- DER AKTIONÄR

Langweilig war gestern

Recycling-Unternehmen haben sich in den letzten Monaten zu heimlichen Börsenstars gemausert. Der Grund: Die gestiegenen Stahlschrottpreise haben ihre Gewinne explodieren lassen. Aber kann man auch in diesem Jahr mit Schrott noch Geld verdienen?

Recycling-Unternehmen haben sich in den letzten Monaten zu heimlichen Börsenstars gemausert. Der Grund: Die gestiegenen Stahlschrottpreise haben ihre Gewinne explodieren lassen. Aber kann man auch in diesem Jahr mit Schrott noch Geld verdienen?

Von Ingo Hübner

Angeheizt durch Chinas Hunger nach Rohstoffen hat vor allem auf dem Stahlmarkt im vergangenen Jahr eine rasante Entwicklung stattgefunden. Das knappe Angebot hat die Preise für Stahl auf ein Niveau schnellen lassen, das zuletzt 1989 erreicht wurde. Davon profitierten auch die Recycler von Stahl- und Eisenschrott, denn Eisen ist der Grundstoff für die Herstellung von Stahl. Bei Interseroh, einem der wichtigsten deutschen Wiederaufbereiter von derartigem Schrott, liest sich die Entwicklung so: Im vergangenen Jahr verdiente Interseroh 28,8 Millionen Euro, nach 8,9 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz kletterte um rund 41 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro. Der Aktienkurs (siehe aktionär 39/04 Empf.-Kurs 13,20) - lange Zeit dümpelte er nur vor sich hin - ist wie der Gewinn ebenfalls sprunghaft gestiegen. Zwar generiert Interseroh das Gros seines Umsatzes mit dem Metall- und Stahlrecycling, das Unternehmen hat aber auch andere Trümpfe in der Hinterhand (siehe Interview). Dabei handelt es sich um komplexe Dienstleistungen, die das Sammeln, Organisieren sowie Aufbereiten und Vermarkten von Rohstoffen betreffen. Dazu zählen Papier, Altholz und in jüngster Zeit auch ein System für die Rücknahme von PET-Flaschen, das unter dem Namen Westpfand firmiert.

Der Nachbar kann es auch

CFF Recycling ist das Pendant zu Interseroh im französischen Nachbarstaat. Die Gesellschaft macht zurzeit ebenfalls mit der Aufbereitung und dem anschließenden Weiterverkauf von Metallen gute Geschäfte. CFF hat zuletzt im Dezember 2004 das Neunmonatsergebnis vorgelegt, und diese waren durchaus beeindruckend. So ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 48 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro gestiegen. Der Gewinn konnte gar um 232 Prozent auf 63 Millionen Euro zulegen. Damit hatte CFF die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr schon nach neun Monaten deutlich übertroffen. Auch bei den Franzosen spiegelt sich die dynamische Entwicklung im Kursverlauf der Aktie nur allzu deutlich wider.

Weiterhin hohes Niveau

Für die weitere Entwicklung der Recycling-Branche ist in erster Linie die zukünftige Entwicklung der Stahl- und der Stahlschrottpreise entscheidend. Eine dauerhafte Entspannung sehen Experten hier zurzeit nicht. Dieter Ameling, der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, hat erst jüngst auf der Hannover Messe betont, er erwarte eine Normalisierung der Preise auf dem hohen Niveau. Das International Iron and Steel Institute prognostiziert Ähnliches: Entgegen so mancher Befürchtung rechnet das Institut für 2005 weltweit mit einem knapp 40 Millionen Tonnen höheren Stahlverbrauch als noch in 2004.

Gute Voraussetzungen

Auch wenn die Verkäufe von Stahlschrott die Gewinne der Recycler in diesem Jahr nicht mehr derart stark steigen lassen sollten, sind die Papiere von Interseroh und CFF weiterhin gute Wahl. Daneben spricht für Interseroh insbesondere die Etablierung von Westpfand und für CFF das im Branchenvergleich geringste KGV von 6. Mit Geduld sollte sich auch in diesem Jahr mit den Papieren Geld verdienen lassen.

Artikel aus DER AKTIONÄR 18/05

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