. Für diesen Fall könnten sich die aktuellen Gewinnprognosen als konservativ erweisen.

Stark in Wachstumsmärkten

Zusätzliche Kursfantasie bezieht Nortel aus der Strategie, sich verstärkt auf Aktivitäten in Wachstumsbranchen zu fokussieren. Die Kanadier forcieren beispielsweise ihre Bemühungen im WiMax genannten Hochgeschwindigkeits-Mobilfunknetz. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner LG Electronics wurde hier ein erster Großauftrag für die Lieferung von Hardware und Serviceleistungen an Land gezogen. Auftraggeber ist der koreanische Mobilfunkprovider KFT. Nortel und LG hatten im letzten Jahr in Korea addierte Umsätze von einer halben Milliarde Dollar. Nach Einschätzung von Experten dürften die Umsätze des Joint-Ventures aber deutlich höher ausfallen. In einem weiteren Wachstumssegment, der Internettelefonie (VoIP), hat Nortel ebenfalls einen "Fuß in der Tür" - mit einer Reihe neuer IP-Telefone greift der Konzern hier nun im Endkundengeschäft an.

Bewertung bietet Spielraum

Die Aktien weisen auf Basis der EPS-Prognosen für 2006 ein Gewinnvielfaches von knapp 18 auf. Der Wert erscheint für einen Multimilliarden-Dollar-Koloss wie Nortel Networks ambitioniert. Allerdings handelt es sich bei den Schätzungen um die Konsensprognosen. Viele Analysten haben bislang weder das Joint-Venture mit LG in ihren Berechnungen berücksichtigt noch die zusätzlichen Umsätze, die Nortel etwa aus "Katrina" oder "Rita" beziehen wird. Fließen diese Faktoren in die Schätzungen ein, dann dürfte der Gewinn pro Aktie im kommenden Jahr eher um die 0,21 bis 0,24 Dollar pro Aktie betragen. Im besten Fall reduzierte sich das KGV damit auf 13.

Kaufen

Anleger, die über eine Portion Geduld verfügen, sollten sich Nortel Networks ins Depot legen - und liegen lassen. Langfristig dürfte sich das Papier als echter Renditebringer herausstellen.

Artikel aus Ausgabe 42/2005

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