- Andreas Deutsch - Redakteur

Lehman und die Folgen für Commerzbank & Co

Vor genau drei Jahren platzte die Bombe: Die US-Regierung entschied sich, die schwer angeschlagene Investmentbank Lehman Brothers nicht zu retten. Danach erschütterte ein Beben die Finanzbranche. Die Folgen der Lehman-Pleite sind heute noch spürbar.

Als im Sommer 2007 die ersten Berichte über eine aufkommende amerikanische Hypothekenkrise veröffentlicht wurden, ahnte noch niemand deren Dimensionen. Innerhalb weniger Monate gerieten mehrere Banken ins Straucheln, da sie faule Kredite in Milliardenhöhe abschreiben mussten. Besonders betroffen war Lehman Brothers. Am 10. September 2008 gab die Bank einen Quartalsverlust von 3,9 Milliarden Dollar bekannt. Fünf Tage später musste Lehman Insolvenz anmelden. Die US-Regierung hatte zuvor schon drei große Banken gestützt. Bei Lehman entschied sie sich gegen eine Rettung.

Schlimme Folgen

Eine Kettenreaktion setzte ein. Die Banken zweifelten gegenseitig ihre Kreditwürdigkeit an und liehen sich kein Geld mehr. Die Staaten mussten einspringen und ihre Banken stützen. Die Experten warnten: Ginge noch eine große Bank pleite, wären die Folgen dramatisch. Das weltweite Finanzsystem könnte dann kollabieren.

In Deutschland musste die Hypo Real Estate verstaatlicht werden. Die Commerzbank stützte der Staat mit mehreren Milliarden. Im Mai 2009 stieg der Staat mit 25 Prozent bei der Commerzbank ein. Das Institut gründete eine interne Bad Bank, in der faule Wertpapiere ausgelagert wurden.

Als Folge der Finanzkrise kämpfen nun auch Staaten ums Überleben. Die Zukunft Griechenlands hängt am seidenen Faden. Ginge das Land pleite, hätte dies gravierende Folgen für viele Banken, da sie griechische Staatsanleihen in Milliardenhöhe abschreiben müssten.

Das Problem im Kopf

Nur drei Jahre nach Lehman gibt es das nächste Bankenbeben. Die Aktien vieler Banken - unter anderem der Commerzbank und der Deutschen Bank - waren zuletzt im freien Fall und zogen die Märkte mit nach unten. Bei dem Börsencrash wurden weltweit knapp drei Billionen Dollar vernichtet.

Nach Einschätzung Robert Halvers, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, ist die Situation nicht so schlimm, wie der Markt sie einschätzt. "Die EZB würde alles unternehmen, um die Banken zu stützen", sagt er. Laut Halver führt die Unsicherheit dazu, dass die Banken ihr Geld lieber bei der EZB parken, statt es anderen Banken oder der Wirtschaft zukommen zu lassen. "Das war während der Lehman-Krise genauso", sagt Halver. Sein Appell an die Politik: "Das Griechenland-Problem muss nachhaltig gelöst werden."

Chance für Geschädigte

Mit dem Fall Lehman beschäftigt sich nun der Bundesgerichtshof. Ein Ehepaar hat mit Lehman-Zertifikaten viel Geld verloren und geklagt. Dem Urteil wird von Experten Grundsatzcharakter bescheinigt. Sollte es zugunsten der Geschädigten ausfallen, können sich die 40.000 bis 50.000 Lehman-Opfer in Deutschland Hoffnung auf Entschädigung machen.

Bankenaktien nur etwas für Mutige

DER AKTIONÄR rät Anlegern zu Vorsicht bei Bankenaktien. Solange die Politik keine vernünftige Strategie in der Griechenland-Problematik präsentiert, können die Titel der Banken immer wieder unter Druck geraten. Deswegen sollten nur Mutige investieren. Bei der Deutschen Bank sollte der Stopp knapp unter den Jahrestiefs bei 20,50 Euro platziert werden. Anleger, die auf eine Gegenbewegung bei der Commerzbank wetten wollen, setzen den Stopp bei 1,40 Euro.

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