Leoni
- Jochen Kauper - Redakteur

Leoni-Aktie: Nach dem Rücksetzer wieder auf Erholungskurs

Leoni ist um rund 40 Millionen Euro betrogen worden, wie das Unternehmen am Dienstag bekanntgegeben hat. Die Angreifer nutzten dabei offenbar eine als "Chef-Trick" oder "CEO-Fraud" bekannt gewordene Masche, um sich Zugriff auf die Zahlungen zu sichern. Die Kriminellen operierten offenbar mit gefälschten Dokumenten und fingierten Identitäten und nutzten "elektronische Kommunikationswege", um die betrügerischen Zahlungen anzuweisen. Den Begriff Chef-Trick nutzt das Unternehmen nicht selbst, dies sei "eine Interpretation verschiedener Medien, weil in der Vergangenheit ähnliche Vorfälle so bezeichnet wurden", sagte ein Leoni-Sprecher.

40 Millionen Euro futsch?

Die Gelder wurden Leoni zufolge auf Zielkonten ins Ausland transferiert. Leoni konnte mit Verweis auf laufende kriminalpolizeiliche Ermittlungen keine genaueren Angaben zu vermuteten Tätern, Zielland und zeitlichem Ablauf des Angriffes machen. Derzeit würden Schadenersatz und Versicherungsansprüche geprüft.

Das aktuelle Geschäft laufe "prognosekonform", die Liquidität des Unternehmens sei von dem aktuellen Vorfall "nicht wesentlich beeinträchtigt", heißt es in der Pressemitteilung. Angesichts von Bruttobarmitteln von 148 Millionen Euro und einer Nettoverschuldung von 448 Millionen Euro sei der 40 Millionen Euro teure Schaden nicht existenzbedrohend.

Commerzbank-Analyst Sascha Gommel bezweifelte in einer Studie jedoch, dass der millionenschwere Betrug, dem der Autozulieferer zum Opfer gefallen ist, wie von Leoni behauptet keinen substanziellen Einfluss auf die Liquidität hat.

 

 

Spannende Comeback-Story

Es bleibt nun abzuwarten inwieweit sich der Vorfall auf die Jahreszahlen beziehungsweise die Prognose auswirken wird. Die Bewertung von Leoni ist allerdings einen Blick wert. Einem Umsatz von 4,4 Milliarden Euro 2016 steht eine Börsenbewertung von knapp einer Milliarde Euro gegenüber. Macht ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,2. Wettbewerber wie die französische Valeo oder der japanische Sumitomo-Electric-Konzern kommen auf Multiple von 0,6 beziehungsweise 0,4. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Leoni für 2016 beträgt 15. Findet der Autozulieferer wieder in die Spur, könnte 2017 ein Gewinn je Aktie von 3,00 Euro stehen. Das würde einem KGV von nur noch 9 entsprechen.

Bis vor dem Vorfall ging DER AKTIONÄR davon aus, dass Leoni die Jahrespro­gnose mit großer Wahrscheinlichkeit übertreffen wird. Jetzt muss man diesbezüglich abwarten.

Dennoch: Leoni ist auf Sicht von zwölf Monaten eine spannende, wenn auch spekulative Comeback-Story. Kurse zwischen 32 Euro und 34 Euro sind Kaufkurse. Stoppkurs: wie in DER AKTIONÄR Ausgabe 31/2016 angegeben: 26,50 Euro.

 

 

 

 

 


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